Rigi Anzeiger
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Junge Interpretation «romantischer Knüller»

Instrumentaltalente in Meggen auf dem Weg nach oben

Klassik trifft Jugend, eine musikalische Begegnung der besonderen Art. Das Jahreskonzert der Stiftung für junge Musiktalente Meggen bot Mendelssohn, Mahler, Chopin und «romantische Knüller».

Viel Beifall erhielt das Solistenduo Justin Lamy (Violine) und Luisa Splett (Klavier). Sebastian Hamann leitete das Lucerne Chamber Orchestra. Doch gehen wir der Reihe nach. Die Jahreskonzerte im Gemeindesaal Meggen sind stets ein ganz besonderer musikalischer Genuss. Junge, vielversprechende Talente können sich in der Öffentlichkeit profilieren und dabei erfahren, dass es ganz anders ist, vor einem kritischen Publikum aufzutreten als im stillen Kämmerlein zu musizieren. Dass noch nicht immer alles wunschgemäss gerät, ist verständlich, fehlt doch die Aufführungsroutine, und die Nerven werden bis zum Zerreissen gefordert. Das war am vergangenen Sonntag genauso wie an den früheren Jahreskonzerten, an denen nur bestens qualifizierte Nachwuchskünstler auftreten dürfen.

Luisa Splett
Sicher interpretierte Luisa Splett das Chopin-Klavierkonzert Nr. 1.

Welch ein Komponistendreiklang
Mendelssohn, Mahler und Chopin! Farbiger gestaltet hätte das Programm kaum sein können. Dass ein sinfonisches Stück (Adagietto aus Mahlers 5. Sinfonie) von zwei «romantischen Knüllern» garniert wurde, sorgte für zusätzliche Kontraste. Lange nicht alle Geiger reissen sich um Mendelssohns d-Moll-Konzert, welches im Schatten des viel bekannteren e-Mollkonzertes Nr.1 steht. Hingegen schwärmen alle Pianisten von Chopins e-Moll-Konzert, welches dem Interpreten unglaubliche Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Man denke etwa an die perlenden Laufpassagen oder die ergreifenden lyrischen Abschnitte.

Besonders erwähnenswert ist, dass ein Streichorchester Begleitinstrument war, dies nicht zuletzt deshalb, weil diese Art der Besetzung beim Mendelssohn- und Mahlerwerk vorgeschrieben war, während das Klavierkonzert nicht in der allgemein üblichen Manier mit einem voll bestückten Orchester zur Wiedergabe gelangte.

Werke des Wunderkindes
Eröffnet wurde das Jahreskonzert mit einem Jugendwerk des dreizehnjährigen Felix Mendelssohn, der von vielen Zeitgenossen als Wunderkind bezeichnet wurde. Das d-Moll-Violinkonzert ist ein wohlklingendes Jugendwerk, das auch von talentierten Laienorchestern bedenkenlos aufgeführt werden kann. Nur gerade acht Streicher begleiteten den Solisten Justin Lamy, der, ab Blatt spielend (Warum eigentlich?) sein Können nur fragmentarisch zeigen konnte. Die Miniformation wurde von Sebastian Hamann mit unmissverständlichen Gesten ans Ziel geführt.

Pianistische Leckerbissen sind die beiden Klavierkonzerte von Frédéric Chopin, wobei leider aus organisatorischen Grüssen zu der wenig effektvollen Streicherfassung gegriffen wurde, wirklich schade, denn das wahrhaft Prickelnde, die unendlich einprägsamen Klangperlenketten kamen nicht optimal zur Geltung, obschon die Solistin Luisa Splett alles gab, um dem Werk wenigstens etwas von seinem phänomenalen Glanz mitgeben zu können. Es gelang weder der Solistin noch dem Dirigenten, das Optimum aus dem viel zu kleinen Begleitorchester heraus zu holen. Das war Chopin auf Sparflamme.

Beginn der Weltsinfonien
Gustav Mahler hat viele grossartige Sinfonien komponiert, denen man auch heute noch oft im Konzertsaal begegnet. Biographen bezeichneten die 5., 6. und 7. Sinfonie als «Weltsinfonien», weil sie diesseitsorientiert sind.

Aus der 5. Sinfonie in cis-Moll, entstanden 1901–03, hörte man zwischen den Instrumentalkonzerten das wunderschön-innige Adagietto, das an die zehn Ausführenden, neun Streicher, eine Harfe) insofern hohe Anforderungen stellte, als es nicht einfach ist, die geradezu ätherische Jenseitsstimmung ins Diesseits zu übertragen, dies erst noch in Kleinstbesetzung. Das Publikum bedankte sich bei den Ausführenden mit herzlichem Beifall.