Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

K17 und städtebauliche Defizite

Das Rontal – eine Herausforderung für Planer, Architekten und Behörden

Auf Planungschinesisch heisst das Rontal jetzt «ESP Luzern Ost». Damit ist das Kleeblatt der Entwicklungsschwerpunkte rund ums Zentrum Luzern komplett. Doch «Luzern Ost» unterscheidet sich von «Nord» und «Süd» erheblich. Es ist kein klar begrenzter Punkt auf der Landkarte, sondern ein Band. Als «Bandstadt» geniesst die Achse Rontal-Rotkreuz-Zug auch nationale Aufmerksamkeit.

«Hochparterre», als Fachzeitschrift für Architektur und Design sozusagen das Zentralorgan der schweizerischen Planer- und Architektenzunft, widmet dem Rontal in der April-Ausgabe einen Schwerpunktbeitrag. Anlass ist – neben anderem – der Amtsantritt der Gebietsmanagerin Luzern Ost, Natalie Mil (RigiAnzeiger Nr.8/2014). Damit macht LuzernPlus, als Gemeindeverband der Entwicklungsträger in der Region Luzern, deutlich, dass auch die Entwicklung im Rontal einer ordnenden Hand bedarf.

Rückgrat des «Seepferdchens»

Aus Luzerner Sicht beginnt das Rontal hinter dem Maihof mit der Grenze zu Ebikon, und es endet bei Root, wo die Ron in die Reuss mündet. Das Gebietsmanagement zieht immerhin noch Gisikon, Honau und Inwil in die Betrachtung mit ein. Aus übergeordneter Sicht allerdings ist es Teil einer Entwicklungsachse, die Luzern über Rotkreuz mit Zug verbindet. In einer Visualisierung der Metropolitankonferenz Zürich ähnelt diese Achse einem Seepferdchen – mit dem Schwanz in Luzern, dem Kopf in Zug und dem Rückgrat im Rontal. Für Planer ist es das «Zwei-Seen-Städteband». Wenn man das Bild vom Rückgrat mit der Kantonsstrasse K17 durchs Rontal in die Wirklichkeit übersetzt, ist es auch die Problemzone im ESP Luzern Ost. Das haben Planer schon länger erkannt. Sie diagnostizieren «städtebauliche Defizite», die ihre Ursache nicht zuletzt im Ausbau der K17 zur leistungsstarken Kantonsstrasse ab den 1960er Jahren haben. Roger Sonderegger, Dozent am Institut für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern Wirtschaft benannte diese Defizite in seiner Masterarbeit als Raumplaner an der ETH: «schwacher öffentlicher Verkehr, bauliche Entwicklung in die Fläche, wenig attraktive öffentliche Räume». Wie in andern Agglomerationsräumen der Schweiz sei auch im Rontal «in den vergangenen 50 Jahren Qualität und Identität verloren gegangen». Als Perspektive für die Zukunft kann er sich das Rontal als «Städtenetz» vorstellen. Dazu müssten die Siedlungsschwerpunkte aufgewertet werden.

Krampfader K17

Die als Hauptschlagader für den Verkehr gedachte Kantonsstrasse ist fürs Rontal zur Krampfader geworden. Sie ist Hoheitsgebiet des Kantons. Das erleichtert es den Gemeinden nicht, ihre Ortszentren aufzuwerten. Dass die Kantonsstrasse zu einer Belastung fürs Rontal geworden ist, sehen nicht nur die Planer so. In einer Bürgerbefragung bezeichneten Ebikonerinnen und Ebikoner «Verkehr» und «Kantonsstrasse» als «grösste Probleme der Gemeinde». Die Gemeindebehörden geben sich Mühe, mit diesem Strassenband irgendwie klar zu kommen. Mit einem Masterplan will man die vierspurige Strasse bändigen und das Zentrum neu definieren. Als grosse Chance sieht Ebikons Bauchef Peter Schärli die Tatsache, dass in diesem Prozess jetzt auch die Tiefbauer des Kantons mit am Tisch sitzen und schon angedeutet haben, dass man auch über Tempo 50 im Zentrumsbereich reden könne. Die Gemeinde selbst will die flächenintensive Nutzung entlang der Kantonsstrasse zurückdrängen. Die Überbauung Hofmatt soll das Zentrum stärken und städtebaulich aufwerten.

In Root nahm man die Sanierung der Ortsdurchfahrt zum Anlass, das alte, über die Jahre heruntergekommene Dorfzentrum aufzuwerten. Der Gestaltungsplan fürs Zentrum kommt jetzt zur Anwendung.

Hoffnung auf den «Tram-Bus»

Mit der Stärkung und Aufwertung der Zentren sollen die Dörfer und das Rontal als Ganzes seine Identität wiedergewinnen. In andern, dem Rontal ähnlichen Bandstadt-Agglomerationen, schuf ein attraktives öffentliches Verkehrsmittel einen «Identitätsfaktor»: mit der Glatttalbahn entstand die Vision der «Glatttalstadt». Ein «Rontaltram», wie es Sonderegger vorschlug, wird es nicht geben. Mit dem «RBus», einem im Design einem Tram ähnlichen Doppelgelenk-Trolleybus, soll auf der künftigen Linie 1 Kriens-Ebikon ein attraktives öV-Mittel angeboten werden. Enden wird diese Linie vorerst am Bahnhof Ebikon, der zum «Bus-Hub» fürs Rontal werden soll. Mit dem Umbau der K17 auf dem Abschnitt Maihof-Knoten Schlösslistrasse will der Kanton dem neuen Grosstrolleybus einen passenden Korridor schaffen.

Auf der Suche nach Visionen

Das Rontal endet allerdings nicht am Bahnhof Ebikon. Darüber hinaus denken will (und muss) Natalie Mil als Gebietsmanagerin Luzern Ost. Bis Ende 2014 will sie das aus einem breit angelegten Findungsprozess hervorgehende Leitbild für den ESP Luzern Ost vorlegen. Beteiligt an diesem Prozess sind alle Rontal-Gemeinden (Buchrain, Ebikon, Dierikon, Root, Gisikon, Honau und Inwil). In ihrem Expertenteam ist neben Raumplanern, Landschaftsarchitekten, Imagespezialisten und Architekten auch der Zuger Kantonsplaner. Damit scheint sichergestellt, dass das raumplanerische Seepferdchen bis zum Kopf gedacht wird. Derzeit sammelt die Gebietsmanagerin «Visionen» fürs Rontal. Ob sich an der Suche auch fachkundige Aussenstehende beteiligen werden, ist offen.

Riedmatt_Ebikon_III

Städtebauliche Projektierung – Riedmatt in Ebikon gilt als gutes Beispiel.