Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Kahlschlag an der Horlaui

Weggis: Knapp ein Jahr nach der Zwangsräumung von fünf Wohnhäusern am Steilhang Horlaui in Weggis, sind alle Häuser und viel Vegetation weggeputzt. Bis auf ein Holzhaus, dessen Besitzer vor Bundesgericht klagt.

Das Vorgehen der Gemeinde am Fusse der Rigi sorgte im vergangenen Sommer für nationale Schlagzeilen. Fünf Häuser sollen aus einem potentiell steinschlaggefährdeten Steilhang über der Kantonsstrasse beseitigt werden. Sie wurden dort in Zeiten erbaut, in denen die Bautätigkeit weniger bis gar nicht reglementiert und die Sensibilität  gegenüber Naturgefahren weit geringer war als heute. Die Argumentation der Gemeinde war einleuchtend: Die Gemeinde trage letztlich die Verantwortung dafür, dass niemand in einem Wohngebiet zu Schaden kommt, dessen potentielle Gefährdung durch Naturgefahren offensichtlich ist. Die Besitzer der Häuser wehrten sich mit Gegengutachten und dem Hinweis darauf, dass es bis anhin noch nie zu Steinschlägen oder Erdrutschen in dem inoffiziellen Wohngebiet gekommen ist. Und auch keine Anzeichen einer unmittelbaren Bedrohung auszumachen seien. Obschon Hausbesitzer, als auch deren Mieter, mit Leib und Seele an ihren exklusiven Adlerhorsten mit Seeblick hingen und zumindest ein grosser Teil der Bevölkerung die Massnahme der Gemeinde als unnötig einstuft, hielt sich die Gegenwehr der Direktbetroffenen in Grenzen. Vielleicht auch deshalb, weil ihnen die Gemeinde eine Entschädigung in Aussicht stellte. Und es anderseits klar war, dass sie ihr Wohneigentum an dieser exponierten Lage und nach der öffentlichen Diskussion um die Gefährdung des Hanges, kaum je verkaufen hätten können.

Hier stand auch das Haus, in dem Juerg Kirchmeier (57) vor einigen Monaten noch hauste. Aufnahme vom 17. April 2015. Bild: Niklaus Waechter

Hier stand auch das Haus, in dem Juerg Kirchmeier (57) vor einigen Monaten noch hauste.
Aufnahme vom 17. April 2015.
Bild: Niklaus Waechter

Die Wohnhaeuser, die einst ueber der Kantonsstrasse in Weggis waren, wurden innert Momaten ratzekahl weggeputzt.

Die Wohnhaeuser, die einst ueber der Kantonsstrasse in Weggis waren, wurden innert Momaten ratzekahl weggeputzt.

Innert einem Monat ausziehen

Im Frühsommer 2014 ging dann plötzlich alles sehr schnell. Im Juni erliess die Gemeinde für die fünf Wohnhäuser Betretungs- und Nutzungsverbote und verfügte die Räumung per 1. Juli. «Die Bewohner wohnen heute in der Region», weiss Gemeindeammann Baptist Lottenbach. Die Gemeinde habe mit Unterstützung der Bevölkerung Wohnungsangebote vermittelt. «In zwei Fällen war die Vermittlung erfolgreich», berichtet der Gemeindeammann. Die meisten der Betroffenen hätten selbst eine neue Wohnung gefunden. Teilweise dank Unterstützung durch Angehörige. «Die Gemeinde hat Beiträge an die Umzugskosten, und wo nötig, auch an die Lagerkosten geleistet. Während eines Jahres werden die ausgesiedelten Bewohner zudem mit einem Beitrag an die neuen Mieten unterstützt», führt der Gemeindeamman weiter aus.

Im vergangenen November begannen dann die Abbrucharbeiten. Bis zum Jahresende waren vier der Wohnhäuser dem Erdboden gleichgemacht. Heute erinnern vegetationslose Stellen an die früheren Häuser und auch in deren Umgebung wurde die Vegetation radikal ausgedünnt. Der Eindruck entsteht, dass nun Erd- und Steinmassen erst recht ungehindert auf die darunterliegende Kantonsstrasse am See stürzen könnten. Zumal nirgendwo Fallnetze zu sehen sind.

«An sechs kritischen Felsobjekten wurden Felssicherungs-Massnahmen durchgeführt. Diese umfassten den  teilweisen Abbruch der instabilen Felsstellen, die Erstellung von Felsankern sowie die Stabilisierung der Felssockel mittels Betonfundamenten», beruhigt Lottenbach. Nach dem Abbau der sechs kritischen Felsobjekten und Sicherungsarbeiten im Bereich der zurückgebauten Häuser sei nun für die Kantonsstrasse ein ausreichend gutes Sicherheitsniveau erreicht worden, sagt er. Zudem würden auch künftig die Felspartien überwacht und regelmässig kontrolliert. Noch ausstehend seien die Bepflanzung und Bestockung der Böschungen mit Schutzwald sowie die Fertigstellung der Böschungen entlang der Kantonstrasse. «Aus den neu erstellten Böschungen fallen keine Felsbrocken auf die Kantonsstrasse. Das Machbare wurde mit vertretbarem Aufwand realisiert.», erklärt Lottenbach.

Mit dem Bau der Böschungen soll aber noch zugewartet werden, bis das Bundesgericht in der Sache entschieden hat. Einer der Hauseigentümer hat nämlich eine Beschwerde beim Bundesgericht eingereicht. Sein Holzhaus steht heute einsam im Steilhang. Sobald und je nachdem wie das Urteil fällt, soll auch dieses Haus fallen.

Im Vorfeld des Unterfangens wurden an einer Informationsveranstaltung die voraussichtlichen Kosten aufgelistet:  Entschädigungen für Betroffene: 3,2 Millionen, Abbruch der Wohnbauten und Felssicherung zugunsten der Kantonsstrasse: 3,5 Millionen und Diverses: 1,8 Millionen. Insgesamt also 8,5 Millionen. Auf die konkrete Entschädigungen der Hausbesitzer angesprochen gibt sich Lottenbach ausweichend.

«Für den Rückbau der Häuser wurden die Eigentümer von der Gebäudeversicherung entschädigt, dies auf der Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen. Die Frage einer Landwertentschädigung stellt sich erst bei Veräusserung der Parzellen», sagt er dazu. Bilder und Text Niklaus Wächter

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