Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Karl Mattmanns letzte Gemeindeversammlung

Dierikons Gemeindeschreiber nach 33 Amtsjahren von den Bürgerinnen und Bürgern verabschiedet

In Dierikon geht eine Ära zu Ende: Im Herbst geht Gemeindeschreiber Karl Mattmann in Pension. Am Dienstag protokollierte er die letzte von über 70 Gemeindeversammlungen. Beim Routinegeschäft «Jahresrechnung» musste er Unerfreuliches festhalten.

Gemeindeammann Josef Zimmermann brauchte in seinem Kommentar zur Rechnung klare und drastische Worte. «Unsere Rechnung hat noch nie so katastrophal abgeschlossen», erklärte er. Bei einem Aufwand von knapp 7,7 Millionen Franken weist die Rechnung ein Defizit von gut 1,3 Millionen aus. Budgetiert war ein moderater Aufwandüberschuss von 340’000 Franken. Der Grund für den Defizitschock ist in der Rechnungsübersicht auf den ersten Blick zu erkennen: Die Steuereinnahmen der Gemeinde sind buchstäblich eingebrochen. Flossen 2011 noch 5 Millionen Franken in die Gemeindekasse, waren es im vergangenen Jahr bloss noch knapp 3,4 Millionen. Der Hauptgrund fürs Einnahmen-Desaster liege in der kantonalen Steuergesetzrevision mit der drastischen Senkung der Unternehmenssteuer, erklärte Zimmermann der Gemeindeversammlung. Das treffe Dierikon besonders hart, weil die Gemeinde einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Unternehmenssteuereinnahmen habe – rund 40 Prozent, im Gegensatz zu durchschnittlichen Gemeinden mit einem Unternehmenssteueranteil von 6 bis 15 Prozent. Auf der Aufgabenseite sei der Handlungsspielraum der Gemeinde beschränkt, erklärte Josef Zimmermann. 85 bis 90 Prozent der Ausgaben seien durch übergeordnete Gesetzgebung gebunden. Sorgen bereiten dem Gemeindeammann vor allem das stetig wachsenden Ausgaben für die «soziale Wohlfahrt». Dort gebe es nur einen Trend: «ufe, ufe, ufe – das könnte einem Angst machen», sagte Zimmermann. Für die Zukunft verspricht die Rechnung 2012 der Gemeinde wenig Erfreuliches: «Die Frage nach dem Sinn dieser Steuersenkungen für juristische Personen ist berechtigt», schreibt der Gemeinderat in seinem Kommentar. «Die Quittung erhalten nun die natürlichen Personen mit nicht zu umgehenden Steuererhöhungen.» Lukas Waldispühl, Präsident der FDP.Die Liberalen Dierikon, erklärte an der Gemeindeversammlung, seine Partei erwarte für 2014 ein ausgeglichenes Budget, «ohne dass nur das Instrument der Steuererhöhung angewandt wird».

Im Mittelpunkt der Gemeindeversammlung stand für einmal der Gemeindeschreiber. Josef Mattmann wurde an seiner letzten GV von Gemeindepräsident Hans Burri und anschliessend bei einem Apéro von den Versammlungsteilnehmern herzlich verabschiedet. Wenn er am 27. September seinen letzten Arbeitstag hat, geht in Dierikon eine Ära zu Ende – nicht nur die 33 Jahre von Karl Mattmann, sondern auch jene der «Dynastie Mattmann». Über vier Generationen und insgesamt 122 Jahre stellten Mattmanns den «Schreiber».

Dierikon Galicz Hermann Mattmann1
Neubürger, Nachfolger und Neopensionär: Karl Mattmann (rechts) an seiner letzten Gemeindeversammlung im Gespräch mit seinem Nachfolger Marcel Hermann (Mitte) und dem einstimmig und mit Applaus eingebürgerten Attila Galicz.