Rigi Anzeiger
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Kiffen in der Lehre birgt Risiken

Cannabis behindert die persönliche Entwicklung junger Menschen

Tendenziell kiffen Jugendliche weniger als vor zehn Jahren. Wenn sie es tun, dann meistens verstärkt. Allgemein gilt, je jünger ein Cannabis konsumierender Mensch ist, desto grösser sind die Risiken. Mit ein Grund ist der höhere Gehalt an THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) beim Indoor-Hanf.

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«Kiffen in der Lehre» betitelte «Akzent» Prävention und Suchttherapie Luzern (vormals Drogen Forum Innerschweiz) den Vortrag, zu dem sie Berufsbildende, Personal- und Bildungsverantwortliche einlud. Sachlich klärte der für das Ressort Erziehungsfragen verantwortliche Herbert Willmann über die verschiedensten Zwecke der Nutzpflanze Hanf auf: «Er ist heute konzentrierter als noch zu Gotthelfs Zeiten.» Damit sprach er vor allem den höheren THC-Gehalt im Indoor-Hanf an. Die gebräuchlichste Form, Marihuana (Gras, Weed, Ganja etc.) kann 10 bis 30 Prozent dieser rauschwirkenden Substanz beinhalten. Sehr wohl hat Cannabis, in kleineren Dosen unter ärztlicher Aufsicht genossen, auch eine heilende Wirkung. Nebenbei erwähnt: Es gibt sogar Formen von Krebstherapien, bei der Hanf als Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung eingesetzt wird.

Fehleinschätzungen & hohes Fehlerrisiko

«Eine deutliche Mehrheit der über 14-Jährigen hat noch nie Hanf konsumiert. Doch die Jugendlichen, die kiffen, tun es häufig verstärkt», stellte Herbert Willmann fest und fuhr fort: «Je jünger ein Konsument ist, desto höher sind die Risiken.» Der chronische Konsum von Marihuana könne insbesondere die persönliche Entwicklung schwer behindern. Die Einnahme oder das Rauchen von Hanfpräparaten hat auch unterschiedliche Auswirkungen je nach psychischer Verfassung eines Menschen. Schlimmstenfalls führt er zu Schwindel, Erbrechen, Übelkeit, Herzrasen, Bewegungsunruhe, Verwirrtheit, Angst, Panik bis zu Wahnvorstellungen, Fehleinschätzungen bei der Arbeit oder beim Autofahren. Unterschiedlich sind auch die Gründe, weshalb Jugendliche kiffen: Anerkennung bei Gleichaltrigen finden, Abschalten (Sorgen vergessen), entspannen, Austesten von Grenzen, Abgrenzen von Erwachsenen, Einsamkeit, Druck, Konflikte, Sorgen und Leistungsstress. Gerötete Augen und weite Pupillen gehören zu den auffälligsten Merkmalen, wenn jemand Hanf konsumiert. Leistungsschwankungen während der Arbeit können, müssen aber nicht einhergehen. Die Personalverantwortliche eines grösseren Unternehmens erzählte von einem Lernenden, der eine hohe Fehlerquote aufwies. «Es war ein Fall, bei dem man nie darauf gekommen wäre, dass der Jugendliche bereits in der Oberstufe süchtig war. Die Eltern wussten davon, schwiegen aber. Nebst Fehlern, waren auch Unzuverlässigkeit, Unpünktlichkeit usw. zu beobachten.» Die Personalverantwortliche versuchte den Lernenden so gut wie möglich zu begleiten. Letztendlich hat er kapituliert, so dass der Lehrvertrag aufgelöst werden musste. «Im Nachhinein wurde mir bewusst, dass er im Beruf nicht glücklich war. Er ist inzwischen clean und hat eine andere Lehre absolviert. Ich gehe heute mit diesem Thema offensiver um», offenbarte die Personalverantwortliche.

Schrittweise vorgehen

Herbert Willmann wusste wiederum von einem Kleinbetrieb mit vier Lernenden zu berichten, die mehrmals am Tag Marihuana rauchten. Der Lehrmeister suchte darauf fachliche Unterstützung bei «Akzent». Zusammen mit den vier Jugendlichen wurden Schritte besprochen, damit sie den Cannabiskonsum absetzen konnten. Der Betriebsinhaber setzte ausserdem eine Belohnung aus. Die vier Lernenden unterzogen sich nach ein paar Wochen auch freiwillig einem Drogentest.

 

Weitergehende Informationen und Unterstützung zum Thema: www.akzent-luzern.chwww.no-zoff.ch