Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Kinder erziehen gehört nicht zu meinen Aufgaben!»

Menschen im Gespräch, diesmal mit dem Samichlaus.

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Sicht- und erlebbar ist er nur an wenigen Tagen im Jahr – der Samichlaus mit seinem Gefolge. Einerseits bei Auszügen aus den Kirchen in Städten und Dörfern, andererseits unterwegs auf Strassen, Gassen und Wegen um Kinder glücklich zu machen. Wenn der 6. Dezember naht, dann klopft so manches Mädchen- und auch Bubenherz einen aufregenderen Takt. Ein Samichlausbesuch ist immer noch ein spezielles Ereignis. Da wird im Vorfeld ein Versli gelernt, eine Zeichnung angefertigt oder gar an einem anderen Talent gefeilt. Nein, diese Gaben sind nicht dazu, um den Mann mit dem weissen Bart, dem rotgoldenen Kleid, behandschuht und mit einer Kopfbedeckung, genannt lffele, zu besänftigen. Denn er kommt durchaus in friedlicher Absicht. Klar, wird er Kevin oder Ilona vielleicht ein wenig ins Gewissen reden. Aber in sogenannt aufbauender Kritik. Ammenmärchen, wer von Rute und in den Sack stecken erzählt! Obwohl der Knecht Ruprecht – einige nennen ihn wohl auch Schmutzli wegen seinem schwarzen Gesicht – schon ein wenig nachdenklich machen könnte. Er ist aber dafür da, dem Samichlaus die Geschenklein zu schleppen. So im Sinne eines Lastesels. Und an einigen Orten darf der Samichlaus sogar auf einen grauen und «I ah» schreienden Vierbeiner als Transporthilfe zählen.

Motivator und Coach
Einmal in der guten Stube – natürlich ohne Esel – erwarten den Samichlaus nebst Geschwistern und Eltern nicht selten auch Opa und Oma oder Gotte und Götti. Aber wenn sich die darauf verlassen, dass sich der weise Bartträger nun in die Erziehung der Kinder einmischen könnte – Fehlanzeige. Sein Besuch soll den Kindern positiv und motivierend in Erinnerung bleiben, nicht moralisierend.
Darum freut sich der Samichlaus und seine Gehilfen über strahlende Kinderaugen. Die freudvoll ein Gedicht rezitieren, einem Instrument eine Melodie entlocken oder gar eine Tanzeinlage zum besten geben. Ein paar Erlebnisse sind dem Samichlaus in guter Erinnerung geblieben (s. Box). Als Dankeschön für die Darbietung des Kindes gibt es Applaus, Komplimente und – ganz wichtig – Schokolade, Nüsse, Mandarinen und mehr. Im Nu verfliegen die pro Familie eingeplanten 20 Minuten. Es warten noch viele andere Kinder auf den Mann, der nur ein paar Tage im Jahr sicht- und erlebbar ist!

Aufs Wiedersehen am 6. Dezember freut sich – stellvertretend für alle: Der Samichlaus aus Buchrain.
Marlis Jungo/Michel Reber
Als nächste Gäste in der Rubrik «Menschen» werden Vater Hans Borner, (Verwaltungsratspräsident) und Tochter Christina Taiana-Borner, (Geschäftsführerin) der Righi-Licht AG in Immensee aus dem (Geschäfts-) Leben erzählen.

 

Der Samichlaus erinnert sich

Zu tief ins Glas geschaut!
Samichlaus und Knecht Ruprecht gönnen sich gerne mal einen Schluck gegen den Durst. Aber Alkohol ist für die Beiden kein grosses Thema. Schliesslich braucht es den ganzen Abend Konzentration bei den vielen Besuchen und Kindern. Ein Raclette ist bestimmt ein feines Nachtessen, wenn man sich die Wartezeit bis der Samichlaus kommt verkürzen will. Freunden sich die Eltern und speziell die Grosseltern mit zu vielen Gläsern Fendant an wird der Abend heiter. Der gut gelaunte Grossvater unterbrach die schönen Versli der Kinder mehrmals mit seinen Sprüchen. Und der sonst sehr gutmütige Knecht Ruprecht musste sich schon gut überlegen, ob man den Grossvater nicht ein bisschen ins Waldhaus zum Ausnüchtern mitnehmen sollte.

Im «Sandwich»
Knecht Ruprecht ist eher ein schüchterner und ruhiger Geselle. Bei den Familienbesuchen verhält er sich meist still im Hintergrund und wartet auf seinen Einsatz um zum Schluss feine Überraschungen aus dem grossen Sack zu zaubern. Während Samichlaus seine Geschichten erzählt hat er genügend Zeit die Familien zu beobachten, welche sich oft für diesen Abend extra schön gekleidet haben. Meistens fällt ihm dann auf, wie toll sich auch die Mamis zurecht gemacht haben. Eine Dame hatte es Knecht Ruprecht besonders angetan. Er war fasziniert vom wunderbaren Abendkleid mit betontem Dekolleté und verpasste so fast seinen Schlusseinsatz. Knecht Ruprecht sass an diesem Abend im «Sandwich» zwischen dem warmherzigen Samichlaus und dem offenherzigen Mami!

Heisser Stuhl
Bei den Buerer Familien sitzt der Samichlaus sprichwörtlich immer in der ersten Reihe. Im übertragenen Sinne gerade neben dem brennenden Cheminée-Feuer. Das ist zwar sehr heimelig und gut gemeint, für den gut eingehüllten Samichlaus aber fast schon so was wie eine Privat-Sauna. So schwitzen halt dann nicht nur die Kinder vor dem Samichlaus sondern er selber auch vor sich hin.

Geduld gefragt
Und zwar dann, wenn die Kinder vor lauter Freude nicht mehr aufhören wollen zu musizieren oder zu tanzen. Einmal präsentierte ein Junge sämtliche Judoübung vor dem Samichlaus, was sich dann unter anderem in einer massiven Verspätung bei den anderen Familien auswirkte. Beim letzten Familienbesuch war das Kind sogar bereits mit Pyjama im Bett und ist dann wieder aufgestanden. Das war dem Samichlaus mehr als peinlich.

Religionsfreiheit
In einer multikulturellen Gemeinde wie Buchrain kommt es vor, dass der Samichlaus im selben Wohnblock zwei religiös völlig anderes denkende Familien besucht. Und das ohne Probleme. Beide Familien freuten sich über den Besuch bei ihnen zu Hause in der Stube. Und den Samichlaus freute es besonders wie Familien mit zwei unterschiedlichen Religionen friedlich nebeneinander leben. Denn Kinder kennen keine Glaubenskriege.