Rigi Anzeiger
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Kolumne: Bodenhaftung

Die junge Dame wackelt keck durch die Eingangstüre, die Hüften gekonnt schwingend. Bei so viel Geschicklichkeit bleibt mir die Spucke weg.

Kolly_kleinWie macht die das bloss? Ihre Füsse stecken in knallroten High Heels der ganz groben Sorte. 14 Zentimeter hohe Absätze und mir schmerzen die Füsse schon bei mickrigen acht Zentimetern. Die junge Dame hat für diese Feststellung ein knappes Mitleidslächeln übrig. Acht Zentimeter, wie herzig, in ihren Augen geht man damit höchstens joggen. Wer einen sexy Gang haben will, stöckelt auf mindestens 12-Zentimeter-Plateaus durch die Gegend, werde ich gönnerhaft aufgeklärt und aufgemuntert, die roten Sexymacher doch mal zu probieren. Schon allein das Drinstehen kommt einem akrobatischen Kunststück gleich. Die Zehen reingequetscht, der Fussrücken ragt beängstigend steil in die Höhe. Wobei ich zugeben muss, dass die Birkenstock-Hausschuhe dagegen ziemlich alt aussehen.

Also versuche ich vorsichtig ein paar Schritte, was die junge Dame grinsend als typischen Storchengang abtut. Nicht mit den Zehen an der Sohle festkrallen, fordert die Expertin. Und aufrechte Haltung einnehmen. Ganz locker und entspannt. Na, wenns weiter nichts ist. Ich konzentriere mich auf jede Zelle meines Körpers und bringe mein Hüftgold in Bewegung, einigermassen stolz, ein paar Schritte aneinanderhängen zu können. Schon wieder das mitleidige Lächeln.

Dass meine Gehversuche nicht gut aussehen, liegt bestimmt auch daran, dass mir die Schuhe nicht wirklich passen. Denn das ist bei dieser Höhe oberstes Gebot. Und teuer müssen sie auch sein, wie ein Blick in einschlägige Foren verrät. Demnach garantieren die sündhaften, dass höchste Handwerkskunst darin steckt. Die braucht es, um den Absatz genau dort unter der Ferse anzubringen, wo er das meiste Gewicht aushalten kann. Und der Sohlenbereich unter dem Ballen ist gefüttert.

Fehlerhaft positionierte Absätze setzen einen falschen Schwerpunkt, da nützt dann alles Üben nichts. Bis Frau verzückt durch die Gegend stöckeln kann, muss sie nebst Geld nämlich einiges an Zeit investieren. High-Heel-Anfängerinnen wird empfohlen, mit moderaten fünf Zentimetern anzufangen und damit in der Wohnung rumzulaufen. Dabei stets den Gang beobachten und die Höhe langsam steigern. Ist man dann irgendwann bei hohen zehn Zentimetern angelangt, kann man noch zusätzlich in die Trickkiste greifen. Spezielle Einlegesohlen aus Silikon sollen gegen brennende Ballen vorbeugen. Das Polster mindere den Druck beim Laufen und entspanne so die Füsse. Ein Muss für durchtanzte Nächte oder ausgedehnte Shoppingtrips. Einkaufstouren auf High Heels? Das tu ich mir nun wirklich nicht an.

Dann schon eher … aber nun mal ehrlich: wer geht schon mit Stöckelschuhen ins Bett? Linda Kolly

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