Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Kolumne: Depression

Nun wissen wir es offiziell: Facebook macht traurig. Nicht etwa, weil die Menschheit zu viel Zeit im sozialen Netzwerk verbringen würde und sich darob nicht mehr genug um reale Freunde oder Beziehungen kümmern könnte. Auch das Suchtpotential ist nicht Schuld an der sich ausbreitenden Traurigkeit unter den Facebook-Usern.

Kolly_kleinDie Ursache ist viel profaner. Neid und Eifersucht. Die typischen menschlichen Eigenschaften schlagen voll durch. Aus der eigentlich netten Bekannten wird eine blöde Zicke, die sich im Bikini am Palmenstrand vor türkisblauem Wasser räkelt. Der charmante Arbeitskollege mutiert auf dem Bänkli vor dem Taj Mahal zum dümmlichen Macho. Dass der breit grinsend vor Indiens Wahrzeichen höckelt und das noch mit «wundervoll und irrsinniges Erlebnis» kommentiert, bedeutet Häme pur. Für die Hinterbliebenen hier, im tristen, eisbedeckten Alltag, der mit Malochen und dem Abwehren der aktuell grassierenden Grippewelle mehr als ausgefüllt ist. Die eigenen Ferientage sind noch in weiter Ferne, der Chef hat gerade seine Tage und die Steuererklärung flattert auch schon wieder rein. Da kann man gar nicht anders, als neidisch werden.

Ich will das eigentlich alles gar nicht wissen. Wie sich Kreti und Pleti durchs Leben posten, geht mich gar nichts an. Das ist mit ein Grund, weshalb  meine Besuche auf Facebook ziemlich spärlich ausfallen. Dass ich im Gesichtsbuch überhaupt ein Gesicht habe, verdanke ich der einst vorpubertierenden Freundin einer Tochter. Die wollte damals möglichst viele elektronische Freunde haben, weshalb sie mir eine Freundschaftsanfrage sendete. Ich fand das eine tolle Sache, weil ich so zu allen möglichen News rund um Töchters Leben kam. Einfacher gings nun wirklich nicht. Die Aufforderung ein eigenes Profil zu erstellen, habe ich damals ziemlich locker umgesetzt. Beruf? Wen interessierts, Wohnort, geht auch niemanden was an, Geburtsdatum – Zeit für ein kleines Scherzchen: 1. April 1986.

Inzwischen habe ich ein paar Freunde mehr, die haben auch wieder Freunde und so fort. Alle werden sie von Facebook Jahr für Jahr pünktlich an meinen vermeintlichen Geburtstag erinnert. Ich weiss nicht, ob ich die vielen Gratulationen nun als Kompliment auffassen oder mich damit abfinden soll, dass mich keiner der Freunde ernst nimmt. Als Alternative käme noch die Oberflächlichkeit der Freunde in Frage. Die Komplimentvariante wäre mir freilich am angenehmsten. Aber ich will sie nicht am 1. April. Inzwischen hab ich die Angaben dank Anweisungen der Tochter korrigieren können. Die wurde heute morgen auch per Facebook auf den mobilen Radarkasten aufmerksam gemacht. Bei ihr ist natürlich angekommen. Mich hats geblitzt. Linda Kolly

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