Rigi Anzeiger
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Kolumne: Leben Sie noch?

Wenn Sie diese Zeilen lesen können, ist es also noch nicht passiert. Die Welt dreht sich, ist nicht untergegangen.

Es könnte jedoch sein, dass es erst früher Morgen ist, der Tag noch lange und für den Weltuntergang folglich genügend Zeit verbleibt. In all den Prophezeiungen habe ich nirgends etwas zur Uhrzeit lesen können. Das Apokalypse-Gerede verhielt sich diesbezüglich ziemlich vage. Wirklich verlässlich kommt mir der Maya-Kalender ohnehin nicht vor. Aber es gibt ja eben auch nicht nur einen, sondern deren drei, lassen die Esoteriker wissen. Da existierte der «Haab»-Kalender, der das Sonnenjahr aufteilte. Die 365 Tage des Jahres gliederten sich in 18 Monate, die aus jeweils 20 Tagen bestanden. Weil das noch keine 365 ergab, wurden nicht näher bezeichnete Tage ergänzt. So einfach war das.

Das zweite Kalendersystem der Maya war ein rituelles, bezeichnet als «Tzolkin». Darin war das Jahr in 20 Monate mit jeweils 13 Tagen aufgeteilt. Es hatte deshalb nur 260 Tage. Aber auch das interessiert nicht wirklich. Denn relevant ist der Langzeitkalender. Er trägt die Schuld am ganzen Debakel. Er beginnt im Jahre 3114 vor Christus, ist in 13 Zyklen aufgeteilt, weil die 13 für die Maya eine heilige Zahl bedeutete. Und eben dieser 13. Zyklus endet, Sie ahnen oder wissen es, just am heutigen Tag. Was nützt nun dieses Wissen angesichts des Weltunterganges. Wie muss man sich diesen Untergang überhaupt vorstellen? Wo ist denn unten? Trifft es zuerst die hungrigen Eisbären am Nordpol oder die Pinguine am Südpol? Gibt’s da ein Chlapf, ein saugendes, die Welt nach unten ziehendes Vakuum, explodiert ein Atomkraftwerk oder knallt ein Meteorit auf unseren blauen Planeten? Zumindest Letzteres hätten wir schon lange entdecken müssen. Und überhaupt ist das alles Mist mit dem Weltuntergang. Die Maya redeten lediglich von Zyklen, wo die Welt immer wieder neu erschaffen wird. Wahrscheinlich waren schon damals tröstliche Perspektiven von Nöten angesichts der unvollkommenen Menschenrasse, mit der die Götter ziemlich unzufrieden gewesen sein sollen. Das hat sich bis heute nicht wirklich verändert.

Und wenn der heutige 21. Dezember dann überstanden ist, haben wir etwas Ruhe, bevor das nächste Ende der Welt kommt. Die Nachbarn der Maya, die Azteken, hatten ebenfalls einen Kalender. Demnach wäre der nächste Weltuntergangstermin 2023.

Sie leben noch? Dann ist es höchste Zeit für Geschenke, Lametta und Christbaumkugeln. Und Tante Olgas Wärmekissen für den Heiligabend nicht vergessen, damit ihre Rheumageschichte nicht wieder in allen Details an der Weihnachtstafel ausgebreitet wird. Wo wir den Welt-

untergang doch eben überstanden haben. Linda Kolly

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