Rigi Anzeiger
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Kolumne: Nächster Halt

Dieser Sonntag muss ein Freudentag für die SBB gewesen sein. Der Zug war propenvoll, jeder Sitzplatz, auch in den Gängen und Vorzonen herrschte ein reges Gedränge.

Kolly_kleinWobei das mit den Sitzplätzen nicht ganz stimmt. Belegt waren sie alle, aber nicht ausnahmslos von Passagieren. Köfferchen oder Taschen waren da demonstrativ auf dem Nebensitz platziert, während die Augenpaare auf dem Hauptsitz stur auf den Boden oder in ein Buch gerichtet waren. Womöglich könnte ja einer der nach freien Plätzen Suchenden auf die Idee kommen, den Hauptsitz bezüglich Sitzmöglichkeit anzusprechen. Erstaunlicherweise tut das an diesem Sonntag kaum einer. Herr und Frau Schweizer benehmen sich hoch anständig. Vielleicht haben besagte Hauptsitzer ja ein Ticket für das Gepäck gelöst oder der Koffer besitzt gar ein Halbtax-Abo. Mein Hund verfügt über keines, aber ein Billett habe ich für ihn gelöst, wie es die Vorschrift verlangt. Nützen tut ihm das freilich nichts. Einen Sitzplatz gibts dafür nicht. Stattdessen muss er sich zu meinen Füssen hinquetschen, was die Reise für mich nicht unbedingt bequemer gestaltet, zumal der Rucksack auf meinem Schoss meine Bewegungsfreiheit zusätzlich einschränkt.

Also lass ich meine Augen schweifen. Nächster Halt Luzern, verkündet da die elektronische Anzeige. Wie erquickend: Wir befinden uns im falschen Zug, haben in Olten statt der S-Bahn den ICN (Intercity Neigezug) erwischt. Und der braust an meinem Heimbahnhof Sursee gnadenlos vorbei. Zum Ärger meines Begleiters, der an diesem Abend noch einen Termin wahrnehmen will und ob des verschobenen nächsten Haltes einigermassen ungehalten wird. Meine Ankündigung, dass die Billettkontrolle bestimmt mit einer Aufzahlung für uns enden wird, vermag seine Laune nicht zu heben. Er mag denn auch nicht antworten, als der Uniformierte, die Tickets eingehend betrachtend, uns nach unserem Zielbahnhof befragt. Mein «Sursee» wird trocken kommentiert: «Sie sitzen im falschen Zug. Sie müssten dann noch das Geld für die Zusatzstrecke bezahlen.» Das verbissene Schweigen meines Begleiters muss den Kontrolleur auf wundersame Weise erreicht und gnädig gestimmt haben. Er berechnet uns nur die Rückfahrt von Luzern nach Sursee und für den Hund gibts gar ein Zückerli dazu. In geschwungener Handschrift wird auf dem Ticket vermerkt: Kulanz – Hund gratis – wegen Irrfahrt.  Linda Kolly

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