Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Kolumne: Rock heben

Ernährungsberater empfehlen, täglich zwei Liter Wasser zu trinken. Eine ziemliche Menge, aber ich bemühe mich, diese irgendwie einzuhalten.

Kolly_kleinZumindest im Alltag. In Ferienphasen tue ich mich etwas schwerer mit dieser Menge. Denn viel Flüssigkeit zu konsumieren, bedeutet viele Toilettengänge, was je nach Standort und Programm nicht unbedingt empfehlenswert ist. Durst habe ich trotzdem. Aber eben, schon kleinste Mengen Wasser reichen, um in der Blase ein absolutes Völlegefühl zu erzeugen. Das muss psychologische Ursachen haben. Je stärker der Vermeidungs- umso dringender der Entleerungsdrang. Am schlimmsten wirds bei genussvollen Kombinationen. Bier, Kaffee und Wasser, eine ziemlich explosive Mischung mit verheerenden Folgen. Also schaue ich mir die beabsichtigte Tagesroute genau an, evaluiere die Standorte möglicher sauberer Urinieranlagen – der Begriff Toiletten lässt sich im herkömmlichen und mir vertrauten Sinne nicht immer verwenden.

Für Männer stellt sich diese Frage freilich weniger bis gar nicht, je nach Gemüt. Die stellen sich irgendwo an einen Baum. Und wenn keiner vorhanden ist, reicht auch ein kurzes Wegtreten und Umdrehen. Da hat die Natur eindeutige Privilegien geschaffen. Ich weilte eben in einem Land, wo Männer gerne lange Kleider tragen, ansonsten aber allem Weiblichen mit ziemlich konservativer Haltung begegnen. Selbst hier konnte ich aus dem vorbeifahrenden Bus einen Mann beim Urinieren entdecken. Gegen die Wand drehen, Rock hoch und freien Lauf lassen – und das mitten in der Stadt. Als Frau denke ich nicht mal an so was, auch wenn ich einen langen Rock tragen würde. Ergibt die Rekognoszierung, dass die Entleerungsmöglichkeiten zu weit auseinander liegen, wird die Flüssigkeitszufuhr massiv gedrosselt. Wasser nur tropfenweise, kein Kaffee oder Tee, Bier schon gar nicht.

Vorsätze lassen sich nicht immer einhalten. Ich denke besser nicht weiter darüber nach, wieso der Boden in diesen Stehtoiletten überall nass ist. Und das mit dem Atmen lass ich auch. Linda Kolly

Tags: