Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Kolumne: Süsses Gold

Hüftgold hin oder her, die vergangenen Tage hatten was Paradiesisches. Ein Praline hier, ein Täfelchen Schoggi da.
Kolly_kleinLetzteres mag ich besonders gerne, womit ich mich hübsch im schweizerischen Durchschnitt befinde. Das süsse Glück ist hierzulande rechteckig: Herr und Frau Schweizers liebste Form der Schokolade ist die Tafel. Fast 12 Kilogramm haben wir davon 2011 verzehrt. Pro Kopf. Über 94 Tonnen macht das landesweit, ohne Kakao- und Schokoladenpulver. Zwei Reihen Schokolade, ein Sofa, eine Fernbedienung, ein Buch, und sämtlicher Stress entschwindet. Schokolade ist die Auszeit von den Erfordernissen des Lebens. Kein Wunder, ist die ganze Welt süchtig nach Schokolade und Schokoholismus weit verbreitet.

Aber es kommen schwere Zeiten auf uns zu. Denn der süsse Luxus wird knapp. In 20 Jahren, so die düstere Prognose der Experten, wird Schokolade selten und derart teuer, dass es sich der Durchschnitt nicht mehr leisten kann. Die Internationale Kakao-Organisation ICCO warnt davor, dass bereits im Jahre 2020 schon 100 000 Tonnen Kakaobohnen fehlen. Osterhasen und Schoggikläuse sind existentiell bedroht. Schuld daran ist das steigende Interesse an dem süssen Naschwerk. Nicht nur der Westen, der ganze Globus ist auf den Geschmack gekommen. Allein in Indien soll der Schokoladenmarkt jährlich um rund 40 Prozent zunehmen. Russland, China, Brasilieln oder Philippinen – alles schlemmt in Hülle und Fülle. Wir lassen uns im Spa mit Schokolade eincremen, waschen uns mit Schoko-Duschgel oder cremen Kakaobutter auf die Haut.

Demgegenüber gehen die Kakaoerträge ständig zurück. Falsches Setzen auf Monokulturen, Schädlinge, Pilze und Klimawandel machen arg zu schaffen, der Pflanze wird es in Afrika zu heiss. Auch die schlechten Arbeits-Bedingungen auf den Plantagen werden zunehmend zum Thema. Natürlich hege ich die Hoffnung, dass sich das irgendwie lösen lässt und zwei Reiheli Schoggi dereinst nicht fünf Franken kosten. Wobei man offenbar für besonders edle Süsse durchaus bereit ist, hinzublättern. Der Renner der Saison soll Schokolade aus Kamelmilch gewesen sein. Auserlesene Kakaobohnen, Akazienhonig, Bourbon-Vanille und eben Kamelmilch. Anders als die in Übermengen vorhandene Schweizer Kuhmilch ist Kamelmilch eine Rarität und entsprechend teuer. Erhält ein Schweizerbauer für erstklassige Milch rund 60 Rappen, verkauft ein holländischer Kamelmilch-Produzent einen Liter Kamelmilch für rund 6 Euro. Eine Kamelkuh liefert sechs Liter Milch am Tag, eine Kuh über dreissig. Kommt hinzu, dass die sturen Kamele ihren Besitzern manchmal die Milch auch ganz verweigern. Würde grundsätzlich gut zu den hiesigen Bauern passen würde. Statt Subventionen?

Und ganz langsam schmilzt das dunkle Täfelchen auf der Zunge… Linda Kolly

Tags: