Rigi Anzeiger
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Kolumne: Tenue-Schlampe

Noch einen Strich und dann ist die «Übung Ikea» auszuführen: Sämtliche T-Shirts, Hemden, Socken, Unterwäsche, Hosen und was sich sonst noch so im Kleiderschrank befindet, fliegt raus.

Kolly_kleinEs folgen Bettzeug und Bett, welches unter dem wachsamen Auge des Vorgesetzten auseinandergeschraubt werden muss. Nur um es danach wieder zusammenzusetzen. Ebenso verhält es sich mit den auf dem Kasernenplatz liegenden Textilien. Adrett zusammenfalten und im Schrank versorgen. Ordnung ist in der Rekrutenschule das ganze Leben. Wers nicht auf Anhieb glaubt, dem blüht eben «Übung Ikea». Wobei das militärische Schulungsangebot für diese Einzelmassnahme auch eine gruppendynamisierende Version bereithält. Bei der Übung «Conforama» hat der gesamte Zug die oben geschilderte Aktion auszuführen. Das sei bis dato jedoch noch nie vorgekommen, versichert mir am Besuchstag der Rekrutenschule der mit uns familiär verbandelte RS-Absolvent grinsend.

Sein Grinsen macht mich stutzig. Man könnte fast meinen, dass er die Möglichkeit einer Strafmassnahme für die gesamte Truppe gar nicht so übel findet. Ein Abenteuer, über das die jungen Männer am Wochenende beim Bier ausführlichst den Kollegen berichten würden und später wohl den eigenen Enkeln. Etwas fluchend zwar, aber dennoch Verständnis aufbringend für den Vorgesetzten, der ja schliesslich die Ordnung durchsetzen muss. Die Kaserne ansonsten bestimmt ein Saustall wäre.

Dass das Zimmer zu Hause manchmal diesem Begriff durchaus alle Ehre macht, die elterlichen Vorgesetzten schon x-Mal erfolglos darauf hingewiesen haben, ist freilich kein Thema für den jungen Mann, der augenblicklich offiziell als «Tenue-Schlampe» bezeichnet wird. Weil er das Hemd nicht korrekt zugeknöpft hatte, schleppt er nun einen drei Kilogramm schweren Stein im Rucksack mit. So lange, bis er bei einem anderen Rekruten einen textilen Fauxpas entdeckt. Auch das wird grinsend mitgeteilt.

Und mir dämmerts, was ich in der Erziehung des Nachwuchses falsch machte. Es ist offenbar alles nur eine Frage der Formulierung. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob der Begriff «Tenue-Schlampe» bei meinen Töchtern wirklich gut ankommt.

linda.kolly@rigianzeiger.ch

 

 

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