Rigi Anzeiger
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Kolumne: Voll blöd

Unglaublich. Toilettengänge in Restaurant und Hotels können einer Offenbarung gleich kommen. Was es da nicht alles zu sehen gibt.
Kolly_kleinDas stille Örtchen als Imageträger des Hauses oder der Gastgeberin. Nach Vanille duftende Trockenröschen im Bambuskörbchen, kleine Frottetücher adrett gerollt, Hygienebinden neben Tampons in verschiedenen Grössen, Kamm und Haarbürste hübsch angerichtete neben Lavendelsäckchen und Haarspraydosen. Ich weiss nicht, ob wirklich jemals eine Frau zur Bürste greift. Fremden Schuppen in die Haare zu verteilen, ist meine Sache nicht. Auch den Vanilleduft find ich auf der Toilette nicht unbedingt passend, ebenso wenig würde ich von den süsslichen Deosprays Gebrauch machen. Nachher riech ich womöglich noch wie die Blondine am Nebentisch. Hygieneartikel und Handcreme hingegen sind bisweilen sehr willkommen. Ich bin diesbezüglich jedoch nicht representativ. Gemäss aufschlussreichen Gesprächen mit Gastgeberinnen sprayen sich die Frauen nach dem Toilettenbesuch gerne mit Deos ein, die Dosen seien jedenfalls immer ziemlich schnell leer. Reissenden Absatz finden weiter die Tampons. Womöglich nimmt man davon gerne noch einen mit für den Heimweg, so wie der nicht benötigte, zum Espresso servierte Zucker, stets den Weg in die Handtasche findet.

Ungeheuer beeindruckend ist die Vielfalt an Toiletten-Zubehör und Spendiersystemen. Der WC-Deckel eiert auf Knopfdruck einmal rundherum zwecks Desinfizierung, Wasser und Seife quellen einem animiert von sensiblen Sensoren aus ultramodernen Düsen entgegen. Die nassen Hände hängt man heutzutage in den Schlund eines Turbotrockners, der zwar einen Höllenlärm produziert, aber die Finger innerhalb von zehn Sekunden trocknet. Seit ich irgendwo mal was gelesen habe über Bakterien, die davon im Raum rumgeschleudert werden sollen, lass ich das Ding lieber unbenützt.

Dafür hängt gleich daneben das absolute Nonplusultra. Ein Mundspülautomat. Kondomautomaten, Alkoholtest, Kaugummiautomat – alles schon gesichtet. Aber einen Mundspülautomaten, welch Idee. Muss ich unbedingt ausprobieren. Wie funktioniert das Ding wohl? Ich entdecke den Knopf zum aktivieren der Spritzdüsen. Aber wie gelangt die Flüssigkeit in meinen Mund? Den Kopf schräg neigen, den offenen Mund unter die Düse halten? Dafür müsste ich ziemlich in die Knie und es würde dennoch nicht klappen. Das kanns nicht sein. Also die Hände drunter und sich im Geiste wundern über die innovative aber derart banal umgesetzte Idee. Denn natürlich rinnt mir die nach Pfefferminz riechende Flüssigkeit durch Finger, lediglich ein paar Tropfen gelangen in meinen Mund. Das geht gar nicht. Ist ja voll blöd.

Als ich mit nassen Händen, Bakterienschleuder siehe oben, die Türe öffne, entdecke ich sie, angebracht auf der Seite des Mündspülautomaten. Kleine, herzige Becherchen. Linda Kolly

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