Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Kolumne: Willkommen

Warum zieht man in eine Gemeinde? Weil sie steuergünstig ist? Gute Schulen anbietet? Eine vielseitige Infrastruktur aufweist? Die zentrale Lage? Oder gar der Liebe wegen? In diesem Falle sind die äusseren Umstände ohnehin zur Nebensache degradiert. Sollte sich der eine oder Negativfaktor aufzeigen, sieht man generös darüber hinweg. Zumindest am Anfang.

Kolly_kleinSind die Wohnung oder das Haus endlich bezogen, die tausend und mehr Dinge in den neuen vier Wänden verstaut, folgt der offizielle Teil. Der Neuzuzüger, die Neuzuzügerin – lassen Sie einen Ausländer mal dieses Wort aussprechen – muss sich auf der Gemeindekanzlei melden. Den Status des Neuzuzügers muss man sich verdienen.

Also steht jeder irgendwann mal vor so einem Schalter. Erfüllt von Vorfreude auf den herzlichen Empfang, der hier ganz sicher geboten wird. Wie das kommunale Willkommensgeschenk wohl aussehen wird? Beim Kollegen etwa bestand das aus einem dicken Buch mit Informationen über Geschichte und Entwicklung der Gemeinde und netten Bildchen. Eine Übersicht der Anlaufstellen und behördlichen Stellen und deren Inhabern gabs als Supplement dazu. Den starken Händedruck des Gemeindeschreibers auch. Die andere Bekannte freute sich über ein dickes Couvert, das nebst Infos zu Parteien und Vereinen diverse Gutscheine einheimischer Gewerbebetriebe enthielt. Zehn Prozent gibt’s beim Coiffure und im Quartierladen, das Café offeriert einen Kaffee, der Blumenladen einen Willkommensstrauss. Da lernt man sich doch gleich mal kennen.

Hier will die junge kommunale Sachbearbeiterin hinter dem Schalter umgehend die genaue Adresse wissen, Datum des Einzugs, um die Angaben erst irgendwo einzutragen. Es folgt die Aufforderung, 40 Franken für den Schriftenempfangsschein zu entrichten. Alles läuft ziemlich cool und routiniert ab. Nix da mit erfreutem Willkommensgruss, keine Gutscheine, kein Buch, keine Flasche Wein und auch kein Hochglanzprospekt. Aber einen Knaller hat die Gemeinde doch noch auf Lager. Ein Päcklein zur Begrüssung wird von der Dame hinter dem Schalter überreicht. Jodtabletten, Kaliumiodid, steht da rot auf weiss geschrieben. Den verdutzten Blick kommentiert die Hinterdemschalter abklärt mit dem Hinweis auf die Lage der neuen Wohngemeinde. Sie liegt im relevanten Umkreis eines Kernkraftwerkes. Die Abgabe solcher Tabletten ist hier gesetzliche Vorschrift. Na, das nenn ich doch mal Geschenk. Gratistabletten, wo die doch so teuer sind.  Linda Kolly

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