Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Kommunikation

Beim Milleniums-Übergang wurde das 21. Jahrhundert als das Jahrhundert der Kommunikation bezeichnet. Da stecken wir mitten drin. Kommunikation begleitet uns den ganzen Tag, in digitaler, visueller, auditiver, audio-visueller oder grafischer Art.

Felix von WartburgDas Hauptgewicht der Kommunikation liegt eindeutig bei der visuellen Kommunikation und damit bei der Grafik. Rund um uns herum ist Grafik, die wir lesen, deuten, zur Kenntnis nehmen. Die Höhlenzeichnungen weit entfernter Vorfahren sind Grafik. Die zum Teil noch nicht entzifferten Schriftzeichen alter Kulturen sind Grafik. Pythagoras zeichnete seinen berühmten Lehrsatz als Grafik in den Sand. Leonardo da Vinci skizzierte seine technischen Visionen und anatomischen Studien als Grafik. Die Erfindung von Samuel Morse – der eigentlich Maler und Grafiker war – gründete vor 175 Jahren die Telekommunikation. Sie basierte auf Zeichen, Grafik also. Auch die Luzerner Diebold-Schilling-Chronik ist ein grafisches Werk. Alle aufgezählten «Grafiker» haben kein Studium besucht sondern ihren Beruf erlernt, wo und bei wem auch immer.
Die moderne Kommunikation besteht praktisch nur aus Grafiken. Wie könnten wir uns beim Einkaufen zurechtfinden wenn sich die Produkte nicht durch Grafik unterscheiden würden. Ohne Grafik wäre die Welt trostlos und jede Orientierung würde uns fehlen. Die bildhafte Darstellung ist heute die wichtigste Form der Kommunikation. Ja selbst kleinste Details, wie beispielsweise der «Like-Daumen» auf Facebook, ist das Werk eines Grafikers oder einer Grafikerin. Die Zeitung, die Sie hier vor sich haben, ist ein hundertprozentig grafisches Produkt. Jeder Buchstabe, jedes Bild, jedes Inserat ist pure Grafik. Das heisst doch, dass die Welt heute und in Zukunft immer mehr Menschen braucht, die Grafik als Beruf erlernt haben und damit – mit viel Intuition und Herzblut – umgehen können.
Aber eben, als Beruf und nicht als Studium. Darin liegt der grosse Vorteil der Fachklasse Grafik. Es gibt viele junge Menschen, die wollen nicht studieren, die wollen zeichnen, malen, fotografieren oder Computer-Grafik machen. Das sind im Grunde immer noch Handwerke, für die es weder Bachelors noch Master braucht, sondern einfach gute Lehrmeister. Das wird an der Fachklasse Grafik geboten. Die jährliche Plakat-Ausstellung «Weltformat» vor dem Luzerner Theater ist ein starker Leistungsausweis der Grafiker-Kunst des Nachwuchses, international anerkannt und ins Leben gerufen durch die Fachklasse Grafik in Luzern. Wir brauchen guten, professionellen Nachwuchs im Bereich Grafik. Es kann deshalb nicht sein, dass wir diesen enorm wichtigen Bereich der heutigen und zukünftigen Wirtschaft versenken. Grafik ist ansprechende, bildhafte Darstellung. Wer kann heute darauf verzichten? Die Luzerner Regierung sollte ihren voreiligen, kurzsichtigen Beschluss, die Fachklasse Grafik zu streichen, nochmals aus allen Winkeln überdenken. Die Welt, die Wirtschaft, wir alle, brauchen gut ausgebildete Grafiker und Grafikerinnen. Und diese brauchen die Fachklasse Grafik oder einen mindestens gleichwertigen Ersatz.
Felix von Wartburg