Rigi Anzeiger
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Konzeptuell und doch bildhaft Poetisches

Meggen: Installationen, die verschiedene soziologische, architektonische und künstlerische Felder eröffnen, Projektionen, erfrischende Blicke aufs Profane – der Künstler Doğan Firuzbay zeigt seine Werke in einer aussergewöhnlichen Ausstellung im Benzeholz in Meggen.

red. Doğan Firuzbay (*1963, lebt und arbeitet in Luzern) entwickelt konzeptuelle und doch bildhaft poetische Installationen, die verschiedene soziologische, architektonische und künstlerische Felder eröffnen. In seiner 2014 gezeigten Installation in der Teiggi in Kriens, bilden reduzierte Zeichen und Worte ein grosses Bezugsfeld: auf die Worte «macht nichts» auf der Einladungskarte reagiert in der Ausstellung ein hinter einem Bretterzaun auf die Wand gemaltes «doch». Je nachdem in welchem Kontext – sei es auf die Phase der künstlerischen Abstinenz oder auf einen malerischen Zusammenhang hin – lässt sich das Wortpaar neu lesen. Im Benzeholz zeigt Doğan Firuzbay eine Serie von Balkonaufnahmen, die mit Beamern grossflächig auf die Innenwände projiziert wird. Die zahllosen Bilder sind während der letzten 15 Jahre, also der Zeit seiner künstlerischen Enthaltung, beim Durchstreifen von Grossstädten geradezu unabsichtlich entstanden und zeugen dennoch von einer tiefen Auseinandersetzung mit dem Bild und dem plastischen Volumen.

Aus dieser Sammlung geht ein spezifischer Blick für Architektur und die sich darin spiegelnde Gesellschaft hervor. Die Lage und die Nutzung von Balkonen charakterisiert sie als Scharnier zwischen Innen- und Aussenraum, zwischen Privat und Öffentlich. Diese Zwitterfunktion macht sie als architektonisches und gesellschaftliches Element sehr vieldeutig lesbar. Die Projektionen der raumhohen Gebäudefassaden von europäischen Grossstädten ergibt zusammen mit der Spiegelinstallation von Timo Müller und Michelle Kohler, welche die Fassade des Benzeholzes verkleidet, eine absurde Situation der Umstülpung von Innen und Aussen, von Absenz und Präsenz. In der Präsentation als Mehrfach-Projektionen entsteht durch den Multiplikationsfaktor im Innenraum vom Benzeholz eine Art Kaleidoskop, in dem die Formen der Bilder in ihrer Sequenzierung und Wiederholung gesteigert werden. Die Bilder von Balkonen oder Häuserfassaden sind mehr als ein architektonisches Element, sie eröffnen durch ihre Perspektive, den Ausschnitt oder die Wiederholung von Formen und Körpern malerische und plastische Momente. Hier wird die Auseinandersetzung des Künstlers mit der ungegenständlichen Malerei deutlich, insbesondere dem Suprematismus von Kasimir Malewitsch und dessen Weiterführungin der Plastik von El Lissitzky und den russisch-futuristischen Architekturen. Eine frühere Installation von Firuzbay zeigt seine Verbindung zur Moderne und der gegenstandslosen Malerei auf andere Weise: durch die Trennung von Basketballtafel und Korb als eine Gegenüberstellung von Malewitsch’ schwarzem Quadrat und Duchamps Readymade entsteht ein Spannungsfeld, welche die beiden Protagonisten der Moderne mit der realen Welt des Sports und dessen Figurationen verbindet. Charakteristisch für das Werk von Firuzbayist, dass er von realen Situationen, Anlagen oder Begriffen ausgeht und diese in ein abstraktes, kunsthistorisches Beziehungsfeld führt, um von dieser geistigen Ebene nochmals einen erfrischenden Blick auf das Profane zu werfen oder umgekehrt.

Aus der Serie «surface» – die Bilder werden raumhoch projiziert:

Firuzbay_surface3

Firuzbay_surface2

Firuzbay_surface1

Firuzbay_surface4

«surface», Doğan Firuzbay, 28. Februar–29. März
Fr 27. Februar 18.30 Uhr: Vernissage
So 29. März 17 Uhr: Hilar Stadler, Leiter Museum Bellpark, und Doğan Firuzbay im Gespräch
Benzeholz, Seestrasse, 6045 Meggen
Sa/So/Do 14–18 Uhr
benzeholz@meggen.ch
www.meggen.ch/benzeholz