Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Koumpounophobie

Phobien gibt es wie Sand am Meer oder Sushi-Läden in urbanen Breitengraden. Vom Fliegen über Dunkelheit bis zu Clowns ist alles dabei.

Nebst den allseits bekannten Klassikern höre ich aber immer wieder von neuen krankhaften Ängsten. Von Nacktschnecken und Knöpfen zum Beispiel. Es ist schwer sich vorzustellen, dass jemand auf einen Hosenknopf reagiert wie auf eine dicke, braune, langbeinige, grausige, dämonische, menschenfressende Spinne. An der Anzahl übertriebener Adjektive merken Sie vermutlich, dass ich wohl eher ein Spinnen- als ein Knopf-Feind bin.

Aber dazu später. Jedenfalls muss das die Hölle auf Erden sein. Selbstverständlich hat jemand mit einer Knopfphobie im Fachjargon übrigens «Koumpounophobie» sicherlich nichts Knopfiges zuhause, aber im Alltag begegnet man seiner grössten Angst ja wo man hinsieht. In Kleiderläden oder im überfüllten Tram im Winter ist man von diabolischen Mantelknöpfen ja gerade zu umzingelt! Und was ist wen man gerade ein erfolgreiches Date hinter sich hat, man den anderen auf Kaffee und Sex zu sich nachhause bittet und dann den Hosenknopf des Gegenübers öffnen sollte?

Begegnet mir unerwartet eine Spinne, dann schreie ich erst einmal, ganz klassisch wie ein kleines Mädchen in Tonlagen die sonst selten jemand zu hören kriegt, dann hole ich den Staubsauger oder Anti-Brumm oder meinen starken Freund und los gehts – kein Pardon. Adaptiert man dieses Verhalten auf eine Dame die unter Koumpounophobie leidet und sich in eben jener eigentlich romantisch erotischen Situation befindet, so weiss ich nicht wer von beiden mehr Mitleid verdient. Da mein Hirn wohl dachte, die Spinnenphobie alleine sei nicht spektakulär genug, darf ich mich unglücklich schätzen auch vor allerhand anderen Insekten «Schiss» zu haben. Gerade kürzlich ist mir eine Hornusse während des Auftritts um den Kopf gebrummt, seien Sie froh, dass Sie nicht dabei waren. Ich glaube an Karma und solches Zeug und hoffe, dass ich damit mein Pensum an Insekten auf der Bühne bereits erreicht habe. Und falls doch wieder mal ein Tier meinen Auftritt stören sollte, es dann wenigstens ein rosarotes Pony ist.

Lara Stoll, Slam Poetin

Lara Stoll, Slam Poetin