Rigi Anzeiger
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«Kultur, Religion oder Konfession sind egal»

Corinne Zurmühle aus Buchrain wirkt im grössten kantonalen Jugendverband mit

Die Jungwacht Blauring Luzern (Jubla) zählt 6800 Mitglieder und ist der grösste Jugendverband des Kantons. Vergangenen Samstag nahmen 80Vertreter der Scharen und der Leitung an der Kantonskonferenz in Luzern teil. An dieser wählten sie Corinne Zurmühle aus Buchrain zur Leiterin der Fachgruppe Ausbildung.

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Im Vorfeld der Kantonskonferenz leitete Corinne Zurmühle (mitte) einen Workshop, der die Überarbeitung von Ausbildungsunterlagen zum Inhalt hatte.

 

Corinne Zurmühle, woher nehmen Sie die Zeit nebst Ihrer beruflichen Tätigkeit die Aufgaben in Jungwacht Blauring wahrzunehmen?

Diese Frage wird mir ständig gestellt in einer Zeit, in der niemand Zeit hat. Wenn man etwas wirklich gerne macht, dann schafft man sich die Zeit dafür. Ich setze Prioritäten. Daher plane und organisiere ich meine beruflichen Termine und meine Freizeit, damit ich Zeit für Jungwacht Blauring finde. Ich nehme mir diese Zeit, weil es mich motiviert etwas zu bewegen, ich viele Freunde treffe und mit ihnen viele bereichernde, spannende, aber auch persönlich fordernde Stunden verbringen darf. Mir ist es auch wichtig den Leitenden und damit den Scharen etwas von meinen Erfahrungen, die ich in den Jahren machen durfte, zurückzugeben.

Nach aussen hin wird Jungwacht Blauring unterschiedlich wahrgenommen…

Jungwacht Blauring ist der grösste katholische Jugendverband der Schweiz. Die Schweizerische Jungwacht wurde 1932 für Jungen und der Schweizerische Blauring 1933 für Mädchen gegründet. 2009 fusionierten beide Organisationen zum Verband Jungwacht Blauring. Je nach Dorf gibt es eine Jungwacht und/oder ein Blauring oder eine zusammen geschlossene Gruppe, die sich Jubla nennt. Die Leitenden organisieren ehrenamtlich und mit viel Engagement Gruppenstunden, Scharanlässe und Lager für ihre Scharen (Ortsgruppen) und tragen so zur Wahrnehmung des Verbandes bei. Die unterschiedliche Wahrnehmung von aussen, sehen wir übrigens auch im Verband Jungwacht Blauring selbst. Eines unserer nationalen Zukunftsprojekte ist es, die Identität von Jungwacht Blauring im Verband und nach aussen zu definieren.

Jungwacht Blauring wird von der katholischen Kirche mitgetragen. Dürfen nur Kinder mit römisch-katholischer Konfession Jungwacht Blauring beitreten?

Nein, es dürfen alle Kinder und Jugendliche, egal welcher Kultur, Religion oder Konfession, bei uns dabei sein. Wir empfinden dies sehr bereichernd und es widerspiegelt zudem viel mehr unsere Gesellschaft, als wenn nur katholische Kinder dabei wären. Die katholische Kirche ist aber weiterhin ein grosser Rückhalt für uns. Sie unterstützt uns in vielerlei Hinsicht, sei es im Rahmen vom Krisenkonzept als Seelsorgende, in der Betreuung der Scharen durch Präsides und auch finanziell. Im Gegenzug übernehmen wir einen Teil der kirchlichen Jugendarbeit, helfen beim Binden der Palmwedel, betreuen Osterfeuer usw. Je nach Schar sind die Aufgaben aber sehr unterschiedlich.

Was bedeutet für Sie Jungwacht Blauring?

Für mich ist Jungwacht Blauring eine Kombination aus Lebensfreuden und Lebenserfahrung, die ich als Kind, Leiterin oder Ausbildnerin machen durfte und noch immer mache. Ich erinnere mich sehr gerne an die ersten Gruppenstunden als Kind oder Wanderungen in den Bergen. Später die vielen Lager, in denen man als Leiterin mehr und mehr Verantwortung übernehmen durfte. Man wächst an seinen Aufgaben und erlebt gemeinsam in Teams eine herausfordernde, teilweise sehr intensive, aber meistens eine schöne Zeit. Verantwortung und Respekt gegenüber den Mitmenschen und der Natur sind mir persönlich sehr wichtig für ein gutes Zusammensein. Dies deckt sich sehr gut mit den Grundsätzen von Jungwacht Blauring. Jungwacht Blauring bedeutet für mich aber auch kreativ zu sein, Neues zu wagen und zu entdecken, was ich neben all dem Planen und Organisieren der lehrplanmässigen Ausbildung junger Leitenden nicht vermissen möchte.

Was bietet Jungwacht Blauring den Kindern?

Wir bieten ihnen einen Freiraum, in dem sie sich entfalten können und akzeptiert werden. Die Kinder entdecken und erleben ihre eigenen Fähigkeiten. Sie lernen sicherlich auch viele gute Freunde fürs Leben kennen. Mit ihnen erleben und gestalten sie ein vielfältiges Angebot an sinnvollen Freizeitaktivitäten. Das Ganze losgelöst vom Leistungsdruck der heutigen Gesellschaft.

Wie alt muss ein Kind sein, um der Jungwacht Blauring beizutreten?

Kinder können in den meisten Scharen ab der Einschulung am Programm teilnehmen. Es gibt auch immer wieder Kinder, die später oder sogar erst im Alter einer Leiterin, eines Leiters beitreten.

Ist das Interesse der Kinder für Jungwacht Blauring überhaupt noch da?

Ja, das Interesse der Kinder und auch der Gesellschaft ist vorhanden. In der Forschungsstudie «Entwicklung Grundlagen», die von der Hochschule Luzern durchgeführt wurde, konnte die Zufriedenheit der Teilnehmenden mit Jungwacht Blauring nachgewiesen werden. Klar ist, dass die Jugendverbände ein wichtiges Angebot in der ausserschulischen Kinder- und Jugendförderung darstellen. Herausfordernd sind die Anforderungen der heutigen Gesellschaft, in der Kinder und Jugendliche immer weniger Freizeit haben. Daher bemühen wir uns, dass auch bereits ein Kind in Jungwacht Blauring mitbestimmen und mitgestalten darf, dass wir den Bedürfnissen und Interessen gerecht bleiben.

 

Corinne Zurmühle kam als Drittklässlerin zum Blauring Bueri-Perle. Diesen leitete sie später während neun Jahren. Seither ist sie auf kantonaler Ebene für die Fachgruppe Ausbildung und in der Kursleitung aktiv. Corinne Zurmühle ist 27 und arbeitet als wissenschaftliche Assistentin in Bern.