Rigi Anzeiger
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Küsschen, Küsschen

Ein Küsschen links, ein Küsschen rechts, und schon ist in Ägypten der Teufel los. Grund ist der FCB-Star Mohamed Salah, der sich an einer Preisverleihung bei der Moderatorin schmatzend bedankte und damit die Gemüter in seinem Heimatland erhitzte. Zu intim, mokierten sich die Medien über den alltäglichen Brauch unserer modernern Küsschen-Küsschen-Gesellschaft.

Kolly_kleinDa scheint ohne schürzende Lippen gar nichts mehr zu gehen. Ist man beim Apéro noch per Sie, so wird beim Abschied bereits vertraulich geschmatzt. Wobei ich nie genau weiss, wann welche Begrüssungs- oder Verabschiedungsart angebracht ist. Zwei Küsschen oder gar drei? Wann tuts ein Handschlag? Wann wird das Gegenüber umarmt? Wann fällt man sich um den Hals? Seit mich letzthin eine Bekannte mit angedeuteten Luftküsschen verabschiedete, ist die Verwirrung perfekt. Ist das nun ein neuer Trend oder rieche ich womöglich schlecht?

Es ist beruhigend, dass niemand in meinem Bekanntenkreis mit einer abschliessenden Antwort aufwarten kann und sich auch der eine oder andere schon mal über die Küsswütigkeit nervt. Die Ursprünge dazu sollen aus der Tradition des biblischen Bruderkusses sowie des mittelalterlichen Ritterschlags stammen. Irgendwann hat sich das dann ziemlich verändert. Was nicht weiter verwundert, angesichts der schwindenden Ritter. Dafür erobert die französische Umdenhalsfall-Sitte den Kontinent. Manchmal eine ziemlich lästige Angelegenheit. Wenn mich die exaltierte Trulla zum Abschied vertraulich umarmt, um mir links, rechts, links einen roten Lippenstiftabdruck auf meine Wangen zu verpassen und dabei noch «e Schöööne no, gäll» ins Ohr flötet, kommen in mir unangenehme Kindheitserinnerungen hoch. Der Grossonkel pflegte uns Kinder jeweils mit einem dicken, schlabbernden Schmatz auf die Wange zu begrüssen. Feucht, begleitet von unappetitlichem, kaltem Zigarrengeruch, kratzenden Bartstoppeln und dröhnendem Lachen. Ein Graus, der jede Weihnachten nur dank Geschenk und elterlicher Autorität zu überstehen war. Immerhin blieb es bei der einen Seite. Inzwischen ruht der Grossonkel seelig, Weihnachten steht ins Haus und damit auch der Besuch von der alten Tante. Mich will die glücklicherweise nicht küssen, aber die «herzigen» Töchter…

 

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