Rigi Anzeiger
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«Küssnacht räumt auf»

Mit verschiedenen Aktionen gegen Littering

In Küssnacht sind verschiedene Plakate zu sehen, die den Abfall ins Bild rücken. Eine Sensibilisierungskampagne gegen Littering, sagt Michael Lutz, Umweltschutzbeauftragter Bezirk Küssnacht. Das Interview ist der Auftakt unserer Serie «Küssnacht räumt auf».

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Michael Lutz präsentiert Plakate, welche auf das Problem «Littering» aufmerksam machen sollen.

 

Michael Lutz, weshalb diese Plakataktion?
Es ist uns völlig bewusst, dass mit Plakaten allein nicht weniger Abfall auf den Boden geschmissen wird. Aber sie sind Teil der Sensibilisierung, ein Zeichen, dass die Gesellschaft diese Erscheinung nicht einfach akzeptiert. Und es soll jene bestärken, die sich gegen Littering einsetzen, indem Sie ihre gesellschaftliche Mitverantwortung wahrnehmen und ihren Abfall wegräumen und damit für andere als Vorbild agieren und sie motivieren, sich persönlich an Personen zu wenden, die ihre Abfälle nicht korrekt entsorgen.

Wie erleben Sie die Müllproblematik im Bezirk persönlich?
Es ist vielleicht noch nicht derart krass wie in grossen Städten, aber auch bei uns gibt es Brennpunkte und der Werkdienst und Anlagenbetreuer leisten einen grossen Einsatz, den Bezirk sauber zu halten.

Was löst es in Ihnen aus, wenn Sie Müll am Weg-/Strassenrand sehen?
Es macht mich traurig, denn es ist ein Beispiel für den rücksichtslosen Umgang mit öffentlichem Gut, welches auch der nachfolgenden Person zusteht. Das zeigt sich aber auch in anderen Bereichen, etwa im Umgang mit Energie und anderen Ressourcen. Gewisse Menschen haben das Gefühl, die Welt gehöre ihnen allein. Da kommt mir jeweils der Spruch in den Sinn: «Wir haben die Welt nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen». Diese Haltung würde ich mir wieder vermehrt wünschen.

Wie reagieren Sie darauf?
Manchmal räume ich etwas weg, habe aber auch schon Personen darauf angesprochen, sie hätten da etwas «verloren». Aber ich sehe mich nicht als Polizist.

Was tun Sie persönlich gegen das Müllproblem?
Dass ich auch bezüglich Littering meine Vorbildfunktion bestmöglich wahrzunehmen versuche, versteht sich für mich als Umweltbeauftragter und Vater dreier Kinder von selbst. Was mich persönlich sehr stört – und das sage ich dann jeweils auch – ist der Verpackungseifer gewisser Geschäfte. Sie packen das schon in Folie verschweisste Sandwich nochmals in ein Säckli und wenn Du Dich nicht wehrst, stecken sie es noch in eine Plastiktragtasche mit drei Servietten dazu. Abgesehen vom unnötigen Ressourcenverschleiss erhöht sich auch die Gefahr, dass irgendetwas davon liegenbleibt.

Was sollte Ihrer Meinung nach im Bezirk dagegen unternommen werden?
Wer sollte dies an die Hand nehmen?
In meiner Arbeit setze ich mich dafür ein, dass alle Ihren Beitrag leisten, denn es braucht alle. Littering ist nicht allein ein Umweltproblem. Klar, die Abfälle in der Umwelt bauen sich nicht ab und gefährden Tiere und Lebensräume. Die Bilder von Meerestieren, die ersticken, weil sie unseren Plastikmüll gefressen haben, gehen sehr nahe. Es ist aber auch ein gesellschaftliches Problem. Fühlen wir uns wohl und sicher in einer schmutzigen Umgebung? Welche Standards wollen wir? Welche Massnahmen zur Durchsetzung akzeptieren wir? Welchen Aufwand sind wir bereit zu leisten, respektive worauf sind wir bereit zu verzichten? Ganz konkret: brauche ich alle 50m bis in die Rigi hinauf einen Abfalleimer oder kann ich den Abfall, den ich mitgebracht habe auch wieder nach Hause nehmen?

Darum ist für mich nur ein Zusammenspiel von verschiedensten Akteuren und Massnahmen zielführend. Und eine breite Diskussion über Werte ist nötig. Mit den Schulen arbeiten wir diesbezüglich bereits intensiv zusammen. Aber es wäre falsch, nur die Kinder belehren zu wollen und in der Realität verhalten wir Erwachsenen uns ganz anders. Hier müssen wir glaubwürdig bleiben.

 

In der Serie «Küssnacht räumt auf» beleuchten wir zusammen mit verschiedenen Akteuren die Aspekte des Litterings, also das sorglose Wegwerfen oder liegenlassen von Abfällen im öffentlichen Raum und diskutieren die verschiedenen Ansätze zu deren Eindämmung.