Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Lachen, bis es wehtut

Immensee: Rund ein Dutzend Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Immensee geben den Revisor von Nikolaj Gogol – und wachsen dabei über sich hinaus.

pd. Es ist eng in den Katakomben zwischen dem Gymnasium Immensee und dem benachbarten Missionshaus Bethlehem. Dort ist «Backstage». An der kahlen Wand stehen in einer Reihe Holzstühle, beladen mit abgewetzten Sakkos, Gummistiefeln, dekorierten Blusen und allerhand Requisiten-Plunder. Nebendran führt eine knarrende Holztüre in einen alten, verlebten Raum. Die zweieinhalb Meter hohen Wandschränke stehen offen, darin aufgehängt sind Kostüme von über hundert Jahren Theatertradition. Auf dem zerfurchtenTisch ausgebreitet Schminkzeug, daneben liegt ein Skript mit dem Titel «Was soll ich tun?» Nein, es ist nicht das Libretto des diesjährigen Gymitheaters. Es sind die Unterlagen des Epochenunterrichts der 5. Klasse im Fach Philosophie. Kant, kategorischer Imperativ. Das heisst: Moralprinzip.

Da vertieft sich also ein Gymnasiast in den Probepausen ausgerechnet in das Prinzip der Moral, liest vom Gesetz der Ehrlichkeit und dem Verbot, zu betrügen. Und spielt dazwischen den schmierigen, bürgerverachtenden Bürgermeister eines russischen Kaffs. Oder den bettelarmen Tropf, den die Stadtleute für den berüchtigten Revisor halten, der, von weither gesandt, hier für Ordnung sorgen soll. Beide, der vermeintliche Revisor wie der Bürgermeister, suhlen sich jedoch während fünf Akten genüsslich im Sumpf von Korruption, Lug und Trug – so überzeugend, dass sich Kant – totgesagt wie er ist – im Grab umdrehen würde.

Die Mitspielenden sind – das wird sofort sichtbar – nicht nur in ihre Rollen hinein- , sondern über sich selbst hinausgewachsen. Sie haben innert wenigen Monaten neunzig Seiten klein gedruckten Text verinnerlicht und dutzende Stunden harte Probearbeit hinter sich. «Eine fantastische Erfahrung», sagt Lauro Krummenacher, der den Revisor gibt, «in so kurzer Zeit mit einer zusammengewürfelten Truppe so etwas zu Stande zu bringen.» Was er für sich mitnimmt? «Die Fähigkeit, sich ganz zu fokussieren und die Zeit einzuteilen; die Fähigkeit, an etwas zu glauben und das dann durchzuziehen; die Gewissheit, dass auch schier Unmögliches zu schaffen ist.»

Und wie: die Hemmungen sind abgelegt, die Zungen gelöst, Begeisterung und Spielfreude blitzt aus den Augen der Schauspieltruppe unter der bewährten Regie von Bettina Dieterle. Sie haben selber viel gelacht während der Proben. Jetzt lacht das Publikum. Es lacht und lacht – auch wenn einiges eigentlich wehtut.

Spieldaten:
6. November, 20 Uhr (Première)
7. November, 20 Uhr
12. November, 20 Uhr
13. November, 20 Uhr/
14. November, 17 Uhr (Dernière)

Eintritt:
Erwachsene Fr. 25.–
Studierende und Senioren Fr. 15.–

Reservation:
Sekretariat Gymnasium Immensee,
info@gymnasium-immensee.ch
Tel. 041 854 81 81

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