Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Lieber diskutieren als kämpfen

Immensee: Er ist Schweizer des Jahres 2014 und kennt den Islam wie kaum ein anderer. Der Berner Imam und Gefangenenseelsorger Mustafa Memeti stand am Gymi Immensee für einen «objektiven Islam» ein.

dc. Es ist nicht irgendein Islam-Prediger, der da vor den Fünftklässlerinnen und Fünftklässlern des Gymi Immensee sitzt. Es ist Mustafa Memeti, Schweizer des Jahres 2014, Korangelehrter der Spitzenklasse und Mitinitant des Hauses der Religionen und Kulturen in Bern. Das wissen auch die fünf Schülerinnen und Schüler mit islamischem Hintergrund, die im Publikum sitzen, und sie kommen gleich zur Sache: «Im Koran steht doch: Tötet die Ungläubigen – was soll ich davon halten?» bricht es gleich zu Beginn aus einem dieser jungen Menschen heraus. Mustafa Memeti antwortet ruhig und routiniert. Das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen und uminterpretiert worden, um politische Ziele zu verfolgen, sagt er. Und: Religion sei von Politik strikt zu trennen. Denn sie soll sich nicht gegen Menschen richten, sondern der Menschheit dienen.

Mustafa Memeti war vor allem bei den Immenseer Gymnasiastinnen und Gymnasiasten mit muslimischem Glaubenshintergrund ein gefragter Mann. Bild Michael Brühlmeier

Mustafa Memeti war vor allem bei den Immenseer Gymnasiastinnen und Gymnasiasten mit muslimischem Glaubenshintergrund ein gefragter Mann. Bild Michael Brühlmeier

Man merkt aber: Der fragende Schüler steckt im selben Zwiespalt wie auch viele Christinnen und Christen. Dann ist also die Heilige Schrift des Islam doch nicht das unteilbare Wort Gottes? Dann ist der Koran also ein Werk, das verschieden gelesen und interpretiert werden kann? Der junge Mann braucht Orientierung, sonst hätte er diese persönliche Frage nicht im Plenum gestellt. Er braucht Orientierung wie Tausende Muslime, die mit der Erfahrung eines autoritär geführten Staates, einer autoritär geführten Kirche und einer autoritär geführten Familie in die Schweiz einreisen und sich möglicherweise erst an die Werte der Pluralität, der Demokratie und des freien Denkens herantasten müssen.

Mustafa Memeti ist für sie eine Autorität und gilt als interkultureller Brückenbauer. Bis zu 400 Muslime verschiedenster Glaubensrichtungen besuchen sein Freitagsgebet. Trotzdem kennt Mustafa Memeti auch die Grenzen des interkulturellen Miteinanders. «Ich habe sicher schon 1000 Ehen zwischen Menschen muslimischer und christlicher Herkunft geschlossen – 950 davon hatten keinen Bestand», sagt Memeti.  Spätestens beim Thema der Medienberichterstattung über muslimische Themen wird allen klar, dass der Mann nicht nur objektiv sein will, sondern tatsächlich auch ist. «Ich habe keine Probleme mit Journalisten», sagt er auch noch, als er von einem Schüler mit einem  «Blick»- Zitat konfrontiert wird, das seine Meinung falsch widergibt.  Auch dass wenige radikal eingestellte Gläubige in der Schweiz die Medienberichte über den Islam dominieren, nimmt er sportlich. «Die Medien zeigen uns, was wir besser machen können», sagt er lakonisch. Er findet sogar normal, dass er auch schon indirekt bedroht wurde. Das sind doch auch für Schweizer Verhältnisse ungewöhnliche Aussagen. Aber theologisch untermauert. Wie würde man mit christlichen Worten sagen: «Liebe deine Feinde…»

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