Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Littering, ein Fremdwort?

Natürlich ist Littering ein Fremdwort. Aber meine Frage zielt in eine ganz andere Richtung. Ich war kürzlich mit einer Gruppe ein paar Tage im Salzkammergut.

vonwartburg

Neben so genanntem Kaiser-Wetter, prächtigen Berg- und Seenlandschaften, herausragender Gastfreundschaft und Kulinarik ist uns allen die makellose Sauberkeit in der ganzen Region aufgefallen. Das ging so weit, dass wir auf einer Wanderung spontan einen Wettbewerb starteten. Sieger sollte derjenige werden,  dem es gelänge, irgendwo weggeworfenen Abfall zu finden. Wir marschierten kilometerweit auf Uferwegen, durchquerten Liegewiesen am See, machten in Gasthöfen Rast ohne fündig zu werden. Wir konnten es kaum glauben, dass da nirgendwo ein wenig „Litter“ herumlag. Erst kurz vor dem Besteigen eines Schiffes fand ich in einem Gebüsch ein Papiertaschentuch.
Bei so viel Sauberkeit wollte ich wissen, wie so was zu Stande kommt. Ich fragte Brigitte, die Touristikerin, die unsere Reise organisiert hatte. Sie sagte: «Littering ist für uns ein Fremdwort, aber auch ein Reizwort. Im Salzkammergut werden Kinder schon in den Krabbelstuben und Kindergärten darauf erzogen, keinen Abfall wegzuwerfen oder liegen zu lassen. Ein bis zwei Mal pro Jahr gehen Schulklassen hinaus – ausgerüstet mit Säcken, Eimern und Müllzangen – um in einem definierten Gebiet Abfall zu sammeln. Die Schulen sind dafür verantwortlich, unterstützt von der Landesregierung. Aber auch Vereine, Verbände, Kommunen beteiligen sich mindestens ein Mal pro Jahr an solchen Flurreinigungs-Aktionen. Wenn Abfall herumliegt, stammt der mit grosser Wahrscheinlichkeit von Touristen und nicht von Einheimischen.»
Das Salzkammergut ist eine beliebte Region für Radrenn-Profis und Amateure, die dort auf sehr gepflegten und verkehrsarmen Strassen ihre Trainingskilometer absolvieren. «Bis zu 50‘000 Radler zieht es jedes Jahr zu uns und regelmässig finden international ausgeschriebene Rennen statt», erzählte Brigitte. So fand beispielsweise am vergangenen Wochenende die «Eddy Merckx Classic», mit dem 70-jährigen Namensgeber der Trophy am Start. 1500 Radrenn-Profis und Amateure, aber auch Behinderten-Radsportler waren mit am Start. In der Ausschreibung stand wortwörtlich folgender Hinweis: «Der Beginn und das Ende der Zwischenverpflegungs-Zone» sind mit entsprechenden Schildern gekennzeichnet. Ausserhalb dieses Bereiches dürfen keine Trinkflaschen oder andere Abfälle weggeworfen werden. Wer Abfälle auf der Rennstrecke fallen lässt, oder in den Strassengraben, Wald oder auf eine Wiese wirft, wird disqualifiziert. (Achtung! Diese Bestimmung wird von als Rennteilnehmer «getarnten» Marshals überprüft. Es gibt keine Verwarnung!) Sind noch Fragen, wie man Littering angeht?
 Felix von Wartburg