Rigi Anzeiger
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Massen-Auswanderungs-Initiative

Die Schweiz, mit ihrer direkten Demokratie, hat es fertig gebracht, einen Massen-Einwanderungs-Artikel in ihre Verfassung zu schreiben.

Felix von WartburgAndere Länder – jene in nächster Nähe zur Schweiz – wünschen sich auch eine direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild. Ihr Ziel wäre aber das pure Gegenteil: eine Massen-Auswanderungs-Initiative.

Die Regionen, wo solche Gedanken nicht nur angedacht sondern mit nicht-behördlichen oder medialen Volksbefragungen untermauert werden, sind zahlreich: Baden-Württemberg, Bayern, Franche-Comté, Lombardei, Sardinien, Savoyen, Südtirol und Vorarlberg. Weniger ernst zu nehmen – aber nennenswert – sind Sezessionsgedanken im französischen Departement Ain, im Aostatal, im Elsass, in Liechtenstein und im Veltlin.

Sehr ernsthaft bemüht, sich von Rom loszusagen ist Sardinien. Ausgerechnet diese weit entfernte Mittelmeerinsel, die nicht an die Schweiz grenzt. Die Facebook-Gruppe «Canton Marittimo» verbindet gegenwärtig gegen 15’000 Sympathisanten, die einen Beitritt Sardiniens zur Schweiz unterstützen. Viele unter ihnen sind Schweizer, die wohl davon träumen, dass die Schweiz Meeranstoss erhält. Sardinien träumt nicht. Sardinien meint es ernst. Den beiden Sardischen Drahtziehern, dem Ökonomen Enrico Napoleone und dem Zahnarzt Andrea Caruso hat sich der Schweizer Daniel Trolliet, Bürgermeister von Avenches, angeschlossen. Trolliet hat vor kurzem in Lausanne ein Treffen mit Sardischen und Schweizer Wirtschaftsvertretern organisiert. Das Gleiche geschieht in Sardiniens Hauptstadt Cagliari. Fast jede Woche treffen sich dort Wirtschaftsvertreter mit zukunftsorientierten, der Idee zugetanen Politikern. Sie streben wohl nicht die Schweizer Staatsbürgerschaft an, sondern eine wirtschaftliche Entwicklung der wunderschönen Mittelmeerinsel. Sardinien hat kaum Industrie, die Arbeitslosigkeit ist hoch und die Hälfte der Jugendlichen haben weder eine Ausbildungsmöglichkeit noch Arbeit. Sie gelten aber als fleissig. Hier könnte die Schweiz tatsächlich Unterstützung bieten und Abhilfe schaffen.

Bei genauerem Hinsehen kann man die Bestrebungen von Napoleone und Caruso als Hilferuf betrachten. Sie setzen sich gegen die Untätigkeit Roms zur Wehr und gegen die zentralistische, selbstherrliche Politik und Verwaltung. Standen bei der Gründung der Schweiz nicht ähnliche Motive im Vordergrund? Für mich hat eine Annäherung Sardiniens an die Schweiz aber einen ganz anderen Reiz. Vielleicht könnten wir dann endlich wieder Tomaten kaufen die nach Tomaten schmecken und Pfirsiche, die schon beim Berühren saften. Felix von Wartburg, Chefredaktor