Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Matterhorn in Costa Rica

Ich werde oft gefragt, was mich veranlasst in meiner Wahlheimat Costa Rica die zentraleuropäische Alpenwelt zu malen. Die felsigen Giganten im Gegensatz zu schönen Stränden und Regenwäldern. Also Schnee und Fels anstelle tropische Palmen, Hängematten, exotische Früchte und Blumen oder komische Insekten.

Das Ereignis, welches mich besonders geprägt hat und vielleicht eine Antwort auf diese Frage gibt, möchte ich hier kurz beschreiben:
Nach der Rückkehr einer dreijährigen Weltreise mit Rucksack und langen Haaren, fand ich das Leben hierzulande etwas fade. Ein Freund von mir teilte diese Ansicht und so planten wir ein neues Abenteuer: ein Kanutrip auf dem McKenzie River an die Beaufort Sea im hohen Norden Kanadas.

Wir stossen unser Kanu, oder eher eine wacklige Nussschale, in den Athabasca River. Nach einigen Wochen, dauernd attackiert von Supermoskitos und Rossbremen, erreichen wir das Delta im Lake Athabasca. Der Wind weht, der Wellengang ist hoch und so campieren wir, in der Hoffnung, dass sich das Wetter beruhigt und wir unsere Reise fortsetzen können. Zwei Tage später geht’s los. Auf der andern Seite des Sees sind schwache Lichter einer Indianersiedlung zu erkennen. Die Lichter helfen uns den Kurs zu halten. Das Delta liegt hinter uns. Die Wellen werden wieder grösser, geschmückt mit weissen Schaumkronen. Das Kanu nimmt Wasser auf. Die Situation wird bedenklich, die Arbeit muss verteilt werden: der Eine rudert und steuert, der Andere schöpft Wasser. Das Kanu schaukelt wild. So langsam überkommt uns die Angst, die Kräfte könnten nicht mehr reichen. Nach einigen Stunden Kampf mit den Elementen, total erschöpft, nass und fröstelnd erreichen wir das Ufer. Mit dem Seil in der Hand, mit zitternden Knien, fühle ich Felsen unter den Füssen.

Und genau an dieser Stelle geschah etwas, was mein Leben stark beeinflusste. Man kann sich vielleicht vorstellen, stundenlang in einer Nussschale zu verweilen, rumgeworfen zu werden, schwabbelige Beine zu haben, Angst auszustehen und plötzlich steht man auf festem, soliden, harten Granit.

Als Kind waren mir die Berge schon sehr nahe. Es waren die umliegenden Voralpen die wir bestiegen. Jeden Sonntag irgendwo. Seit unserer Kanu-Episode begann ich jedoch zu klettern. Im Fels, den ich solide empfand und der mir Sicherheit gab. Während meiner Zeit in Costa Rica tausche ich den realen Kontakt mit dem Berg gegen Erinnerungen ein, die ich auf Leinwand zu bannen versuche. Dabei spielen die klimatischen Verhältnisse keine Rolle. Es sind die Erlebnisse vergangener Tage die einen weitertreiben.

Hubert Nanzer, Maler hnanzer@yahoo.com

Hubert Nanzer, Maler hnanzer@yahoo.com