Rigi Anzeiger
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Medienbildung in der Schule soll «möglichst früh anfangen»

Kanton Luzern: Die gesellschaftliche Entwicklung stellt auch die Schulen vor grosse Herausforderungen. Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, sagt, wie die Kinder auf das akute Internetzeitalter vorbereitet werden sollen.

Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung

Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung

Medienbildung erhält an den Luzerner Schulen immer mehr Gewicht. Warum?

Heute hat fast jedes Kind Zugang zum Internet. Sei es am PC der Eltern, am eigenen Handy oder bei Freunden. Deshalb müssen wir den Kindern helfen, mit den neuen Kommunikationsmitteln umzugehen. Vor drei Jahren lancierte der Kanton Luzern das Pilotprojekt «Medienbildung in der Primarschule». An vier Schulen wurden alle Lernenden ab der 3. Klasse mit einem Tablet ausgestattet. Damit können sie im Unterricht Mathematik- und Sprachaufgaben lösen oder für einen Vortrag recherchieren. Sie lernen aber auch die Gefahren des Internet kennen.

Wie kommt das Tablet bei Lernenden und Lehrpersonen an?

Unsere Halbzeit-Evaluation ergab, dass die Kinder gerne mit den Tablets arbeiten und den Umgang sehr schnell lernen. Auch die meisten Eltern sind dem Tablet gegenüber gut gesinnt. Sie schätzen vor allem, dass sie Unterstützung in der Medienerziehung erhalten. Bei den Lehrpersonen gehen die Meinungen eher auseinander. Für viele ist das Tablet ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Unterrichts. Andere bekunden Mühe damit, weil sie selber in der digitalen Welt zu wenig bewandert sind.

Ist es denkbar, dass die Tablets im Kanton Luzern bald flächendeckend eingeführt werden?

Das Projekt dauert noch bis Sommer 2017. Dann sehen wir weiter. Sicher werden wir die gewonnenen Erkenntnisse in die Umsetzung des Lehrplans 21 einfliessen lassen. Fest steht auch, dass Medienbildung und Informatik im neuen Lehrplan deutlich mehr Gewicht erhalten werden. Wir werden künftig bereits in der Primarschule mit Medienbildung beginnen, und zwar gleich über mehrere Fächer hinweg. Ausserdem wird das Tastaturschreiben eingeführt. In der 1. und 2. Sek haben wir neu das Fach «Medien und Informatik» und in der 3. Sek das Wahlfach MINT.

Wäre eine flächendeckende Einführung überhaupt finanzierbar?

Beim Start des Pilotprojekts kostete ein Gerät 650 Franken. Heute kostet ein vergleichbares Gerät – trotz qualitativer Verbesserungen – noch 400 Franken. Wenn man bedenkt, dass heute jedes Kind pro Jahr Lehrmittel im Wert von 200 bis 300 Franken benötigt, ist der Kauf eines Tablets durchaus zu prüfen. Eine Option wäre für mich zudem, dass die Kinder das Gerät auch privat nützen können und die Eltern dafür einen Beitrag leisten.

Das Gerät ist das eine, der Internet-Anschluss das andere.

Hier können wir glücklicherweise auf die Unterstützung der Swisscom zählen. Dank ihrer Kampagne «Schulen ans Netz», die sie vor zehn Jahren lancierte, haben heute alle Schulen im Kanton Luzern kostenlos Zugang zum Internet.

Welches sind die nächsten Schritte in Sachen Medienbildung?

Im Hinblick auf den Lehrplan 21 muss deshalb jede Klassenlehrperson ab der 3. Primarschulklasse an der Pädagogischen Hochschule einen Intensivkurs von zehn Halbtagen besuchen. Auch die Elternbildung liegt uns am Herzen. Viele Eltern nutzen die Geräte zwar regelmässig, wissen aber nicht, wann sie ihren Kindern ein Handy kaufen sollen und wie man sie sinnvoll ins Internet begleiten kann. In Zukunft bieten wir den Eltern nicht mehr nur Veranstaltungen beim Schuleintritt, sondern über alle Altersstufen hinweg.