Rigi Anzeiger
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Meggen soll «grüner» werden

Ursa Sigrist, Sprecherin Grüne Ortsgruppe Meggen

In Meggen wurde am 24. Oktober eine Ortsgruppe der Grünen gegründet. Knapp zehn Personen sind dabei. Sprecherin ist Ursa Sigrist. Wir haben bei ihr nachgefragt.

Braucht Meggen die Grünen?
Wir gehen davon aus, dass es auch in Meggen einige Leute gibt, welche die Gründung der Grünen an der Zeit finden: vielleicht, weil sie sich freuen über die Diversifizierung der Parteienlandschaft, vielleicht, weil ihnen die ökologischen Anliegen der Grünen zutiefst aus dem Herzen sprechen, ohne dass sie mit Parteipolitik zu tun haben wollen.

Die Gruppe will sich einsetzen «für die Förderung von erneuerbaren Energien, für Energieeffizienz und -suffizienz». Wurde diesbezüglich bis anhin zu wenig getan in Meggen? Muss sich Meggen als Trägerin des Labels Energiestadt noch mehr anstrengen?
Meggen könnte gerade im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz weit über den bereits erreichten Label-Standard «Energiestadt» hinausgehen. Dank sehr guten wirtschaftlichen Voraussetzungen, dank der geografisch vorteilhaften Lage, dank know how, dank engagierten GemeinderätInnen, dank dem formulierten Willen, nicht nur als Steuerparadies bekannt zu sein, könnte Meggen hier eine bedeutende Pionierrolle einnehmen!
Das Thema der Energie-Suffizienz allerdings ist ein anderes. Es fordert alle persönlich heraus, sich mit dem eigenen Verhalten und den eigenen Bedürfnissen auseinander zu setzen: Was brauche ich wirklich zum Leben? Was ist für mich «genug?» Das geht weit über das Politische hinaus.

Haben Sie ganz konkrete Anliegen?
Wir nehmen nun Schritt für Schritt unsere Arbeit auf. Das Einbringen dieser oben formulierten Vision – eine Pionierrolle von Meggen bzgl. Energieeffizienz / erneuerbare Energien – ist für uns ein sehr konkretes Aniegen.

Stichwort Langsamverkehr – auch dafür will sich die Gruppe einsetzen. Auch die SVP Meggen fordert vermehrt Tempo 30-Zonen. Werden Sie hierfür mit der SVP kooperieren?
Langsamverkehr heisst ja nicht Tempo 30-Zonen. Es geht z.B. um Fortbewegungsarten wie zu Fuss, mit dem Trottinett, mit Rollschuhen oder mit dem Fahrrad – dies braucht alles wenig Energie und ist gesundheitsförderlich. Allerdings muss die Sicherheit für diese Langsamverkehrsteilnehmenden gewährleistet sein, sie müssen im Verkehr bevorzugt behandelt werden. Es kann ja nicht sein, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren «müssen», weil der Schulweg zu Fuss zu gefährlich ist. Wenn sich andere Parteien für Langsamverkehrsteilnehmende einsetzen – was nicht deckungsgleich ist mit der Verlangsamung des motorisierten Verkehrs – ist dies umso besser!

Welche Massnahmen muss Meggen diesbezüglich prioritär umsetzen?
Ich finde Temporeduktionen des motorisierten Verkehrs sehr sinnvoll und (vielleicht) am schnellsten durchführbar. Wie gerade gesagt, ist ein weiteres Handlungsfeld der nicht motorisiert zurückgelegte Schulweg.

Auch Artenvielfalt ist Ihnen ein Anliegen: Meggen soll ein «gesunder und vielfältiger Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen» sein. Wie lässt sich das umsetzen?
Ein kleines, gutes, bereits praktiziertes Beispiel ist die Gratisabgabe von Wildsträuchern. Eine Eberesche z.B. dient ca. 25 Tierarten in irgendeiner Form zu deren Nahrung, was bei exotischen Sträuchern nicht der Fall ist. Indem Meggen die Beschaffung so erleichtert, animiert das manch einer, einheimische Sträucher zu pflanzen. Damit ist ein Beitrag zur Artenvielfalt geleistet. Meggen könnte den «prix wilderness» verleihen – für den wildesten Garten. Das gemeindeeigene Land könnte mit Obstbäumen von pro Spezia rara bepflanzt werden. Und schliesslich wäre noch die Umstellung des gemeindeeigenen Rebberges auf Bio-Wein-Produktion ins Auge zu fassen!

Stichwort «soziale Gerechtigkeit»: Gibt es das in Meggen, dem Wohnort für Reiche überhaupt?
Viele von uns kennen, wenn wir als Wohnort «Meggen» angeben, Sprüche wie, «dort wo die Bonzen wohnen», «gehörst du auch zu diesen Reichen?» u.ä., oder fühlen sich schon fast zu einer Rechtfertigung genötigt, überhaupt in diesem Ort zu wohnen. Das stört uns. Wir möchten, dass Meggen eine Gemeinde ist, in der Menschen auch ganz gewöhnlich wohnen können, in der es ein alltägliches Dorfleben gibt, in der auch Menschen mit durchschnittlichem oder gar kleinem Einkommen sich willkommen und wohl fühlen.

Auch die CVP Meggen setzt sich beispielsweise für günstigen Wohnraum ein. Was können die Grünen hier bewirken?
Dieses Anliegen unterstützen auch wir.

Wie beurteilen Sie die politische Arbeit von Meggen generell? Wo sehen Sie eindeutigen Handlungsbedarf?
Der Gemeinderat amtet nun in neuer personeller Zusammensetzung. Weniger die parteipolitische Zugehörigkeit als die Fähigkeit zu einer lösungsorientierten Zusammenarbeit, Mut und Respekt werden hier entscheidend sein. Ich hege gute Hoffnungen bei den aktuellen GemeinderätInnen! Wieviel eine kleine, grüne Gruppierung wie wir auf kommunaler Ebene einbringen kann, wird die Erfahrung zeigen. Es ist auf jeden Fall wichtig, ökologische Sichtweisen zu vertreten, sich einzumischen und Fragen zu stellen.

Das Präsidium der SP Meggen ist nach wie vor nicht besetzt. Die Partei hat offenbar Mühe, Ämter zu besetzen. Wie wird das bei den Grünen sein?
Sogar ohne Präsidium stellt die SP eine Gemeinderätin, das ist doch wunderbar! Wir halten unsere Struktur als Ortsgruppe der Grünen Kantonalpartei den auch bewusst minimal. Wir möchten unser Engagement und unsere Motivation möglichst direkt in Aktivitäten und Aktionen einfliessen lassen und die Diskussion untereinander pflegen. Wir verstehen uns als offene Gruppe, bei der Interessierte willkommen sind zum mitdenken, mitreden und mitmachen. Interview Linda Kolly

Ursa Sigrist, Sprecherin Grüne Ortsgruppe Meggen