Rigi Anzeiger
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Menschen im Gespräch: Gymi statt KV – Zug statt Auto

«Ja, ich bin schon ein ‹Ur-Äbiker›», sagte der 20-Jährige Student Janik Steiner, in bestem Lozärner Dialekt. Um gleich zu präzisieren: «vielleicht abgesehen von den vier Monaten als Fötus in Eibu».

Die Worte sind gewählt, die Ausdrücke präzise formuliert. Das kommt vielleicht aus seiner frühen Kindheit. Bereits mit drei Jahren wollte Janik lesen lernen, fragte seine Eltern nach der Bezeichnung von Buchstaben. Was dem Vater, einem Luzerner, und der Mutter aus der Ostschweiz doch ein wenig früh schien. Der Bub liess sich weder beirren noch liess er locker und brachte sich lange vor der Einschulung autodidaktisch das Lesen bei.

Janik Steiner, überzeugter Bahnfahrer, meist unterwegs im «Bermuda-Dreieck»: Studium in Zürich, Arbeit in Bern und Politik in Ebikon. Bild zVg

Janik Steiner, überzeugter Bahnfahrer, meist unterwegs im «Bermuda-Dreieck»: Studium in Zürich, Arbeit in Bern und Politik in Ebikon. Bild zVg

Gamen nur in «homöopathischen» Dosen
«Ich war ein sehr guter Schüler und die Leselust begleitete mich während der ganzen Primarschulzeit». So zog er sich Harry Potter 1–4 in der ersten Klasse rein. Mindestens so spannend erschien ihm aber das Gamen. Der Game Boy Advanced SP und die Playstation 2 waren damals Trumpf. Seine Mutter erlaubte ihm anfangs eine halbe Stunde täglich: «Das war eigentlich schlimmer als nichts», stellt Janik lachend fest, «aber ohne diese Regelung hätte ich wahrscheinlich nichts Anderes mehr getan.»

Cool, aber das tue ich mir nicht an …
Mit dem Wechsel in die Sekundarschule stand auch die Berufswahl im Vordergrund. Zwar stimmten die Noten für einen Übertritt in die Kantonsschule, doch seine Eltern sahen eher den Königsweg in Form einer Lehre. Janik war lange unschlüssig. Gefallen hat ihm zwar das Schnuppern in zwei Unternehmen. Und das KV blieb lange als Option offen. «Es schien mir damals schon cool Geld zu verdienen. Und fast hätte ich mich beworben.» Zwei Wochen dauerte der Entscheidungsprozess – die Kanti Musegg wurde es dann aber. «In dieser Sek-Zeit machte ich einen Charaktersprung, wurde ‹gesellschaftsfähiger›. Dies verdankte ich zum Grossteil meiner damaligen Freundin – und neue Freunde resultierten daraus, mit denen ich auch heute noch in Kontakt bin.»

Ein erster Konzertbesuch der «Rabble»-Band (Schülerband Wydenhof) begeisterte Janik. Er dachte: «Cool, aber das tue ich mir nicht an» – und tat es dann doch. Bereut hat er es nicht. Herumhängen in der Ladengasse, Energy-Drinks konsumieren, Zeltwochenenden, «Home-Partys», erstmals Rauchen und Alkohol trinken, blieben ihm in Erinnerung – als eine sorgenfreie, wunderbare Zeit.

Der Wechsel in die Kanti Musegg kam dem Jugendlichen danach vor wie «heile Welt». Keine Schlägereien auf dem Pausenplatz oder Diebstahl in den Umkleidekabinen. Die schulischen Fächer gefielen, seien es Biologie, Französisch, Geografie. Wissensdurst und Lernbegierde konnten anfangs kaum gestillt werden. Bücher lesen war wieder in. Seien es die Klassiker von Goe­the, Dürrenmatt oder Harper-Lee. Aber auch Fantasy-Literatur «allerdings in kleineren Dosen» als früher.

Der Besuch an der eidgenössischen Jugendsession in Bern weckte das Interesse an der Politik: «Dort wurden mir die Augen geöffnet für das Ganze.» Spannend sei es, sich mit politisch interessierten Menschen zu treffen. Danach sass Janik ein Jahr im Jugendparlament der Stadt Luzern – allerdings ohne Stimmrecht. Anschliessend auch im kantonalen Jugendparlament. Eine stressige Zeit erlebte er als die Matura mit dem Latinum, das Advanced, die Autoprüfung und die Organisation des Volkswirtschafts-Studiums in Zürich und des Militärdiensts fast zeitgleich anstanden. «Ich habe mich verzettelt, erfüllte meine eigenen Ansprüche nicht mehr.»

Junge oder Stimmen etwas links der politischen Mitte fehlten
Eine Anfrage der Grünliberalen Partei (GLP) Rontal brachte den Studenten zum dritten Mal ins Grübeln: Eine Kandidatur für einen Sitz in der Controlling-Kommission? «Junge oder Stimmen etwas links der politischen Mitte waren quasi inexistent», war einer der Motivatoren. Beim zweiten Anlauf klappte es. Plakate, das «Wahlkampfvelo», die Unterstützung vieler Parteien und die Verteilung von Flyern zusammen mit der Unterstützung durch Familie und seine Freundin legten den Grundstein für die erfolgreiche Wahl. «Ich denke ich bin gut vorbereitet, sei es durch mein Studium, meine Neugier und meinem Nebenjob beim Dachverband Schweizer Jugendparlamente.

Die Fahrprüfung hätte er sich eigentlich sparen können: «Mein GA gebe ich heute um keinen Preis mehr her!» Er könne sich bequem und problemlos in der ganzen Schweiz bewegen, Projekte in Chur, Ro­manshorn/Arbon, Triengen und Rüschlikon betreuen. Natürlich sind auch ökologische Gründe ausschlagegebend. Mehrheitlich unterwegs im «Bermuda-Dreieck» Zürich-Bern-Luzern/Ebikon, arbeitet Janik im Zug, hört Podcasts oder schaut sich auch mal nur die Gegend an: «Jetzt lerne ich die Schweiz kennen!»  Text und Bild: Marlis Jungo

Unser nächster Gast in der Rubrik «Menschen» ist auf Wunsch von Janik Steiner, Jungpolitiker Ebikon, Janine Kopp, promovierte Historikerin aus Meggen.