Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Menschen im Gespräch: Toll, die Kombination von Schule und Fussball!

Auf der Luzerner Allmend, im Bereich Breitensport, an einigen schon leicht verwitterten Tischen und Festbänken treffe ich die 16-jährige Fussballerin zum Gespräch. Sie hat sich bereits für das Training umgezogen. Das in einer  Stunde auf den Rasenplätzen auf der anderen Seite der Kantonsstrasse beginnt.

«Beim Spiel mit oder gegen Buben lernt man Körpereinsatz!» Julia Pirker, Fussballnationalmannschaft-Spielerin aus Weggis

Ihr Handy sei ihr in der Garderobe abhanden gekommen. Zum Glück sei ihr der Laptop geblieben fügt Julia optimis­tisch an. Denn darauf befinden sich alle Unterlagen für die Schule. «Den meisten Schulstoff lernen wir mittels Laptop», sagt die Gymnasiastin. Sie besucht die Sportklasse 5s in der Kantonsschule Alpenquai und wird die Matura innerhalb von sieben statt der üblichen sechs Jahre absolvieren. Sport und Schule oder Schule und Sport? Die Prioritäten verschieben sich je nach Programm beim Fussball. Und das sei ab und an recht schwierig zu handhaben.

Anstrengende Tage
«Mathematik ist eigentlich mein Lieblingsfach und meine Stärke», plaudert Julia über den Schulalltag. Aber im kürzlich absolvierten Trainingslager in Littauen habe sie zu wenig gelernt: «Momentan ist es deshalb eher Krampf statt Spass!» Die Tage der Schülerin und Sportlerin sind lang: Tagwache in Weggis jeweils um halb Sechs. Eine halbe Stunde dauert der Fussmarsch zum Schiff nach Luzern. Im Schulzimmer in Luzern wird sie in der Regel um 10 Uhr erwartet. Die letzte Lektion endet an drei Wochentagen zwischen 15 und 16 Uhr. Dann wartet das Fussballtraining auf der Allmend: jeweils eineinhalb Stunden von 18.30 bis 20:00 Uhr. Es werde dann 22 Uhr bis sie zu Hause mit lernen anfange: «Manchmal bin ich so müde, dass ich dabei einschlafe.»

Kopfballstark
Julia hat zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Michael und ihrer heute 18-jährigen Schwester Selina als Primarschülerin angefangen Fussball zu spielen. Erst am Grümpelturnier des WSC (Weggiser Sportclub). Anschliessend machte sie zusammen mit den Buben in der D- und E-Liga weiter. «Das bringt mehr, da lernt man Körpereinsatz!» Und das zahle sich bei Zweikämpfen aus. Heute auf ihre Spielstärken angesprochen bezeichnet sich Julia als «kopfballstark und kommunikativ». Das passt zu ihrer Position als Innenverteidigerin. «Da habe ich den Überblick und kann meine Mitspielerinnen lautstark dirigieren».

Engagiert im Hobby
Ob Julia beim nächsten Aufgebot in die 30 Spielerinnen zählende U 17 Nationalmannschaft kommen wird steht noch nicht fest: «Meiner Trainerin Luzia Odermatt zufolge soll ich mental arbeiten, mich auf das Spiel vorbereiten und nicht zu viel studieren!» So richtig in Spiellaune komme Julia sowieso sobald sie das Spielfeld betreten hat und den Rasen unter den Fussballschuhen spüre. Und mindestens ein paar Schuhe braucht sie pro Saison. Was aber an Ausrüstung nicht alles ist. Eben haben die Luzernerinnen einen neuen Hauptsponsor bekommen. Die Eltern werden da zusätzlich zum Jahresbeitrag die «neue Arbeitskleidung» mitfinanzieren. Dazu kommen Hin- und Rückfahrten sowie Verpflegung und Trainingswochen mit dem FCL.

Obwohl im globalen Fussball finanziell mit der grossen Kelle angerichtet wird: Beim Nachwuchs geht es nicht ohne Unterstützung durch Angehörige, Freiwilligenarbeit und grossherzige Sponsoren. «Immerhin ist bei Nati-Einsätzen alles bezahlt», sagt eine dankbare Jung-Fussballerin. Sie weiss noch nicht, wohin sie die Fussball-Karriere führen wird. «Momentan sehe ich sie als ernst genommenes Hobby und eine tolle Kombination von Schule und Fussball!», sagt es und entschwindet mit Trainingsmaterial zu ihren wartenden Kolleginnen und Trainern.

Marlis Jungo

Unser nächster Gast in der Rubrik «Menschen» ist auf Wunsch der Nachwuchsfussballerin Julia Pirker aus Weggis Heiri Hüsler, lokalhis­torischer Geschichtenerzähler aus Luzern.

Kommunikativ: Julia Pirker, FCL U19-Fussballerin, im Einsatz als Innenverteidigerin. Bild: zVg

Kommunikativ: Julia Pirker, FCL U19-Fussballerin, im Einsatz als Innenverteidigerin. Bild: zVg

Kopfballstark

Kopfballstark