Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Milchzahltag und AHV-Rente ins Haus liefern

In fünf Tagen feiert er frisch und froh seinen 75. Geburtstag. Es ist Klaus Schüpfer, bekannt als Postbote in Inwil und Perlen. Mit Schalk und träfen Sprüchen blickt er zurück auf gegen 50 Jahre im Dienst der Post, die damals noch PTT hiess. Und bereits – wie heute – ihr Geschäft diversifiziert betrieb.

So brachte der Postbote nebst Briefen, Paketen und Zeitungen das Milchgeld, die AHV. Zog – vor dem Zeitalter von Kreditkartenzahlungen – täglich bis zu 70 Nachnahmen ein. «Die Zustellung der Zahlungsbefehle war mir unangenehm. Ich habe im Laufe der Jahre viel Familiäres und Persönliches mitbekommen», sagt Schüpfer und bezeichnet sich mit einem Augenzwinkern als Hobby-Psychologe.

Gerne in Basel
Schüpfer startete mit einer dreijährigen Lehre im Postzentrum Luzern ins Berufsleben. Im Anschluss an die RS wurde er vom Arbeitgeber nach Basel vermittelt. «Die Städte Basel und Zürich litten permanent unter Personalmangel. Weil es dort bessere Verdienstmöglichkeiten gab», vermutet der Pensionär. Ganz im Gegensatz zu Luzern, wo Beamte fanden, das Arbeitsklima sei viel angenehmer. «Die Chefs haben sogar mitgearbeitet», erinnert sich Schüpfer. Es habe ihm so gut gefallen, dass er nicht mehr zurück wollte. Da wurde ihm vom Posthalter seines Heimatortes Inwil eine feste Stelle als Briefträger angeboten. «Das war in dieser Zeit aussergewöhnlich.» Der 22-Jährige nahm die Stelle an. Auch auf Wunsch seiner Eltern, die sich nach dem Wegzug (Auswanderung) des drei Jahre jüngeren Bruders Klaus nach Australien allein fühlten.

Schlagfertig und sportlich
Auf seinen Touren zu den weit verzweigten Bauernhöfen rund um Inwil, nach Pfaffwil und auf den Berg, legte Klaus Schüpfer täglich 30 Kilometer zurück. Im Winter oft zu Fuss, im Sommer mit dem Velo. Und ja, da waren noch die vielen Hunde. An die 60 Stück in seinem Revier. Mit den meisten habe er sich gut arrangieren können – auch dank selber finanzierten Hundeguetzli. Ein Gewerbler aber hielt einen Schäfer. Die hingeworfenen Leckerbissen fasste der scharfe Hund als Provokation auf. Und stürzte sich auf den verschreckten Postboten. «Ich habe ihm die Briefe, Zeitungen und Prospekte zur Abwehr hingestreckt und der Schäfer verbiss sich darin. Ja, er verbiss das ganze Bündel, bis ihn der Besitzer zurückrief.» Konsterniert fragte dieser, was er nun mit den zerstörten Rechnungen anstellen solle. Für einen guten Rat war sich Schüpfer trotz Schreckmoment nicht zu schade: «Leg sie halt im Ordner ab, gelocht sind sie ja schon.» Ab 1976 entschärfte sich das Hundeproblem. Die Post wurde nun mit dem VW-Käfer ausgetragen.

Klaus Schüpfer gibt sein Schachwissen an Drittklässler weiter (von links): Jan Widmer, Elias Wechsler, Livio Bucher, Jonas Fischer, Mathias Wicki, David Schwitter und Nico Gattiker.

Klaus Schüpfer gibt sein Schachwissen an Drittklässler weiter (von links): Jan Widmer, Elias Wechsler, Livio Bucher, Jonas Fischer, Mathias Wicki, David Schwitter und Nico Gattiker.

Arbeit und Vergnügen
Nach strengen Arbeitstagen war jeweils Abwechslung gefragt. Als TV-Oberturner, Schützenmeister und Schachspieler konnte sich der junge Berufsmann entspannen. Er schaffte es gar als Autodidakt in die Musikgesellschaft Ballwil. Spontan kaufte er ein Tenorsaxofon und übte täglich bis zu zwei Stunden, was dem Lehrer Studer zu Ohren kam. Er animierte den «Anfänger» zum Beitritt. «Ich hatte Hemmungen, konnte ja keine Noten lesen», blickt der Musikant zurück. Die Proben und Konzerte wurden mit dem Töff, einer BMW besucht. Bei Wind, Regen und Schnee – mit klammen Fingern. Schüpfer als Fahrer, Studer auf dem Soziussitz. «Ich habe ihn dann nach den Proben oft nach Oberpfaffwil gefahren, wo er ‹z’Chilt› ging. Mich selber habe ich als ‹Hilfs-Chilter› bezeichnet.»

Kochen und Musizieren
Mit der Familiengründung mit Heidi und der Geburt einer Tochter und eines Sohnes änderten die Prioritäten. Das «Musizieren und Turnen gab ich auf, beim Schach bin ich bis heute geblieben.» Diese Passion liess sich gut weiterpflegen als seine Frau für 40 Jahre chronisch erkrankte. Während den vielen Spitalaufenthalten und bei Bettlägerigkeit zu Hause lernte der Vater zudem den Haushalt zu führen. «Dafür bin ich heute – meine Frau ist 2014 gestorben – sehr dankbar. Am liebsten koche ich.» Schach spielt er nur noch zum Vergnügen. Und vermittelt es an sieben Drittklässler-Buben. Nach 40-jähriger Abstinenz als Musiker spielt der vitale 75-Jährige in der Viscose-Musig Emmenbrücke und in der Flugplatzmusig Emmen wieder auf dem Tenorsaxofon. «Ich habe zäh geübt! Die Auftritte in Altersheimen, an Firmen- und Jubilarenanlässen entschädigen mich dafür!» Marlis Jungo

Unser nächster Gast in der Rubrik «Menschen» ist auf Wunsch von Klaus Schüpfer Bruno Muff vom Haldihof, Weggis.