Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Mit 150 Prozent und mehr engagiert

Die meisten 58-Jährigen Berufsleute machen sich Gedanken über die Zeit ihrer Pensionierung. Nicht so Michela Grunder. Sie eröffnete im März 2015 zusammen mit Susanne Perren eine Galerie in Adligenswil. «So bin ich meinem Berufswunsch wenigstens in Bezug auf die Sparte Kunst näher gekommen.»

Die 19-Jährige Bündnerin aus Chur wollte damals in die Schauspielschule nach Zürich. Vater Lazzarini verwehrte sich diesem Ansinnen nicht grundsätzlich. Stellte aber als klare Bedingung «zuerst ein Sprachaufenthalt in England». Damit seine jüngste Tochter nach «wilden Zeiten» ein wenig «angepasster» zurückkommen sollte.

So «angepasst» allerdings hatte sich die Familie die Rückkehr von Michela nicht vorgestellt. Sie lernte in England den vier Jahre älteren Richard Grunder aus Grosswangen kennen. Verliebte sich in ihn. Und die beiden verkündeten ihrer gesamten Verwandtschaft nach zwei Wochen mit Karte: «Wir sind verlobt!» Was nicht ohne Reaktion bleiben konnte. Im «Vor-Handy-Zeitalter» meldete sich der Vater der Braut telefonisch in der Schule und beorderte zeitgleich deren ältere Schwester per Flugzeug nach England. «Um den Bräutigam zu begutachten», sagt Michela Grunder lachend.

Michela Grunder-Lazzarini: «Gesegnet mit guter Gesundheit und viel Energie brauche ich zudem wenig Schlaf.»

Michela Grunder-Lazzarini: «Gesegnet mit guter Gesundheit und
viel Energie brauche ich zudem wenig Schlaf.»

Italienische Sprache pflegen
Die junge Familie wohnte in Sursee. Richard Grunder wurde aber das Pendeln zum Arbeitsort bald überdrüssig. Mit dem Zirkel zog er mit seiner Frau einen 10-Kilometer-Radius auf einer Karte rund um Luzern. Sie machten sich auf die Suche nach einem geeigneten Bauplatz. Den sie vor 36 Jahren in Adligenswil fanden. Die beiden Söhne (2-jährig und 5 Monate alt) erlebten den Umzug, ihre Schwester ergänzte die Familie im neuen Heim in Adligenswil. Mit 150 Prozent gab Michela als Familienfrau alles und mehr. «Die Aufgabe erfüllte mich, ich bin darin aufgegangen», sagt sie heute. Als aktives Mitglied im Club der jungen Eltern, im Frauenverein sowie Jugendvorstand aber auch als Mitgründerin der Ludothek konnte sie ihre Fähigkeiten voll entfalten. Damit nicht genug, sie wollte ihre zweite Muttersprache, das Italienische vermehrt einsetzen. Mitbekommen hat sie die «Italianità» zum einen von den Grosseltern, väterlicherseits eingebürgerte Italiener in Augio im Bündner Calancatal, ihrer Mama und der Grossmutter in Bellinzona, bei der sie oft die Ferien verbrachte.

Nach einer Weiterbildung als Erwachsenenbildnerin und zur Sprachlehrerin erteilte Michela Grunder Italienischunterricht «vom Jugendlichen bis zum Rentner». Firmenkurse beispielsweise für die Spezialisten in der Störungszentrale der SBB in Luzern oder die Mitarbeiter im Paraplegikerzentrum Nottwil gehörten ebenso dazu, wie jene Stunden mit Susanne Perren, heute Partnerin in der Galerie. Auch ein Kunstmäzen besuchte ihren Unterricht und engagierte die Powerfrau in seiner kulturellen Institution. Es wurde ein Engagement über sechs Jahre daraus «mit vielen guten Begegnungen». Michela Grunders umfangreichen Bekanntenkreis aus der Zentralschweiz ergänzen viele Kontakte aus dem Tessin. Entstanden sind sie durch gemeinsame Interessen, die italienische Literatur und aktiv gepflegte Lesezirkel. Die Zeit war reif, um noch einmal etwas Neues anzupacken. Das Lokal eingangs Adligenswil, sichtbar an der Hauptstrasse gelegen, mit nahen Parkiermöglichkeiten und ÖV-Anschluss bot sich geradezu an. In knapp drei Monaten zogen die beiden Frauen das Projekt als GmbH durch. Und sind nun seit mehr als einem Jahr erfolgreich unterwegs mit Künstlern nördlich und südlich des Gotthards. Das Bild zeigt Michela Grunder mit einer Lieblingsskulptur. Sie spiegelt ihr Hobby Lesen und ihre Tessiner Wurzeln. Gefertigt ist die Lesende aus altem Kastanienholz vom Ostschweizer Holzkünstler Daniel Eggli.

Mykologie fasziniert
Man glaubt es kaum, auch ein zeitraubendes Hobby passt noch ins Tagesprogramm der Galeristin: «Ich habe das Glück, dass ich wenig Schlaf brauche, gesund und mit viel Energie gesegnet bin», so die Begründung. Als Kind musste Michela jeweils im Bellinzona mit auf Pilzsuche. Nur Eierschwämme (Pfifferlinge) und Steinpilze wurden gepflückt: zu einseitig für die Wissbegierige. Mehr über diese interessante Spezies zu erfahren, führte die mittlerweile Erwachsene zur Mykologischen Gesellschaft in Luzern. «30 Männer und 4 Frauen haben mich 2006 herzlich aufgenommen», blickt die «Pilzfrau» auf ihren Einstand zurück. Sie büffelte in Landquart für die Prüfung zum amtlichen Pilzkontrolleur und bestand diese 2009. «Mich faszinieren die Artenvielfalt, auch die Bedeutung für die Natur», so zwei Gründe für die «Sucht». Und ja «es kribbelt wieder, sobald sich der Frühling ankündigt». Für sie selber sei es ein Abschalten, Kopf leeren und das Auge für die Natur schulen. «Ich sehe sofort, ob am Strassenrand ein vierblättriges Kleeblatt wächst – es springt aus der Masse!». Was auch Michela Grunder tut.  Text & Bild Marlis Jungo

Unser nächster Gast in der Rubrik «Menschen» ist auf Wunsch von Michela Grunder-Lazzarini der ehemalige Pöstler, Klaus Schüpfer, aus Inwil.