Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Mit 300 Franken eine Lehre absolvieren?

Meggen: Wie man mit wenig Geld viel bewirken kann, davon weiss der Megger Schreiner, Lehrer für Werken und Unternehmer, Norbert Wismer, zu berichten. Er engagiert sich für ein spannendes Ausbildungsprojekt in Sambia; denn Bildung ist der Schlüssel zur Entwicklung.

jp. Es war vor drei Jahren. Ein Schulleiter, ein Freund Norbert Wismers, nahm sich eine Auszeit. Er hatte eine ausgefallene Projektidee: ausländische Schulen, auch in Afrika, zu besuchen. Norbert Wismer hat den afrikanischen Kontinent schon mehrmals bereist. Er stellte sich als Fahrer zur Verfügung. Es ging auf nach Sambia, nach Chikupi. Dort leiten Verwandte des Urlaubnehmers, ein Schweizer Ehepaar aus Kerns, Ueli und Anna Schäli-Renggli, eine Schule. «Wir weilten ein paar Tage an dieser Ausbildungsstätte. Anschliessend machten wir eine Reise. Dann kehrten wir wieder nach Chikupi zurück. Dieses Berufsbildungszentrum zog mich in seinen Bann. Ich schaute mir dieses Projekt an. Ich machte mir meine Gedanken zu den Problemen dieser Berufsschule. Wie könnten wir helfen? Denn hier werden Landwirte, Maurer, Schlosser und Schneiderinnen ausgebildet», berichtete Norbert Wismer in einem Gespräch. «Ziel dieses Berufsbildungszentrums in Chikupi ist es, den Ärmsten unter den Armen aus der Region eine Berufslehre zu ermöglichen. Sie müssen die Ausbildung selber finanzieren. Das Maismehl für das Essen müssen sie mitbringen. Das Schulgeld beträgt 120 Franken pro Jahr. Die staatliche Abschlussprüfung nach einem Jahr Lehre zusätzlich 75 Franken. Aktuell absolvieren rund 70 Schüler und Schülerinnen aus den ärmsten Familien eine Lehre. Mit rund 300 Franken lässt sich ein Lehrabschluss erreichen mit dem Ziel, selbstständig zu werden oder sich anstellen zu lassen. Wer eine Lehre gemacht hat, hat eine grosse Chance eine Arbeitsstelle zu bekommen oder selber mit einem kleinen Geschäft zu beginnen.»

Norbert Wismer legt in der Schreinerei in Kafue selber Hand an und zeigt einem Lehrling, wie man das Holzbrett einer Sitzbank fachmännisch schleift.

Norbert Wismer legt in der Schreinerei in Kafue selber Hand an und zeigt einem Lehrling, wie man das Holzbrett einer Sitzbank fachmännisch schleift.

Zu wenig Werkzeuge
Der praxisorientierte Lehrer für Werken, Norbert Wismer, erkannte bereits bei seinem ersten Besuch im Chikupi Berufsbildungszentrum, dass es an Werkzeugen für den Start ins Berufsleben fehlt. Zurück in der Schweiz, hat er mit dem Eisenwarengeschäft Arthur Weber AG Küssnacht zusammen 854 Maurerkellen, 100 Maurerkessel, Senkbleis und Übergewänder aufgetrieben und diese mit einem Lastwagen nach Sambia verfrachtet. Die ganze Ware konnte zollfrei importiert werden. Denn das Material war für die Katholische Erzdiözese Lusaka bestimmt, welche das Chikupi Berufszentrum führt. Die Leitungspersonen der Schule sind ehrenamtliche Mitarbeitende der Diözese. Das fehlende Geld für die Lehrerlöhne oder das Schulmaterial wird durch den angegliederten Landwirtschaftsbetrieb erwirtschaftet. Die Afrikanische Schweinepest grassierte allerdings und vernichtete den Bestand von 500 Schweinen im Zucht- und Mastbetrieb vollständig. Drei Jugendliche der Sekundarschule Meggen haben in einer Aktion rund 5800 Franken gesammelt, zum Beispiel beim Pausenkiosk, bei Privaten und bei den Kirchgemeinden, damit in Chikupi der Schweinezuchtbetrieb wieder gestartet werden konnte.

Stromausfall
Ein anderes grosses Problem ist der Stromausfall. Seit Juni 2015 ist Sambia bezüglich Strom im Ausnahmezustand. Zeitlich alternierend haben alle während acht bis zehn Stunden keinen Strom. Das ist für die Wirtschaft eine Katastrophe. «Auch für das Berufsbildungszentrum Chikupi hat der Stromausfall böse Folgen», so Norbert Wismer. «Die Schneiderinnen können die Nähmaschinen nicht in Betrieb nehmen, ebenso leidet der praktische Unterricht der Auszubildenden in der Metallbearbeitung. Und noch schlimmer: die Fischzucht des Landwirtschaftsbetriebes kollabierte. Die Wasserpumpen fielen aus. Alle Fische verendeten. Sambia ist eigentlich das Wasserschloss Afrikas. Nebst Wasser ist aber noch mehr Sonne vorhanden. Eine Solaranlage könnte das Problem lösen. Im September 2015 waren Walter Bucher und ich in Sambia mit der Mission, eine Kontrolle der Schreinerei in Kafue, dem zusätzlichen neuen Ausbildungszentrum von Anna und Ueli Schäli, vorzunehmen. Sollte die Solaranlage nur eine Idee bleiben? Zurück in der Schweiz ging es an die Planung der möglichen Solaranlage, zusammen mit Matteo Mina und Daniel Pfenninger, dem Elektriker-Team aus Luzern. Diese zwei Spezialisten haben wir für spezielle Arbeiten nach Sambia eingeflogen. Sie haben vom Verteilerkasten aus sechs Angestelltenhäuser, das Schulsekretariat und alle Kühlschränke in der Küche und in den Essräumen an das Stromnetz angeschlossen. Natürlich auch die Wasserpumpen für die Schule, für die Schweine- und Fischzucht. Inzwischen funktioniert die Anlage zur vollen Zufriedenheit.»

So zeigt sich die Schreinerei in Kafue im Innern mit ihrem Maschinenpark.

So zeigt sich die Schreinerei in Kafue im Innern mit ihrem Maschinenpark.

St. Ambrose Ausbildungszentrum
Neu betreut das Schweizer Ehepaar aus Kerns, Ueli und Anna Schäli, auch das 25 Kilometer von Chikupi entfernte Bildungszentrum St. Ambrose in Kafue. Hier werden ebenfalls handwerkliche Ausbildungsgänge wie auch Lehrpersonen-Ausbildungen für Kindergarten, Primar- und Sekundarschule angeboten. Mit einer Schreinerei und einem Nähatelier sollten das Lehrerseminar und die Berufsschule mitfinanziert werden. Da war der Schreiner Norbert Wismer wieder gefragt. Denn die Werkstätten waren in einem desolaten Zustand. Also machten sich Walter Bucher und Norbert Wismer auf den Weg nach Sambia. Die Maschinen wurden einer Inspektion unterzogen. Die Geschäftsbücher, die Kalkulation, die Finanzen, sie lagen im Argen. Mit vier Koffern voller Ersatzteile für die Maschinen reisten Norbert Wismer und sein Mitarbeiter, Daniel Rigert, ein paar Wochen später wieder nach Kafue. Die Maschinen wurden repariert. Die Schreinerei nahm ihren Betrieb auf. Und siehe da: Schülerpulte, Tische, Stühle, Kirchenbänke konnten produziert werden. Die Auftragsbücher sind voll. Auch das Nähatelier ist mit dem Nähen von Arbeitskleidern und Schuluniformen wieder auf Erfolgskurs. Anna und Ueli führen nun die zwei Ausbildungsstätten und engagieren sich für die Zukunft der Jugendlichen in Sambia. «Wenn wir die heutige Flüchtlingssituation in Betracht ziehen, die uns alle beschäftigt und betrifft, ist es sicher richtig und wertvoll, dass man Menschen vor Ort eine Chance für ein besseres Leben gibt. Unser Förderverein engagiert sich für die beiden Berufsbildungsprojekte. Jeder Franken geht voll zugunsten der Schulen. Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich. Mitglieder, Gönnerinnen und Spender sowie Interessierte werden via Rundbriefe über die beiden Berufsbildungszentren informiert», fasste Norbert Wismer, Vize-Präsident des Fördervereins, seine interessanten Ausführungen zusammen.

In Kafue werden in einem Seminar auch Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet.

In Kafue werden in einem Seminar auch Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet.

Informationen:
Die Statuten können per E-Mail angefordert werden:
schaeli@gmx.ch oder wismer@bluemail.ch

Förderverein Berufsbildung in Sambia
Präsident: Christian Schäli, Kerns; Vize-Präsident: Norbert Wismer, Meggen; Kassierin: Anita Bäbi, Kerns; Beisitzer: Ueli Schäli, Sambia.

Bankverbindung:
Förderverein Berufsbildung Sambia
OKB, Filiale Kerns
Kontonummer: 341.368-250
IBAN-Nummer: CH34 0078 0000 3413 6825 0