Rigi Anzeiger
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Mit Frau Lang gehts kürzer

Fokus Schule 2/6

Seit einigen Jahren arbeitet die Schule mit Pro Senectute zusammen. Senioren haben die Möglichkeit, Lehrpersonen im Unterricht zu unterstützen. Das tut auch Christel Lang aus Meggen. Chiara Volejnicek hat sich mit ihr über den freiwilligen Schuleinsatz unterhalten

Christel Lang, wie sind Sie dazu gekommen, in der Megger Primarschule mitzuhelfen?
Ich habe vor fünf Jahren ein Inserat in der Zeitung gelesen. Die Pro Senectute suchte Leute, die sich im Projekt «Senioren im Klassenzimmer» engagieren. Ich war gerade auf der Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit und habe mich deshalb spontan gemeldet.

Meggen
Seit fünf Jahren im Dienst der Schule Meggen: Christel Lang hilft Erstklässler Vasco Belfiglio.

Wie oft unterstützen Sie Matthias Kühn und seine 1. Klasse?
Das Projekt von Pro Senectute und der Schule sieht vor, dass die Senioren alle zwei Wochen in die Klasse gehen. Aber ich finde, wenn man nur so wenig da ist, kann man gar keinen Draht zu den Kindern aufbauen. Den Donnerstagmorgen habe ich als Besuchstermin jede Woche fest in meiner Agenda eingetragen. Diesen Termin nehme ich wenn immer möglich wahr.

Welche Aufgaben übernehmen Sie?
In der heutigen Schule ist es ja so, dass die Kinder oft selbständig arbeiten. Wenn sie nicht weiter wissen, hängen sie jeweils einen Magnet an die Wandtafel, mit dem sie zeigen, ob sie eine Frage haben oder etwas korrigiert haben möchten. Dann gehen Herr Kühn oder ich zu ihnen ans Pult und helfen ihnen. Das kann in Deutsch, Mathematik oder Mensch und Umwelt sein.

Können Sie denn immer helfen?
Eigentlich schon. Am Anfang gabs noch ein paar Sachen, die ich nicht kannte. Aber ich habe dem Chef mittlerweile vieles abgeschaut. Und wenn ich mal nicht mehr weiterkomme, frage ich ihn eben. Das läuft bei uns sehr unkompliziert. Helfen kann ich oft mit meiner Lebenserfahrung. Zum Beispiel wenn es um Anstand oder allgemeine Verhaltensregeln geht. Ich versuche den Kindern auch zu vermitteln, dass man Geduld haben muss. Dass im Leben nicht alles so schnell geht, wie man sich das wünscht. Ich denke, ich bin so etwas wie der ruhende Pol in der Klasse.

Gibt es auch etwas, das Sie von den Kindern lernen können?
Ja, klar. Von Kindern kann man immer lernen. Zum Beispiel ihre Natürlichkeit. Sie zeigen uns Erwachsenen, dass wir nicht so verklemmt sein sollten. Sie halten einem sozusagen einen Spiegel vor. Der grösste Gewinn für mich ist aber, dass ich durch die Schulbesuche fröhlicher werde. Ich gehe am Donnerstagmittag immer sehr aufgestellt nach Hause.

Bekommen Sie eine Entschädigung für Ihren Einsatz?
Nein, wir werden nicht entschädigt. Wenn es jemandem ums Geld gehen würde, wäre er hier sicher falsch. Wichtig ist für uns Senioren einerseits, die sozialen Kontakte aufrecht zu erhalten. Andererseits halten uns die Kinder jung. Wenn wir aber grosse Auslagen für Spesen hätten, könnten wir eine Entschädigung verlangen. Da ich in Meggen wohne, ist das nicht der Fall.

Wie reagieren die Schüler auf Ihre Anwesenheit?
Sie haben sich schnell an meine Anwesenheit gewöhnt. Und ich denke, sie freuen sich jeweils auf mich. Wenn ich höre, «Juhui, Frau Lang ist da!», stellt mich das natürlich auf. Es kommt sogar vor, dass mich ein Kind umarmt. Wir haben in anderthalb Jahren ein schönes Vertrauensverhältnis aufgebaut.

 

Ein Projekt von Pro Senectute
Vor einigen Jahren lancierte Pro Senectute – in Zusammenarbeit mit der Dienststelle Volksschulbildung Kanton Luzern – das Projekt «Senioren im Klassenzimmer». Ziel ist es, das Verständnis zwischen den Generationen zu fördern. Und so funktionierts: Pensionierte unterstützen Primarschulkinder unentgeltlich und in Absprache mit der Lehrperson – in der Regel während zwei bis vier Lektionen pro Woche. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig: Mit einzelnen Kindern rechnen und lesen, Geschichten erzählen, vorlesen oder einfach zuhören. Die Senioren sind jedoch keine Hilfslehrer und übernehmen keine pädagogischen Aufgaben. Interessierte Seniorinnen und Senioren melden sich bei: Ruedi Leuthold, Pro Senectute Kanton Luzern, Telefon 041 972 70 60.