Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Mit fünfzig ist Schluss!»

Rücktritt des Feuerwehrkommandants Ebikon-Dierikon

Alois «Wisu» Camenzind war zehn Jahre lang Kommandant der Feuerwehr Ebikon-Dierikon und hat immer Wert auf ein gut ausgebildetes Team und einen fortschrittlichen Fuhr- & Maschinenpark gelegt. Während der letzten Wochen machte er nochmals neue Erfahrungen, auf die er gern verzichtet hätte.

Alois Camenzind, warum geben Sie den Posten per Ende Jahr ab?
Mit fünfzig ist Schluss, das habe ich immer gesagt. Nach 28 Jahren bei der Feuerwehr will ich Jüngeren Platz machen und meine, ich habe genug im allgemeinen Interesse geleistet. Ausserdem ist mir wichtig, als Kommandant und Feuerwehrinstruktor auf dem Höhepunkt meiner Karriere aufzuhören.

Alois Camenzind bei der Übergabe des neuen Löschfahrzeuges im letzten Jahr.

Woran erinnern Sie sich in Ihrer zehnjährigen Führungstätigkeit besonders gern?
Dass wir Vorzeigefahrzeuge angeschafft haben und als Feuerwehr eine Vorreiterrolle in vieler Hinsicht einnehmen. Wir sind die Feuerwehr mit den meisten Weiterbildungen im Kanton Luzern. Als Instruktor war ich im ganzen Kanton Luzern unterwegs und habe die verschiedenen Feuerwehren von Hitzkirch bis Marbach kennengelernt. Während dieser Besuche habe ich stets versucht, die vorgefundenen Situationen zu analysieren und für uns die Lehren daraus zu ziehen. Natürlich half mir auch mein Fachwissen. Schliesslich war ich vor meinem Job als stv. Leiter Werkdienst 20 Jahre lang Berufs- und VBL-Buschauffeur. Und dass Kantone wie Zug oder Nidwalden unsere sonderangefertigten Fahrzeuge 1:1 übernommen haben, spricht für sich.

Teilen Sie mit uns ein besonders lustiges Erlebnis.
Eines Morgens ruft eine Frau an und meldet, auf dem Dach des Nachbarhauses sei eine Katze, die könne da nicht mehr runter. Ich wolle die Situation erst in Ruhe anschauen und beurteilen, worauf sie mir sofort mit dem Tierschutz und den Medien drohte. So fuhren wir mit einem Einsatzfahrzeug mit integrierter Anhängerleiter dahin. Auf dem Dach angekommen, schlüpfte die Katze unter den Kaminhut, und als ich sie packen wollte, verlor sie den Halt und rutschte «s Chämi» hinunter. Nun war dies ein Sammelkamin, der sich weiter unten verzweigte und in vier Wohnungen endete. Inzwischen hatte ich den Kaminfeger herbestellt, der den Kamin von oben russte. Bei drei der vier Wohnungen waren die Leute anwesend, aber keine Katze. Die Bewohnerin der vierten Wohnung, tätig in Meggen, verliess extra ihren Arbeitsplatz, um uns zu helfen. Als sie den Kamin in ihrer Wohnung öffnete, rannte die Katze, schwarz vom Russ im Kamin, über das beige Sofa und weg war sie. Schlussendlich waren über zehn Leute am Einsatzort, ein riesiger Aufwand wegen einer Katze. Und was das Allerbeste war: Es stellte sich heraus, dass die Katze der Besitzerin der Dachwohnung gehörte und über eine Lukarne aufs Dach konnte, wo sie sich in die Sonne legte.

Wenn Sie an einen Einsatzort kommen, erwarten Sie häufig wüste Situationen wie zum Beispiel beim Brand kürzlich an der Zugerstrasse. Was geht da in einem vor?
Das war der erste Todesfall in meiner Karriere als Feuerwehrkommandant. Aber rechnen tust du bei jedem Brandfall mit dem Schlimmsten. Denn es ist extrem schwierig abzuklären, ob wirklich alle die Wohnung verlassen haben. Und du selber funktionierst in so einer Situation einfach und hast keine Zeit, um über deine eigenen Gefühle nachzudenken. Nach einem solchen Ereignis musst du dann speziell jene deiner Leute beobachten, die einen Erstkontakt mit Verletzten oder Toten hatten. Da musst du schauen, wie und ob sie überhaupt dieses Ereignis verarbeiten können.

Und dann verunfallten Sie beim massiven Schneeeinbruch Ende Oktober bei einem Nachteinsatz gar selber…
Ja, das war der erste Unfall während meiner Amtszeit als Kommandant. Da waren Äste von Bäumen entlang der Riedholzstrasse unter dem Gewicht des schweren Schnees eingeknickt bzw. angebrochen. Die konnten nur von der Hebebühne auf gleicher Höhe richtig geschnitten werden. Und dann ging es halt blöd. Ich hätte mir meinen Abgang definitiv anders gewünscht. Mein Nachfolger wurde durch meinen Unfall gleich ziemlich ins kalte Wasser geworfen, was die Übungen und Einsätze vor Ort betrifft. Trotzdem – ich weiss, ich kann Martin Marfurt das Kommando mit gutem Gefühl übergeben. Und wenn ich dann wieder fit bin, freue ich mich auf mehr Privatleben.