Rigi Anzeiger
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Mit Kopf, Herz und Hand

Immensee: Wenn Johann Heinrich Pestalozzi noch leben würde – er hätte die grösste Freude an dem, was sich in der ersten Aprilwoche am Gymi Immensee abspielte.

111-Gymi Immensee Blocktage

pd. Vorhang auf! Während zweieinhalb Tagen studierten die Erstklässlerinnen und Erstklässler des Gymi Immensee unter der Leitung der beiden Zirkuspädagogen Biki Eitel und Riet Strähle elf Zirkusnummern ein, feilten an der Technik der Jonglage oder der Leiterakrobatik, verfeinerten die Choreografie des Auftritts am Vertikaltuch und lernten, wie man sich nach der Vorstellung richtig verbeugt. «Nichts darf zufällig wirken», sagt Riet Strähle, «nicht einmal das Siegeszeichen nach dem gelungenen Salto vom Minitramp.» Tatsächlich: Die Zirkuskapelle von Res Röösli spielte wie echt, Kinderpyramiden türmten sich, die Clowns zeigten, wie man mit einfachen Effekten die Leute zum Lachen bringt. Auch Pestalozzi hätte applaudiert und zu seinem Nachbarn geraunt: «Das ist Kopf, Herz und Hand vom Feinsten.»

Gemeinsam gegen Rassismus
Auch die zweiten Klassen des Gymi Immensee bewegten sich auf den Spuren von Johann Heinrich Pestalozzi – dies im eigentlichen Sinne. Sie besuchten im letzten Herbst das Kinderdorf Pestalozzi in Trogen, trafen dort auf eine Schülergruppe aus Mazedonien und arbeiteten als interkulturelle Gruppe zu den Themen Rassismus, Diskriminierung und Flüchtlingspolitik – just in der Zeit, als sich der grosse Flüchtlingsstrom auf der Balkanroute durch Mazedonien wälzte. Die Jugendlichen hielten in Trogen Vorträge, produzierten Filme und machten Rollenspiele – vor allem aber lernten sie einander kennen. «Wir waren nicht so langweilig wie unsere mazedonischen Kollegen dachten», sagt Melanie, «sie sind dafür nicht so aggressiv und arrogant, wie wir befürchteten – ausser vielleicht beim Fussball. Dort hatten die Jungs aus Mazedonien etwas Mühe damit, dass Schweizer Mädchen mitspielten.» Zusammen mit Jay, Neil und Lukas berichtete sie am 8. April im mobilen Radiostudio des «Power_up» Radio der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi live vom Gymi Immensee. Die vier äusserten sich über die Schule («die Lehrer geben auf jede Frage eine Antwort»), die Mensa («im Vergleich zu anderen Mensas ein Gourmetrestaurant»), die Sängerin Zara Larsson und eben die Flüchtlingspolitik. «Du sollst andere Menschen mit Respekt behandeln, du sollst keine Vorurteile haben, du sollst, du sollst… Wir haben in Trogen eigentlich nichts erfahren, was wir nicht schon vorher wussten», sagt Lukas. «Aber wir haben dieses Wissen vertieft», entgegnet Jay. Fakt ist: In Trogen haben sich interkulturelle Freundschaften gebildet, die heute noch halten, und alle in der Gruppe sind sich einig: Wer jetzt gegen Muslime hetzt, macht genau das, was der IS will.

Eine Insel aus Plastik
Vertieftes Wissen präsentierten auch die dritten Klassen des Gymi Immensee in ihren Gruppenarbeiten zum Thema «Nachhaltigkeit». Wussten Sie zum Beispiel, dass die grösste Insel aus ineinander verkeilten Plastikteilen, die auf offener See herumtreibt, 100 Tonnen schwer ist, dass es konsequent vegan lebende Menschen auch ablehnen, Zoos oder Zirkusse zu besuchen, dass Wasserstoffmotoren heute unter anderem deshalb noch nicht konkurrenzfähig sind, weil für den Bau zu viel teures Platin verwendet werden muss, dass Plastikprodukte praktisch nicht mehr rezyklierbar sind, sobald sie gefärbt sind, dass man aus einem gebrauchten Lippenstift eine praktische Butterstreichhilfe machen kann? Eindrücklich, was die jungen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in nur drei Tagen zu Stande brachten: Videopräsentationen, Modelle, Muster und Degustationen komplettierten die Plakatinformationen – bewertet nach klaren Kriterien von Lehrerduos des Gymnasiums. Auch hier sind die Botschaften nicht wirklich neu. Ebenso alt ist aber auch die Erkenntnis, dass zwischen dem Wissen und dem Handeln oft eine schmerzhafte Lücke besteht. Um diese Lücke zu schliessen, braucht es viele kleine Schritte – die Erfahrungen aus den Blocktagen haben mit Sicherheit einige solche individuellen Schritte ausgelöst.