Rigi Anzeiger
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Mit persönlichem Gruss von Lady Gaga

Beim Briefträger Vinzenz Brändle stapeln sich 160 000 Autogramme

Der Rotkreuzer Briefträger zählt zu den besten Privatkunden seines Arbeitsgebers: Bis zu 20 Briefe verschickt er wöchentlich in alle Welt. Mit der Bitte um ein Autogramm. Die meisten kommen zurück. Und werden in die Sammlung von inzwischen rund 160’000 Autogramme einverleibt. Ein Teil davon ist ab heute in der Rotkreuzer Bibliothek zu sehen.

Autogrammjaeger Vinzenz Braendle, Rotkreuz ZGVon verständnislosen Vertretern der modernen Wegwerfgesellschaft werden sie oft als Spinner tituliert: Die Sammler. Aber im Gegensatz zu den «ganz normalen» Zeitgenossen, haben die Sammler verblüffend detaillierte Kenntnis über ihre Besitztümer. Und mögen diese den Mitmenschen noch so wertlos oder unnütz erscheinen. Wie etwa «Kaffeerahmdeckeli», Zündholzschachteln oder Fasnachtsplaketten.

Noch bessere Kenntnis aber als über das, was sie schon besitzen, haben die Sammler über das, was sie noch nicht besitzen. Und da hat es der Briefträger Brändle aus Rotkreuz besonders schwer. Denn jeden Tag kommen neue Namen, die er auch gerne als Unterschrift hätte, auf seine Wunschliste hinzu.

«Im Gegensatz zu anderen Autogrammjägern schreibe ich auch Personen an, die nur einmal Schlagzeilen geliefert haben. Wie etwa der Schwede, der zwei Monate im zugeschneiten Auto überlebt hat. Oder jene Person, die nach 20 Jahren aus dem Koma erwacht ist. Das ergibt ganz interessante Kontakte», berichtet er. Die Autogramme der «etablierten» Promis hat er schon alle. Ob aktuelle oder vergangene Staatsoberhäupter wie Putin, Obama oder König Wilhelm I, ob Showstars wie die Beatles, Stones, oder Madonna, ob Sportkanonen wie Russi, Maradona, oder Muhammed Ali, ob klassische Meister wie Hodler, Wilhelm Busch, oder Richard Strauss – Vinzenz Brändle hat sie. Und noch viel mehr. Etwa 160000 bis jetzt. Und es werden immer mehr. Und wie alle Sammler mit vergleichbarem Sammelgut-Volumen träumt auch Vinzenz Brändle von einer «permanenten Ausstellung». Oder noch deutlicher: Von einem Museum. Einem Autogramm-Museum.

Natürlich – ein Teil dieser Autogramme hat er aus leicht nachvollziehbaren Gründen nicht direkt von den Prominenten. «Dafür gibt es eine internationale Börse, an der solche Unterschriften gehandelt werden», verrät er. Aber seit 32 Jahren schreibt er Prominente direkt an. Den eigenhändig eingebrachten Teil seiner Sammlung schätzt er heute auf 80 Prozent. Jedes Jahr kommen wieder einige tausend «Neueingänge» dazu. Die in Ordnern, Alben oder in ganz prominenten Promifällen gerahmt archiviert werden. «Den Anfang machte Weltmeister Bernhard Russi», erinnert sich der Autogrammjäger. Und es ärgert ihn noch heute, dass er nicht daran dachte, ein frankiertes Retourcouvert beizulegen. Russi schickte sein Autogramm unfrankiert retour. «Und ich musste Strafporto zahlen», verrät der heutige Briefträger und damals noch ahnungslose Einsteiger zerknirscht. Sein erster Autogramm-Wunsch ins Ausland ging an den Winnetou-Darsteller Pierre Brice. Mit frankiertem Rückantwortcouvert. Inzwischen ist aus dem 14jährigen Nachwuchs-Autogrammjäger ein souveräner Routinier geworden. Der dank einschlägigen Erfahrungen und Tricks erfolgreicher ist als andere. «Ich schreibe auch Leute an mit Starpotential, auch wenn sie noch nicht sehr berühmt sind», verrät er. Diese Taktik haben ihm Autogramme mit persönlicher Widmung unter anderem von Lady Gaga und Kim Basinger eingebracht. Auch der ehemalige französische Staatspräsident Sarkozy retournierte seinen Autogrammwunsch mit einer persönlichen an Vinzenz Brändle. Weil der eben so schlau war, mit seinem Autogrammwunsch so lange zu warten, bis Sarkozy nicht mehr Präsident war.

«Sind die Leute erst mal Staatsoberhaupt, ist meist nichts mehr zu machen», hat er gelernt. Das gilt auch für den Papst. «Ein Papst erfüllt keine Autogrammwünsche. Die Kardinäle aber schon», weiss er. Deshalb hat er sich auch ein Autogramm von Kardinal Joseph Ratzinger gesichert, bevor der Papst wurde. Und deshalb schreibt der Pöstler aus Rotkreuz seit der Bekanntgabe des Rücktrittes des Papstes, alle als Nachfolger in Frage kommenden Kardinäle an. Für ihn ist das mittlerweile eine Fliessbandarbeit. «Ich habe einen vorgedruckten Standardbrief in 20 Sprachen», verrät der Autogrammjäger. Und die freundliche Anfrage für ein Autogramm ist offensichtlich überzeugend formuliert. Denn bis jetzt haben darauf fast alle positiv, das heisst mit Unterschrift und oft Widmung reagiert. Vinzenz Brändle kann es jeweils kaum erwarten, die Antworten auf seine Bittbriefe zu erhalten. Nur gut ist es bei der Post. «Ich geniesse es, gleich an der Quelle zu erfahren, wer auf meine Autogrammwünsche reagiert hat», gesteht er. Hin und wieder muss er aber tief in die Trickkiste greifen und einen kleinen postalischen Umweg in Kauf nehmen. «Zum Autogramm von Fidel Castro bin ich nur dank der Mithilfe von Bundesrat Flavio Cotti anlässlich eines Besuchs von Castro in der Schweiz gekommen», verrät er. Manchmal aber hilft alles nichts. «Von J.F.Kennedy gibt es zwar Autogramme zu kaufen, von denen aber zumindest die meisten gefälscht sein dürften. Da verzichte ich lieber darauf», erzählt Brändle. Und noch eine prominente Unterschrift fehlt in seiner gigantischen Sammlung: Jene von Silvio Berlusconi. «Der gibt einfach seine Unterschrift nicht heraus», weiss der gewiefte Autogrammjäger. Und der geneigte Leser denkt sich seine Sache.

 

Die Ausstellung
Alle zehn Jahre pflegt der Rotkreuzer Briefträger Vinzenz Brändle in seiner Wohngemeinde seine hingekritzelten Schätze zu präsentieren. Nach 1993 und 2003 ist es nun wieder soweit. Heute, Freitag dem 1. März 2013 wird seine dritte Ausstellung eröffnet. Und zwar zwischen 19 und 21 Uhr in der Gemeinde- und Schulbibliothek Rotkreuz. «Seit der letzten Ausstellung sind wieder 60000 Signaturen dazugekommen», freut sich der Autogrammjäger. Aber keine Angst: Er will nicht alle ausstellen. Sondern nur jene, der allerprominentesten Prominenten rund um den Erdball. Gruppiert und nett arrangiert in vier Vitrinen und rund 40 verglasten Rahmen. «Es dürften 700 bis tausend Unterschriften sein», schätzt Brändle. Die Ausstellung dauert bis zum 10. April und kann während den Öffnungszeiten der Bibliothek besucht werden.

Öffnungszeiten der Bibliothek:
Montag, Mittwoch bis Freitag: 08.30 bis 11.00 Uhr, 14.00 bis 18.00 Uhr
Dienstag: 08.30 bis 11.00 Uhr, 14.00 bis 20.00 Uhr
Samstag: 10.00 bis 13.00 Uhr

Ferienöffnungszeiten:
Montag, Mittwoch bis Freitag: 15.30 bis 18.00 Uhr
Dienstag: 15.30 bis 20.00 Uhr
Samstag: 10.00 bis 13.00 Uhr