Rigi Anzeiger
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Mobbing verhindern mit «Ideenbüro»

Buchrain: Mit dem Projekt «Ideenbüro» finden Schüler aus Buchrain bei Problemen Hilfe bevor Mobbing überhaupt entsteht. Dabei schlichten ältere Schüler mit Beratungsgesprächen. Mit dem Projekt Ideenbüro werden die Schüler gezielt für die Gespräche geschult. Es ist das erste dieser Art im Kanton Luzern.

Kai und Flavia präsentieren Erwin Arnold, Gemeinderat/Sozialvorsteher, Buchrain das Konzept des Ideenbüros

Kai und Flavia präsentieren Erwin Arnold, Gemeinderat/Sozialvorsteher, Buchrain das Konzept des Ideenbüros

red. In Buchrain können sich jüngere Schüler bei Problemen an die Fünftklässler wenden. Diese führen das Büro. Der Ablauf sieht so aus, dass sich ein Fünftklässler dem Problem annimmt und mögliche Lösungen mit gleichaltrigen bespricht. «Schüler kennen die sozialen Codes auf dem Pausenplatz und können den jüngeren Kindern so oft besser helfen als Erwachsene», sagt die Schulsozialarbeiterin Bettina Gamma. «Ich greife nur dann ein, wenn Mobbing stattfindet und das Ideenbüro keinen Lösungsansatz bietet. Das kommt nur noch selten vor, weil die Kinder dank dem Ideenbüro Streitereien rechtzeitig schlichten», ergänzt Gamma.

Kreative Kinder
Bei der konkreten Suche nach Problemlösungen in der Schule gehen Beraterkinder pragmatisch und kreativ vor. Diese Erfahrung machen sich Ideenbüros in der ganzen Schweiz zu Nutze. In Luzern ist Buchrain die erste Schule, die im Verein «Ideenbüro» Mitglied ist. Anfangs begleiteten die Lehrpersonen und die Schulsozialarbeitenden das Projekt intensiv, nach drei Monaten arbeiten die Kinder weitgehend selbständig. Klassenlehrer Thomas Moser spricht von einer win-win Situation: «Die Fünfklässler werden gebraucht und die Jüngeren erleben, dass sie sich an ältere Schüler wenden können, um unterstützt zu werden. Gleichzeitig werden Pädagogen und Eltern entlastet.»
Als Wertschätzung der Schule für ihre freiwillig geleistete Arbeit erhalten die Beraterkinder beim Jahresabschluss ein Beraterdiplom.

Oft unwichtig für Erwachsene
«Die diskutierten Probleme sind in den Augen von Erwachsenen oft harmlose oder unwichtige Dinge», sagt die Gründerin des Vereins Ideenbüro Christiane Daepp. «Aber sie beschäftigten die Kinder und belasteten sie im Schulalltag. Das Einmalige am Ideenbüro ist, dass sich Jüngere den älteren Kindern anvertrauen können und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie verstanden werden», erklärt Daepp weiter.
www.ideenbuero.ch

 

«Die Schülerinnen und Schüler sollen früh lernen, Verantwortung zu übernehmen.»

Die Beraterkinder aus dem Ideenbüro fühlen sich in die Situationen ein und suchen nach Lösungen. Dabei spielt die Kommunikation eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund haben die beiden Schülerinnen Shajini und Kyra Hans Hürlimann, Schulleiter der Schuleinheit Buchrain Dorf, interviewt.

Wussten Sie, was das Ideenbüro ist, bevor sie an unsere Schule kamen?
Hürlimann: Ja, ich habe zwei Jahre im Kanton Zürich gearbeitet. Dort gibt es einige solcher Ideenbüros.

Wie lange sind sie schon Schulleiter?
Ich bin schon 15 Jahre Schulleiter: In einer Zuger Gemeinde, in Singapore und im Kanton Zürich.
Wieso gibt es an der Schule neu das Ideenbüro?
Seit Anfang Schuljahr war dies ein Thema, das im Gespräch mit der Schulsozialarbeiterin immer wieder diskutiert wurde. Wichtig scheint mir, dass die Schülerinnen und Schüler schon früh lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Was ist an den Klassen in diesem Schulhaus speziell?
Es gibt kleine, überschaubare Klassen, engagierte Lehrpersonen und viele motivierte und lernfreudige Kinder.

Sie sind ja im Ausland gewesen, gab es dort mehr Streit als hier?
Ja, ich war Schulleiter in Singapur. Klar, dort herrscht eine andere Mentalität. Schon bei kleinen Vergehen drohen drastische Strafen. Aber: Streit und Konflikte gehören überall zum Leben.

Gibt es Ihrer Meinung nach viel Streit an unserer Schule?
Es gibt nicht mehr und nicht weniger Streit als an anderen Schulen. Aber ich glaube, auch wir müssen noch lernen, besser miteinander umzugehen.

Ist das Ideenbüro an unserer Schule notwendig?
Ich finde, es ist notwendig, damit wir lernen mit Streit umzugehen. Die jungen Schüler lernen von euch älteren Kolleginnen und Kollegen. Ihr seid ihre Vorbilder und ich hoffe, dass sie euch später ablösen. Ich wünsche euch weiterhin viel Freude in eurer neuen Aufgabe.