Rigi Anzeiger
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Nach den Amerikanern die Asiaten

Ebikon Nur kurz nach dem amerikanischen Arbeitsministerium besuchte am 19. Juni 2015 eine hochrangige Delegation von Myanmar die Schindler Berufsbildung in Ebikon. Die Besucher staunten ob der Qualität des dualen Berufsbildungssystems der Schweiz.

Der angehende Anlagen- und Apparatebauer Dario Nietlispach informiert die Gäste aus Myanmar über seine Arbeit. Bild Stefano Schröter

Der angehende Anlagen- und Apparatebauer Dario Nietlispach informiert die Gäste aus Myanmar über seine Arbeit. Bild Stefano Schröter

bb. Seit 1999 ist Jardine Schindler mit einem eigenen Büro in Yangon und zwei Filialen in Naypyidaw und Mandalay im sich wirtschaftlich öffnenden Myanmar präsent. Seit dieser Zeit bildet Schindler in Myanmar auf eigene Inititiative und seit diesem Frühjahr in Zusammenarbeit mit dem «Center for Vocational Training Myanmar» (CVT) junge Berufsleute für den wachsenden einheimischen Markt aus. Die Ausbildung dauert ein Jahr. Die Kandidaten, pro Jahr 20–25 an der Zahl, werden in den Grundlagen des Elektrikers (durch das CVT) und des Mechanikers (Schindler) ausgebildet, und verbringen pro Woche 2–3 Tage im Feld, um das Gelernte anzuwenden. Am Schluss erhalten die erfolgreichen Absolventen der Ausbildung ein Zertifikat, das ihnen eine Karriere als Monteur oder Servicetechniker in der Aufzugsindustrie eröffnet.

Wenn es um die industrielle Berufsbildung in Myanmar geht, ist Schindler eines der Vorzeigeunternehmen im noch stark agrarisch geprägten asiatischen Staat mit seinen 55 Mio. Einwohnern. Das betonten Mitglieder der Delegation von Myanmar an der Besichtigung der Schindler Berufsbildung mehrfach. Angeführt wurde die 30köpfige Delegation vom stv. Minister für Arbeit, Beschäftigung und sozialer Sicherheit, Htin Aung und vom stv. Generaldirektor des Ministeriums für Hotellerie und Tourismus, Hlaing Oo.
Die Myanmaren erhielten durch Bruno Wicki, Leiter der Schindler Berufsbildung, einen vertieften Einblick in die angebotenen Lehrberufe und das Ausbildungskonzept von Schindler in der Schweiz. Detailliert berichtete der Präsident von «CVT Myanmar», Heini Portmann, über die Arbeit des gemeinnützigen Förderereins für Berufsbildungsprojekte in Myanmar, der mit Schindler eine enge Zusammenarbeit pflegt. Der Verein führt seit 2002 in Yangon eine Modellschule für Berufsbildung, basierend auf der Schweizer Berufslehre. Mittlerweile besuchen in Yangon rund 530 Lernende die dreijährige Berufslehre am CVT und qualifizieren sich für eine von fünf Lehrberufen. Alle Lernenden haben einen Arbeitsvertrag mit einem Unternehmen der Industrie und erhalten einen Lehrlingslohn.

Mit grossem Interesse nahm die Delegation von Myanmar die Gelegenheit wahr, bei einem Schindler Werkrundgang mit dem Ausbildner der Elektronikerlernenden, Hubert Ammann, sowie mit dem Polymechanikerlehrling Tobias Herzog und dem angehenden Anlage- und Apparatebauer Dario Nietlispach ins Gespräch zu kommen.

In der abschliessenden Austauschrunde zogen die 30 Vertreter aus Politik, Industrie und Ausbildungswesen aus Myanmar eine offene Bilanz des Gesehenen. Man war beeindruckt von der Qualität und dem systematischen Aufbau des dualen, föderalistischen Schweizer Berufsbildungssystems und dem grossen Engagement der Wirtschaft in der Berufsbildung. In Myanmar ist der Staat nur aktiv als Träger der obligatorischen Volksschule und der universitären Ausbildung, nicht aber in der Berufsbildung. Es fehlt dem armen Myanmaran allem: An Trainern, Ausbildnern und Experten, an einer fehlenden Berufsschulinfrastruktur und nicht zuletzt an staatlichen Finanzen. Und es fehlt an einem entschlossenen Engagement der Privatindustrie für die Berufsbildung, oder wie ein Vertreter der Delegation aus Myanmar nüchtern einräumte: «Ich glaube nicht, dass wir unsere Unternehmen dazu animieren können, Ausbildungsplätze zu schaffen.» www.cvt-myanmar.org