Rigi Anzeiger
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Noch mehr Verdruss für künftigen Käufer

Wohnungseigentümer äussern relevante Details zum «Rigis Berggenuss»

Missglückter Versuch, das Stimmrecht der Mitbesitzer auszuschalten, Bauen ohne Baubewilligung und Einverständnis der Mitbesitzer, Beibehaltung unklarer Grundverhältnisse – der auf der Rigi gescheiterte deutsche Investor Peter Werner hat mit seinem «Berggenuss» einigen Bergverdruss angerichtet.

Renato Steffen aus Root ist Ferienwohnungsbesitzer auf der Rigi. Und empört über die Berichterstattung des Rigi Anzeiger zum leerstehenden Rigi-Gasthaus Berggenuss. «Uns Eigentümer als Meuterer zu bezeichnen ist eine grobe Ehrverletzung!», findet er. Die Hintergründe seiner Empörung sind brisant und zeichnen ein unerfreuliches Bild über das Vorgehen des deutschen Investors Peter Werner. «Er hat zweifellos ganze Arbeit bei der Totalsanierung des Restaurantbereiches geleistet, wenngleich man sich über den Stil der neuen Einrichtung streiten mag», attestiert Steffen dem Deutschen. Die Zustimmung der Besitzer von insgesamt 25 Ferienwohnungen in den oberen Stockwerken des Hauses für den Umbau des Restaurants und eines der beiden Massenlagers – das andere Massenlager wurde ersatzlos aufgehoben – in drei Hotelzimmer, habe Investor Peter Werner problemlos erhalten. Aber nicht nur Peter Werner hat investiert, sondern auch die Ferienwohnungsbesitzer beteiligten sich finanziell an Umbau- und Sanierungsarbeiten. Doch nach diesem Miteinander folgte das grosse Durcheinander. «Werner begann damit, verkaufswilligen Besitzer deren Ferienwohnungen abzukaufen und ohne Baubewilligung und Einwilligung der Miteigentümer im Hause durch den Ausbau der Küchen, diese in Hotelzimmer zu umfunktionieren», schildert Steffen.

Das Berggasthaus Staffel-Stuebli
Früher hiess das Gasthaus «Staffel-Stübli» und schon damals wechselten die Betreiber in rascher Abfolge.

 

Grobe Verstösse
Dieses Vorgehen verletzte auch eine Nutzungsbestimmung im Zusammenhang mit dem letzten grossen Umbau des 1870 erbauten Gasthauses im Jahre 1985. Damals wurden im oberen Hausteil Ferienwohnungen im Stockwerkeigentum erstellt. Eine andere Nutzung ist ausgeschlossen. Der eigenmächtige Umbau von Wohnungen in Hotelzimmer kollidierte zudem mit der gesetzlich verankerten Bestimmung, wonach alle Miteigentümer eines Objektes mit Umbauarbeiten einverstanden sein müssen. «Die Umwandlung von schliesslich sechs Eigentumswohnungen in Hotelzimmer aber konnten die restlichen Ferienwohnungsbesitzer aus verschiedenen Gründen nicht gutheissen», erläutert Steffen. Einer der Gründe seien beispielsweise die Kosten für den Wasserverbrauch. «Die werden heute von den Ferienwohnungsbesitzer, die in der Regel nur während weniger Wochen im Jahr auf der Rigi wohnen, solidarisch aufgeteilt», sagt Steffen. Diese Besitzer müssten dann den ungleich höher zu erwartenden Wasserverbrauch in den Hotelzimmern mitfinanzieren. Deshalb haben die Ferienwohnungsbesitzer gegen die nachträglich vom Bauamt Goldau gesprochene Baubewilligung Einsprache erhoben. Und haben in der Folge Recht bekommen. Gegen diese Verweigerung der Baubewilligung hat dann der deutsche Investor seinerseits Einsprache erhoben und nach seiner Niederlage seine Einsprache durch alle Instanzen weitergezogen, bis er schliesslich auch vor Bundesgericht damit abblitzte.

Wollte Miteigentümer ausschalten
Auch bei anderen Gelegenheiten, scherte sich der deutsche Unternehmer nicht um die Meinungen der Mitbesitzer im Hause. «Er hat in eigener Regie eine neue Treppe beim Restauranteingang erstellen lassen und hat dann die Rechnung den Stockwerkeigentümern dafür zugestellt, im Glauben diese würden die bezahlen», berichtet Renato Steffen.

Auch in einem anderen Streitfall ist Peter Werner vor dem Bundesgericht gescheitert. Er versuchte das Mitspracherecht seiner Mitbesitzer im Hause gerichtlich eliminieren zu lassen. Mit der Begründung, dass mehr als die Hälfte des Gesamteigentums in seinem Besitz war. «Er hat die Klage durch alle Instanzen bis vors Bundesgericht gezogen und ist dort logischerweise gescheitert. Denn wenn er damit durchgekommen wäre, hätte das weitreichende Folgen für die einschlägige schweizerische Gesetzgebung bedeutet», berichtet Steffen. Frustriert über seinen Misserfolg bei den Versuchen, die lästigen Mitbesitzer um ihre verbürgte Rechte zu erleichtern, hat Peter Werner in der Folge gegen die Interessen der Schicksalsgemeinschaft in dem ursprünglich als Gasthaus erbauten und mehrmals umgebauten Haus gewirkt und dabei just von jenem Gesetz profitiert, dass er vor Gericht bekämpfte. «Ein sehr vorteilhaftes Instandstellungs- und Unterhaltsangebot der Kooperation für die sanierungsbedürftige Zubringerstrasse hat er mit der Verweigerung seiner Zustimmung als Einziger abgelehnt», berichtet Steffen. Noch schlimmer aber sind die ungeklärten Grundbesitzrechte für den Boden, auf dem das Haus steht. «Durch eine rudimentäre und unwidersprochen gebliebene erste Geometer-Erfassung Anfangs der siebziger Jahre, ist bis heute unklar, wem eigentlich der Grund und Boden gehört, auf dem das Haus steht», schildert Steffen. Und erklärt weiter: «Man hätte das fehlende Land vor einiger Zeit endgültig durch einen Kauf erwerben können. Doch Peter Werner war wiederum als Einziger dagegen».

Die Strasse und das fehlende Land hat dann Steffen im Alleingang erworben, in der Absicht diese beiden Grundstücke einmal mit dem Stammgrundstück vereinigen zu können.

Kein Kommentar vom Investor
Inzwischen hat der deutsche Investor – der anfänglich den Gastbetrieb «Rigis Berggenuss» durch Angestellte betreiben liess, bevor er selber vor Ort wirkte – das Feld bzw. den Berg geräumt. Und versucht, den Schauplatz seiner zerplatzten Träume zum stolzen Preis von 6,2 Millionen Franken zu vergolden. Über die Preisvorstellungen des Herrn Werner kann Renato Steffen nur den Kopf schütteln. «Die Rechnung kann für einen Käufer nicht aufgehen. Schon gar nicht mit angestelltem Personal. Es müsste ein Selbstbewirtschafter mit Herzblut für die Rigi sein. Und die unklaren Grundbesitzverhältnisse machen das Ganze auch nicht einfacher», meint er. Und was sagt der gescheiterte deutsche Investor zu der unschönen Geschichte?

«Liebe Gäste im Moment befindet sich das Restaurant Berggenuss in einer verlängerten Saisonpause…», sagt Peter Werner. Ab Tonband. Schon seit November 2011. Frischere Wortmeldungen von ihm sind leider nicht verfügbar. Aber er ist noch immer Besitzer vom Gastrobetrieb und mindestens sechs Ferienwohnungen. «Nein, wir Mitbesitzer haben keinerlei Nachteile durch die aktuelle Situation. Der Hausteil mit den Ferienwohnungen wird normal beheizt. Alles funktioniert», berichtet Renato Steffen. Wäre es den derzeit 15 Ferienwohnungsbesitzer am Ende durchaus recht, wenn alles so bliebe, wie es im Moment ist? «Wir würden es begrüssen, wenn das Berggasthaus wieder bewirtschaftet würde», sagt Renato Steffen. Natürlich am liebsten von einem Zeitgenossen, der sich mit den örtlichen Gegebenheiten und Herausforderungen besser arrangieren könnte, als sein Vorgänger.