Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Nur kleine Wolken über Bangkok

Die in Reiseführern viel zitierte Regenzeit hat sich bis anhin als deutlich harmloser herausgestellt als gedacht und beeinträchtigt das Leben der Hauptstadtbewohner allem Anschein nach nicht gross.

Klagen über das Wetter habe ich bisher jedenfalls noch keine vernommen und in den lokalen englischsprachigen Medien wird diesbezüglich von keinen aussergewöhnlichen Vorfällen berichtet. Abends oder in der Nacht regnet es ab und an für kurze Zeit leicht. Bereits bei diesen für Schweizer Verhältnisse relativ schwachen Regenfällen fliesst das Wasser auf einigen Strassen nicht mehr richtig ab.
Vor drei Jahren kam es laut meinen Klassenkameraden durch besonders heftigen Monsun in Bangkok und dem Norden des Königreichs sowie der Touristen-Hochburg Phuket im Süden zu einer Hochwasserkatastrophe. Es war die schlimmste seit 50 Jahren. Dabei wurden mit über sechs Hektaren Land rund 12 Prozent der gesamten Fläche Thailands überflutet. Das Hochwasser und die Schlammlawinen forderten fast 400 Todesopfer. Je nach Quelle waren insgesamt zwischen 2,6 und 2,8 Millionen Thailänder von der Katastrophe betroffen. Grosse Teile Bangkoks entlang des Flusses Chao Phraya mussten evakuiert werden. Über 180 Verkehrsrouten im ganzen Land waren damals unpassierbar und viele Züge steckten fest. Darunter befand sich auch die wichtigste Verbindungsstrecke von Bangkok Richtung Norden.

Vor drei Jahren trat der Fluss Chao Phraya in Bangkok über die Ufer und grosse Teile der thailändischen Hauptstadt mussten evakuiert werden.

Vor drei Jahren trat der Fluss Chao Phraya in Bangkok über die Ufer und grosse Teile der thailändischen Hauptstadt mussten evakuiert werden.

Heuer sind die Strassen am Morgen nach dem Regen jeweils wieder trocken und soweit ich weiss, sorgten die diesjährigen Niederschläge noch in keiner Gegend für Verkehrsprobleme. Während einiger Tage war es Ende September permanent leicht bewölkt aber dennoch stets über 30 Grad warm. Die Einheimischen fragen mich häufig, ob es mir hier nicht zu heiss sei. Sie selbst halten sich möglichst selten in der Sonne auf, cremen sich vor dem Verlassen des Hauses mit Sonnenschutzmitteln ein, die keine UV-Strahlen durchlassen, und viele Mitschülerinnen tragen zum Schwimmen im schuleigenen Pool Ganzkörperanzüge, damit ihre Haut nicht gebräunt wird. Haben wir Unterricht in der Aula, wird der Raum beinahe so stark heruntergekühlt wie dies in den USA gemacht wird. In Reisebussen und Einkaufszentren ist es vielfach sogar richtig kalt. Auch in den kleinsten Restaurants, in denen teilweise nur zwei Tische Platz finden, ist die Klimaanlage den ganzen Tag eingeschaltet und Koch und Bedienung halten sich so oft wie möglich in der Nähe des Gerätes auf. Wenn ich in Gesprächen über das Wetter hier und in der Schweiz erkläre, dass ich die hiesigen Verhältnisse äusserst gerne mag, lächeln die Einheimischen nur und meinen, sie würden lieber in einer kühleren Klimazone leben. Ob sie das nur aus Höflichkeit sagen oder sich tatsächlich nach tieferen Temperaturen sehnen, konnte ich noch nicht restlos klären. Meines Erachtens könnten beide Möglichkeiten zutreffen. Dieser Frage werde ich nebst unzähligen anderen Unklarheiten nachgehen, sobald ich in der Lage bin, mich einigermassen auf Thai zu verständigen und die Kultur etwas besser verstehe.
Stephanie Sigrist aus Risch absolviert ein Austauschsemester in Bangkok und berichtet darüber regelmässig im Rigi Anzeiger.

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