Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Opposition gegen VBL-Depot in Ebikon

Ebikon: Damit hat keiner gerechnet. Die Parteiversammlung der CVP Ebikon lehnt das Kirchgemeinde-Projekt Ronmatte/Halten mit einem geplanten VBL-Busdepot grossmehrheitlich ab. Am 1. Juni entscheidet die ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung über die Abgabe des Grundstücks im Baurecht.

Joachim Walker, CVP Ebikon: «Mit diesem Projekt wird Amplikon auch noch zum Busdepot der Stadt Luzern.»

Joachim Walker, CVP Ebikon: «Mit diesem Projekt wird Amplikon auch noch zum Busdepot der Stadt Luzern.»

lk. Nichts deutete an der Kirchgemeindeversammlung anfänglich darauf hin, dass es zu einer eigentlichen «Kropfleerete» kommen würde, wie es die Partei in einer Mitteilung formulierte. Detailliert informierte Kirchgemeindepräsident Ubald Zemp über die Vorgeschichte des Projektes und das Bauvorhaben. Die Pfarrkirchenstiftung Ebikon ist Besitzerin des Grundstückes 251, Ronmatte/Halten in Ebikon. Am 1. Juni soll eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung über die Abgabe dieses Grundstückes von 8895 m2 im Baurecht an die Schmid Immobilien AG befinden. Diese will dort ein zweistöckiges Gewerbegebäude realisieren, mit einer Buseinstellhalle im Erdgeschoss für die VBL. Diese will das EG im Stockwerkeigentum von der Schmid Immobilien erwerben. Die Idee eines grossen VBL-Depots kommt nicht überall gut an. CVP-Mitglied Joachim Walker fordert an der Parteiversammlung, dass die CVP Ebikon offiziell ein Votum fasse. «Beim Grundstück handelt es sich um das letzte verbliebene Filetstück der Gemeinde. Damit sollte man verantwortungsvoller umgehen und ein Projekt realisieren, dass Mehrwert generiert.»
Walker lehnt das geplante Busdepot hauptsächlich aus drei Gründen ab: Aus steuerlicher Sicht bringe das der Gemeinde absolut nichts. «Da war bereits ein sehr gutes und hochwertiges Projekt in der Schublade, das beachtliche Steuereinnahmen in die kommunale Kasse gespült hätte.» Statt Wertschöpfung erhalte Ebikon Mehrverkehr und Lärm durch die zu- und wegfahrenden Busse. Walker ärgert sich darüber, dass die VBL der Gemeinde keine Gegenleistung angeboten hat. Ebikon verhalte sich immer sehr kooperativ und solidarisch, übernehme beispielsweise mehr Asylbewerber als gesetzlich vorgeschrieben, leiste Beiträge an das Luzerner Theater, trage als Staupuffer vor der Pforte massiv zur Verkehrsberuhigung der Stadt Luzern bei: «Wir sind stets nett und sagen zu allem einfach Ja.» Walker erwartet diesbezüglich mehr Unterstützung und Verhandlungswille von der Gemeinde. Es gehe darum, für die Gemeinde das Optimum herauszuholen. Er wünscht sich nachhaltig orientiertes Handeln. Solidarität sei keine Einbahnstrasse. Und die VBL hätte etwa anbieten können, hier nur moderne Busse einzusetzen, auf störende Oberleitungen zu verzichten.
Als weiteren wesentlichen Grund das Projekt abzulehnen führt Walker den Volkswillen an, der sich 2011 gegen die Fusion aussprach. Es waren damals just solche Projekte, die man nicht wollte. «Nun kommen sie einfach durch eine Hintertüre herein.» Joachim Walker betont, dass es sich bei dem Nein nicht um ein Votum gegen die Kirchgemeinde oder die Schmid Immobilien handle, sondern vielmehr ein Bekenntnis zu Ebikon sei. Bei besseren Vorschlägen, sei man selbstverständlich für weitere Diskussionen bereit.

Der Gemeinderat staunt
Dass die Versammlung der CVP Ebikon sich mit 22 zu 6 Stimmen bei 5 Enthaltungen gegen den Baurechtsvertrag ausgesprochen hat, sorgt auch im Gemeindehaus für Irritation. Gemeindepräsident Daniel Gasser, CVP, dazu: «Der Gemeinderat ist überrascht, dass die CVP zu einem Geschäft der Kirchgemeinde eine Parole gefasst hat. Dies ist eher selten der Fall und zeigt, dass das Projekt die Bürgerinnen und Bürger beschäftigt.» Die «Kropfleerete» kann er nachvollziehen. «In den letzten Jahren sind verschiedene spannende Projekte in Ebikon nicht umgesetzt worden, obwohl sich die Gemeinde aktiv darum bemüht hat. Dazu zählen das Kantonsgericht oder die Hochschule für Informatik. Das Busdepot scheint für viele Äbikerinnen und Äbiker ein Abschieben von Immissionen in die Agglomeration darzustellen. Dies ist auch im Zuge des zunehmenden Mobilitätsdruckes zu sehen.» Der Gemeinderat setze sich aber in erster Linie für die Ansiedlung attraktiver Unternehmen ein. Aktuelle Neuzugänge wie Metzgerei Uelihof, Musik Hug, Garage Galliker oder die Heilpraktikerschule zeigten, dass die Gemeinde auf dem richtigen Weg sei.

Die VBL hofft
Weniger überrascht zeigt man sich bei der VBL. «Bei einem Bauprojekt sind Opposition und Bedenken immer möglich. Überraschend ist dies für uns deshalb nicht», kommentiert der Kommunikationsverantwortliche Christian Bertschi. Den Standort «Riedholzstrasse» bezeichnet er für die VBL als ideal, weil er auf der Rontalachse liegt, wo in den nächsten Jahren ein grosser ÖV-Ausbau geplant ist. In Ebikon soll in den nächsten Jahren ein Bus-Hub mit mehreren Buslinien errichtet werden. Mit einem Zweitstandort in Ebikon könnten die Umwelt belastende Leerfahrten vermieden werden, indem die Linien, die ab Ebikon verkehren, auch direkt ab Ebikon bedient werden könnten. Die VBL hat gemäss Bertschi in den letzten Jahren fast zwei Dutzend alternative Standorte und Grundstücke geprüft und evaluiert. Zurzeit steht keine geeignetere Alternative zum Grundstück Riedholzstrasse zur Disposition. Die VBL hofft daher auf einen positiven Entscheid der Kirchgemeindeversammlung am 1. Juni: «In einem demokratischen Prozess ist der Ausgang offen. Wir sind aber zuversichtlich, dass der Baurechtsvertrag der Katholischen Kirchgemeinde mit der Schmid Immobilien geschlossen werden kann und wir danach mit der Schmid Immobilien ein Projekt ausarbeiten können.»Wie die Kirchgemeinde selbst die ganze Angelegenheit einschätzt, ist offen. Bis zu Redaktionsschluss stand die Stellungnahme noch aus.