Rigi Anzeiger
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Pavillon aus Kunststoff wird abgerissen

Die ersten Gewerbegebäude im Küssnachter Fänn sind bald Geschichte

Bis gestern lief die Planauflage zum neu entstehenden 70 Meter hohen Gebäude an der alten Zugerstrasse 1. Sofern keine Einsprachen erfolgen, werden in ein paar Monaten drei, in der Schweiz einzigartige, Bauten niedergerissen. Realisiert hat sie vor rund 40 Jahren, Karl A. Schaller, der auch als Pionier im Fänn bezeichnet wird.

In den 70er Jahren war das Gebiet Fänn nur Moorland. Dort zu bauen wagte niemand. Ausgerechnet während der Rezession – die einstige Küssnachter Glasfabrik schloss und 280 Arbeitsplätze gingen verloren – wollte Karl A. Schaller auf diesem sumpfigen Boden Gewerbegebäude aus sogenanntem Duroplast (Kunststoff) erstellen. Das war leichter als jedes andere Baumaterial. Wegen der Rezession gab ihm die örtliche Bank überraschend kein Geld. «Das Weiterbauen musste ich deswegen über längere Zeit einstellen», erinnert sich der einstige Unternehmer. Erfreulicherweise waren ihm die Küssnachter Behörden wohlgesinnt. 1974 setzte er die ersten Pfähle, nicht aus Holz, sondern aus Beton. Das gleichzeitig neu entwickelte Pfählungssystem wurde durch die Elementfirma Gut AG in Horw hergestellt. Das ermöglichte später die Installation von Wärmesonden. Damit nahm Schaller ebenfalls eine Vorreiterrolle ein. Anschliessend erfolgten der Bau des ersten Kunststoff-Fabrikationsgebäudes an der alten Zugerstrasse 3 und später die zwei Pavillons 1 und 1a mit Fassaden im orientalischen Stil. Mit seiner Erfindung, der sogenannten SchallerPlast-Fiberglass-Leichtbauweise, und den damit verbundenen Erfahrungen, entwickelte Karl A. Schaller daraus eine neue Formtechnik (Betonstrukturmatrizen, ebenfalls aus Kunststoff). Diese gaben dem gegossenen Beton eine strukturierte Oberfläche und eine dreidimensionale Formgebung. Damit konnte er Bauherren im Ausland – vor allem in Amerika und in den arabischen Ländern – begeistern und seine formgebenden Matrizen für ihre Riesenbauwerke beliefern.

 

Alte Zugerstrasse 3
Für den Neubau des Bürohochhauses hat die Firma Keller + Steiner Baugespanne AG aus Fahrwangen auf engen Platzverhältnissen drei Baugespanntürme mit einer Höhe von rund 72 m erstellt, also zwei Meter höher als das geplante Hochhaus. Aufgrund der Auflagen vom Bundesamt für Zivilluftfahrt mussten die Baugespanntürme zusätzlich markiert, sowie beleuchtet werden.

 

Vor zwei Jahren verkauft

Mehr als zehn Jahre war Karl A. Schaller mit seiner Kunststoff-Firma alleine im Fänn. Danach begann das Industriegebiet zu wachsen. Vor ein paar Jahren reifte in ihm der Entschluss, sich von seinen Pionierbauten zu lösen. Für die Fabrikationsliegenschaft mit Werkhalle an der alten Zugerstrasse 3 fand er vor zwei Jahren in der Firma Hensimmo AG in Immensee einen Käufer. Die Pavillons an der alten Zugerstrasse 1 und 1a verkaufte er im Sommer 2012 an die CHimmo Holding AG in Schwyz, die bekanntlich das 70 Meter hohe Bürohochhaus realisieren will. «Dieses relativ hohe Projekt ist architektonisch modern und sichtmässig überragend und mit entsprechender Weitsicht und Dynamik beeindruckend zukunftsgeplant», sagt Karl A. Schaller, der dem Abbruch seiner einstigen Pioniergebäude gelassen entgegen sieht. Er betont sogar: «Mir haben die Küssnachter damals auch keine Steine in den Weg gelegt.»

Land vom Vater

Um das Bürohochhaus zu verwirklichen, reichte das Grundstück an der Zugerstrasse 1 und 1a nicht. Die CHimmo Holding AG kaufte der Firma Hensimmo AG die Werkhalle an der Zugerstasse 3 ab. «Den seitlichen Landstreifen mit den 67 Parkplätzen wollte ich behalten. Ich brauche sie unter anderem für unser Kompetenzzentrum an der Erlistrasse», führt Markus Henseler aus, Inhaber der Hensimmo AG. Damit konnte er sich ein Stück Land bewahren, das ursprünglich seinem Vater gehört hatte. Dieser hatte das Areal einst Karl A. Schaller für die Kunststoffgebäude verkauft.

Im Gebäude an der Zugerstrasse 3 befindet sich zurzeit die Firma Würth Werft. Mit dem Abbruch des Gebäudes steht ein erneuter Umzug an. Erst 2011 zügelte das unternehmen von Weggis ins Chli Ebnet und im November 2013 ins Fänn.