Rigi Anzeiger
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Populärster Gisiker in festen Händen

Der unbekannte Vorbesitzer von Quasimodo hat keine Ansprüche mehr

Quasimodo – der Kater, der aus dem Autokühler kam – ist in aller Munde. Sein Vorbesitzer aus Gisikon aber bleibt weiterhin unbekannt. Und hat auch nichts mehr zu melden. Denn die Tierklinik will den operierten Kater nämlich nicht mehr hergeben.

Wer vermisst ihn ? Links: So etwa hat der Unfallkater vor dem 8. Juli Juli ausgesehen (Bildmontage) ... und so schaut Quasimodo heute aus: Die Ohren wachsen nie mehr nach.

Wer vermisst ihn ? Links: So etwa hat der Unfallkater vor dem 8. Juli Juli ausgesehen (Bildmontage) … und so schaut Quasimodo heute aus: Die Ohren wachsen nie mehr nach.

Dafür geniesst er als Klinikkater ein sorgenfreies Katzenleben mit bester Betreuung. Händchenhalten und cooler Blick gehen schon wieder: Die drei Tiermedizinischen Praxisassistentinnen Jasmin (21), Martina (27), und Helena (23) v.l. freuen sich über den Gesundheitszustand von Quasimodo. Bild: Niklaus Waechter

Dafür geniesst er als Klinikkater ein sorgenfreies Katzenleben mit bester Betreuung.
Händchenhalten und cooler Blick gehen schon wieder: Die drei Tiermedizinischen Praxisassistentinnen
Jasmin (21), Martina (27), und Helena (23) v.l. freuen sich über den Gesundheitszustand von Quasimodo.
Bild: Niklaus Waechter

Begonnen hat die tierische Geschichte am Dienstag, den 8. Juli kurz vor 23 Uhr mit einem dumpfen Aufprallgeräusch bei Gisikon. Es wurde zwar von der Automobilistin auf der A14 während der Heimfahrt Richtung Luzern wahrgenommen, aber nicht weiter beachtet.
Erst nach dem Parken im Luzerner Wesemlinquartier entdeckte die Fahrerin ihre zappelnde Kühlerfigur. Wie viele der legendären sieben Katzenleben der Kater auf der rund 12 km langen Horrorfahrt verbraucht hat, ist nicht bekannt. Den Ausgang des Abenteuers aber berichtete die Polizei am vergangenen Donnerstag anlässlich der Genesung des Tieres in einer Medienmitteilung unter dem Titel «Spezieller Einsatz für die Polizei – schwerverletzter Kater geborgen». Der Versuch der Polizisten, die kopfvoran im Gitter der Frontstossstange eingeklemmte Katze zu bergen, sei zuerst misslungen. «Daraufhin wurde eine Tierärztin einer Tierklinik aufgeboten, welche der Katze eine Beruhigungsspritze verabreichte. Anschliessend konnte der schwerverletzte Kater geborgen werden», vermeldete die Polizei.
In der auch nachtaktiven Tierklinik Obergrund in Luzern wurde der mit mehreren Brüchen, weggerissenen Ohren und angesengtem Kopf eingelieferte Kater mit vier Operationen wieder aufgepäppelt. «Er hat sich gut erholt», freut sich Tierarzt und Klinikleiter Martin Keiser. Weil der Unfallkater die Autobahn unvorsichtigerweise ohne implantierten Erkennungschip überquert hatte, ist sein Besitzer bis heute unbekannt. Im Gegensatz zu den Hunden besteht für Katzen keine Chippflicht. Der ungechipte Kater aber stammt wohl aus dem Rontal. Weil Katzen üblicherweise nur in einen Revierradius von wenigen Kilometern unterwegs sind, könnte der Kater im Hinblick auf die «Aufprallstelle» aus Honau, Gisikon oder Root stammen. Oder von den Gehöften westlich der Reuss. Er könnte auch aus gutem Haus kommen: Denn offenbar ist er immerhin so gut «erzogen», dass er partout nicht auf einen Esstisch klettert. Selbst wenn dort oben Katzenfutter liegt.
Der Tierklinik ist allerdings mittlerweile egal, von wo der Kater kommt. Sie hat ihn «Quasimodo» getauft und der tigert nun seither – zwar ohren-, aber durchaus nicht gehörlos – als leibhaftiges Beispiel für geglückte Wiederherstellung eines tierischen Verkehrsopfers durch die Praxisräume und lässt sich vom fachkundigen Personal verwöhnen. Er hat sich sozusagen im Vorzimmer des Katzenhimmels gemütlich eingerichtet. Seit die Medien über den lädierten Glückskater berichtet haben, haben sich zahlreiche Katzenfreunde bei der Tierklinik gemeldet, die entweder glauben machen wollten, dass der Kater ihnen gehöre, oder die sich dazu anerboten, den Kater bei sich aufzunehmen. Denn Glück kann ja bekanntlich positiv abfärben. Aber: «Quasimodo gehört heute zur Praxis. Wir geben ihn nicht her und müssen das auch nicht, selbst wenn der frühere Besitzer sich melden würde. Denn nach geltendem Recht darf man ein Tier behalten, wenn sich sein Besitzer nicht innert zwei Monaten meldet», tönt es aus der Tierklinik.
Edith Reuteler vom Tierheim Staffelweid in Udligenswil und Betreuerin der Meldestelle des überregionalen Vereins «Hilfe für Tiere in Not» kennt sich aus mit Findeltieren. «Das mit den zwei Monaten ist richtig», sagt sie. Aber wenn nun der frühere Besitzer der Katze davon ausgeht, dass das Tier auf der Autobahn ums Leben kam und erst durch die Berichterstattung in den Medien darauf aufmerksam wird, dass das nicht der Fall ist? «Jeder Tierbesitzer hat die Möglichkeit, kostenlos auf der Datenbank der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ) seine Verlustmeldung zu platzieren», erläutert sie. Der Unfallkater sei aber nicht gemeldet worden. Bei Edith Reuteler landen immer wieder Findeltiere. Und es ägert sie schon, wenn sich auf einen Zeitungsartikel hin über ein Dutzend Leute melden, die das «arme Tier» frisch aus der Presse bei sich aufnehmen wollen. «Bei mir warten drei Dutzend Büsi auf ein neues Zuhause: Die haben zwar alle noch beide Ohren, sind aber leider keine Medienstars. Deshalb will sie keiner.»