Rigi Anzeiger
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Protest in Ebikon gegen die Natelantenne Nr. 19

Standort Lindenhof-Scheune umstritten

16 Natelantennen von vier verschiedenen Betreibern strahlen schon in Ebikon. Jetzt will die Swisscom eine weitere platzieren. Erstmals im Ort an einem gemeindeeigenen Gebäude. Mindestens 21 Einsprecher haben was dagegen.

«Nahe des Naturschutzgebietes Rotsee plant die Swisscom erneut eine Mobilfunkantenne mit sehr hoher Sendeleistung. Damit will sie – gemäss eigenen Aussagen – lediglich aus Konkurrenzgründen den Empfang auf einigen 100 Metern der Bahnlinie Luzern-Ebikon verbessern, was einer geschätzten Fahrzeit von maximal 15–20 Sekunden entspricht. Viele Anwohner des Quartiers Sonnhalde setzen sich für den Erhalt des Naturschutzgebietes Rotsee ein und finden das Projekt unverhältnismässig. 21 Parteien haben gegen das Baugesuch Einsprache erhoben und werden falls notwendig den Instanzenweg weiter gehen», schreibt Anwohner Marc Pfister in einem Schreiben an die Medien. Er ist einer von 21 Einsprechern gegen das «Installationsvorhaben». Besonders ärgert die Einsprecher, dass sich die Gemeinde vor neun Jahren gegen eine Swisscom-Natelantenne in unmittelbarer Nähe des neuen Standortes ausgesprochen habe. Worauf die Swisscom das Gesuch zurückzog. «Diesmal aber hat die Gemeinde Ebikon eine Absprache mit der Swisscom getroffen und stellt die gemeindeeigene Liegenschaft Lindenhof für das neue Antennenprojekt zur Verfügung. Weder die betroffenen Anwohner noch der Quartierverein Sonnhalde/Halten wurden in diese Standortabsprache mit einbezogen», klagt Pfister. «Der vorgeschlagene Standort liegt zudem ausserhalb der Bauzone in unmittelbarer Nähe des Naturschutzgebietes. Die Gemeinde ist gleichzeitig Bewilligungsbehörde und Grundeigentümerin», kritisiert Pfister weiter. Und beanstandet, das die nun zustimmende Haltung der Gemeinde gegen die «breit kommunizierte» Siedlungsstrategie Ebikon Q+ verstosse. Denn darin werde explizit festgehalten, dass die Gemeinde im Rahmen der Ortsplanungsrevision in besonders wertvollen Landschaftsräumen den Ausschluss von neuen Bauten und Anlagen der Kommunikation prüfen werde. Ein Verrat also an der eigenen Bevölkerung?

Natelantenne
Es riecht nach Stunk bei der gemeindeeigenen Lindenhof-Scheune, wo
die Natelantenne in den Giebel eingebaut werden soll.

 

Was sagt der dafür zuständige Gemeinderat Peter Schärli zu solchen Vorhaltungen?
«Der Sachverhalt betreffend die Vereinbarung mit der Swisscom ist richtig. Die Gemeinde hat entsprechend ihren Befugnissen mit der Swisscom verhandelt. Und sich gegen zwei Platzierungsvorschläge ausgesprochen. Beides wären alleinstehende, hohe Antennenmasten im Siedlungsgebiet gewesen. Um zu vermeiden, dass die Swisscom womöglich auf privatem Grund solche Masten installiert und weil die Antenne optisch unauffällig im Giebel der als Einstellraum genutzten Scheune untergebracht werden kann, hat sich der Gemeinderat dafür entschieden, der Swisscom die gemeindeeigene Scheune als Standort zur Verfügung zu stellen», führt Schärli aus. Es sei das erste Mal, dass die Gemeinde eine eigene Liegenschaft als Antennenstandort zur Verfügung stelle, erklärt er. Und stellt in Abrede, dass finanzielle Überlegungen mit im Spiel gewesen sind. «Natürlich bezahlt die Swisscom eine Entschädigung für Antennenstandorte. Aber die paar tausend Franken haben sicher keinen Einfluss auf den Entscheid. Es geht der Gemeinde darum, mit einer bestmöglichen Lösung, schlechtere Alternativen zu verhindern», erklärt Schärli. Und bestätigt, dass gegen das Vorhaben «mehrere Einsprachen» eingegangen seien, die man nun behandeln werde.

Gemeinderat nur für Optik zuständig
Was Bedenken bezüglich des gesundheitlichen Aspektes solcher Antennen betrifft, verweist Schärli auf die dafür zuständige kantonale Dienststelle. «Diese Fragen werden dort geprüft. Wir von der Gemeindebehörde sind nur für den Schutz des Ortsbildes zuständig», sagt er. Swisscom-Sprecherin Annina Merk beantwortete die Anfrage des Rigianzeiger bezüglich der Sendeleistung der geplanten Natelantenne wie folgt: «Die Mobilfunkanlage wird zwei Senderichtungen haben. Die Sendeleistungen richten sich nach geltenden Werten für Mobilfunkanlagen gemäss NISV. Die maximalen Grenzwerte werden im vorliegenden Fall deutlich unterschritten. Die Grenzwerte sind in der Schweiz um Faktor zehn strenger als im benachbarten Ausland». Ähnlich die Antwort auf die strahlungstechnisch messbare Reichweite einer solchen Antenne. «Bei der Reichweite einer Antenne kommt es immer auf verschiedene Faktoren an wie Topographie, verwendete Sendeleistung, Technologie etc. Primär wird mit diesem Standort die Versorgungslücke auf der stark frequentierten Zugstrecke Luzern Zug, beim Rotsee-Ebikon Bahnhof geschlossen». Neben dem Schliessen der Versorgungslücke, werde auch das angrenzende Siedlungsgebiet von der Mobilfunkanlage in Form einer qualitativen Mobilfunkversorgung profitieren. Die beiden nächstgelegenen Swisscom Antennen befänden sich entlang der Hauptstrasse in östlicher und westlicher Richtung jeweils in einem, bis anderthalb Kilometer Entfernung.

Immer wieder Streit um Antennen
Von den insgesamt rund 6000 Mobilfunkantennen, die sie Swisscom in der Schweiz betreibt, stehen bis jetzt vier in Ebikon. Fünf weitere werden von Orange, fünf von Sunrise und zwei von den SBB betrieben. Alle auf privaten Grund oder Gebäuden. Längst nicht alle haben ihren Standort kampflos erobert. Um die auf dem Dach des Hauses einer ehemaligen Präsidentin des Grünen Bündnisses geplante Sunrise-Antenne an der Sagenstrasse tobt seit über fünf Jahren ein Rechtstreit, der gegenwärtig zum zweiten Mal das Bundesgericht beschäftigt.

Und der Antennenwald ist noch längst nicht ausgewachsen. «Der mobile Datenverkehr hat sich im Vergleich zu Q1 im Jahre 2012 mehr als verdoppelt. Swisscom baut ihr Netz deshalb laufend aus und nimmt pro Jahr rund 300 neue Standorte in Betrieb, respektive baut bestehende Standorte aus», erklärt die Swisscom-Sprecherin Annina Merk. Und der Ebikoner Gemeinderat Schärli stellt fest: «Früher hat es weniger Antennen, dafür mit mehr Leistung gegeben. Aufgrund der Nachfrage werden zusätzliche Standorte notwendig sein».