Rigi Anzeiger
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Rigi-Bahnen rollen zu neuen Rekorden

Vitznau 25 Prozent mehr Besucher im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr vermelden die Rigi-Bahnen. Und das Vorjahr war schon ein Rekordjahr. Der Erfolgskurs hat aber auch seine Schattenseiten.

In Vitznau sorgen immer mehr Reisecars fuer schlechte Stimmung im Dorf. Bild: Niklaus Waechter

In Vitznau sorgen immer mehr Reisecars fuer schlechte Stimmung im Dorf.
Bild: Niklaus Waechter

Und auch diese Schattenseiten rollen auf Rädern. Aber auf der Strasse. Von irgendwo nach Vitznau. Bis zu 30 Cars pro Tag treffen dort ein. Lassen ihre Fahrgäste am Bus-Wendeplatz beim Rigi-Bahnen- Bahnhof aussteigen und fahren dann 650 Meter weiter zum südlichen Dorfende um dort auf dem Abstellplatz Zberg auf die Rückkehr ihrer Fahrgäste vom Ausflug auf die Rigi zu warten. Um sie dann wieder beim Wendplatz aufzunehmen. Natürlich klappen diese Rotationen bei Grossansturm mit gleichzeitiger Ankunft oder Abfahrt mehrerer Reisebusse nicht immer reibungslos. Blockierte Plätze und Strassen sind die Folge. Und verärgerte Einwohner. Doch die erste Bergbahn Eu- ropas rollt schon seit dem 21. Mai 1871 von Vitznau auf die Rigi. Weshalb nun plötzlich die Probleme?

«Im vergangenen Oktober begann die Anzahl anfahrender Cars anzuziehen. Seit her werden es immer mehr», schildert Verkaufs- und Marketingleiter Roger Joss. Und in immer mehr dieser Cars sitzen Touristen aus China. «Unsere Marketingbemühungen in China und unser Vertreter vor Ort beginnen sich offenbar positiv auszuwirken», freut sich Joss. Nicht alle teilen diese Freude. Nach wiederholten Unmutsbezeugungen

aus der örtlichen Bevölkerung, haben die Rigi-Bahnen kürzlich die Flucht nach vorne ergriffen und die Probleme öffentlich deklariert. «Seither sind wir im Dialog mit den Gemeindebehörden und haben auch schon erste Massnahmen ergriffen», schildert Joss.

Mit Instruktionsblättern für die Car-Chauffeure will man diese für die besondere Situation in Vitznau sensibilisieren und zu bestimmten Verhaltensregeln animieren.Im weiteren versuchen jeweils bei Grossandrang Bahn-Mitarbeiter die Situation am Wendeplatz zu entschärfen.

«Es ist für uns nicht absehbar, ob der Andrang weiter anhält oder noch mehr zunimmt», gesteht der Marketingleiter. Der neubaubedingte Ausfall der Pilatus- Bahn während der vergangenen Monate habe offenbar fast keinen Einfluss auf den Besucherstrom auf die Rigi. «Jeden- falls sind unsere Frequenzen nach der Wiedereröffnung nicht eingebrochen», erklärt er. Auch der unlängst auf der Rigi platzierte Felsbrocken aus China scheint keine magischen Anziehungskräfte aus- zuüben. «Viele Besucher aus China wissen gar nicht, dass er hier ist», meint Joss. Hingegen macht sich die Rigi als besonders zuverlässiger Ausflugsberg einen Namen. «Kürzlich standen sowohl die Bahnen am Pilatus, als auch am Tit- lis still. Da blieb für einen Bergausflug in der Zentralschweiz natürlich nur noch die Rigi übrig», berichtet Joss.

Als Hauptursache für die massive Zunahme der Gruppenreisen aus China und Südkorea auf die Rigi ortet er die Marketingmassnahmen der Rigi-Bahnen in China und vor allem einen offensichtlich effizienten Vertreter vor Ort. Besonders erfreulich sei, dass die Zunahme vor allem in der bislang schwachen Zwischensaison erfolgt sei. Bis jetzt lägen die Besucherfrequenzen des ersten Jahresviertel um 25 Prozent über dem letztjährigen ersten Jahresviertel. «Und das letzte Jahr war ein Rekordjahr», gibt Joss zu bedenken.

Joss rechnet damit, dass auch künftig täglich zwischen 20 bis 25 Reisecars mit Rigibesuchern in Vitznau verkehren. «Wir versuchen zwar den Besucherstrom auf Goldau und Weggis zu verteilen. Aber Vitznau bleibt weiterhin die Hauptstation für einen Ausflug auf die Rigi», sagt er. Am idealsten wäre natürlich grosser Carparkplatz in unmittelbarer Nähe der Bahnstation. «10 bis 15 Parkplätze für Cars wären ideal», meint Joss. Weil das im engen Ort unrealistisch erscheint, versuchen die Rigi-Bahnen mit bescheideneren Massnahmen die Car-Schwemme für die Vitznauer erträglich zu machen. Sie beginnen mit scheinbaren Kleinigkeiten, wie die Erhöhung der Anzahl Abfallskübel im Umfeld der Talstation. Und auch die regelmässige Überbeanspruchung der Bahnhofstrasse gleich neben dem Stationsgebäude durch Touristen, Waren- umschlag und Ortsverkehr ist ein Thema auf dem Dialogplan der Rigi-Bahnen. Anderseits hat die wirtschaftliche Berg- fahrt der Rigi-Bahnen auch sehr erfreu- liche Folgen. «Wir haben Arbeitsplätze aufgestockt und können auch unseren Freizeitangestellten mehr Beschäftigung bieten», vermeldet Roger Joss. Bild & Text: Niklaus Wächter