Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Rollerunfälle sind Todesursache Nummer eins

Bevor ich hierherkam, hatte ich mir Sorgen wegen des Verkehrs in Bangkok gemacht. Ich hatte verstopfte Strassen mit permanenten Staus, ein mehr schlecht als recht funktionierendes Busnetz und im Zentrum oder bei Verkehrsknotenpunkten eine Luftqualität ähnlich derjenigen von chinesischen Metropolen gefürchtet.

Meine Bedenken sollten grösstenteils ungerechtfertigt sein. Natürlich sind in einer Stadt mit mehr als acht Millionen Einwohnern und einer Metropolregion, in der insgesamt über 14 Millionen Menschen zu Hause sind, viele Autos unterwegs. Es liegt auch nahe, dass es während der Stosszeiten zu Staus kommt. Und dass bei einem derart starken Verkehrsaufkommen Unfälle geschehen, kann man sich ebenfalls denken. In Kairo oder Mexiko-Stadt habe ich jedoch schon schlimmere Szenarien im Strassenverkehr gesehen. Dort können sich die Wagen auf einigen Routen tatsächlich während mehr als der Hälfte des Tages nur im Schritttempo fortbewegen. War ich in Mexiko bei meinen Freunden im Auto, wurde beinahe im Minutentakt geflucht und geschimpft. Auf diese Weise konnte ich mein Vokabular bei jeder Ausfahrt um einige wüste Schimpfwörter erweitern. In der ägyptischen Hauptstadt wiesen schätzungsweise rund zwei Drittel aller Wagen Spuren einer Kollision auf und bei jeder längeren Fahrt wurde man Zeuge mindestens eines Unfalls. So gesehen ist der Verkehr Bangkok also direkt harmlos. Die drei vorher genannten Grossstädte haben aber gemeinsam, dass sie nicht besonders fussgängerfreundlich sind. So sind zwar Zebrastreifen vorzufinden, doch Busse, Autos und Motorräder halten allesamt nicht an für Fussgänger. Ist man zu Fuss unterwegs, bieten Ampeln oder Über- und Unterführungen die einzige Möglichkeit, sicher auf die andere Strassenseite zu gelangen. Ist man vermeintlich in Sicherheit, hat es dort kein Trottoir. In solchen Fällen bleiben nicht wenige Autofahrer stur in ihrer Spur und fahren mit einem Abstand von wenigen Zentimetern vorbei. Bei mir vor dem Haus liegt eine verhältnismässig eher wenig befahrene Strasse ohne Überführung. Da die meisten Wagen ziemlich schnell unterwegs sind, muss ich beim Überqueren der Strasse oftmals kurz einen kleinen Sprint hinlegen, da die Fahrzeuge wie aus dem Nichts auftauchen und hupen.
Noch gefährlicher als Fussgänger leben allerdings Rollerfahrer. Eine Dozentin der Uni warnte mich eindrücklich davor, dieses Verkehrsmittel zu nutzen, obwohl die meisten jungen Thailänder mit den motorisierten Zweirädern unterwegs sind und diese Fahrzeuge in ungefähr gleicher Zahl wie Autos auf den Strassen anzutreffen sind. Es gibt sogar Roller-Taxis und vor allem bei jungen Thailändern erfreuen sich die Gefährte enormer Beliebtheit. Unfälle mit Rollern stellen in Thailand bei Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren jedoch die Todesursache Nummer eins dar. Dies erstaunt mich nach meinen ersten Beobachtungen nicht: Bis zu vier Personen sitzen auf einem Fahrzeug, der Lenker telefoniert, schreibt eine SMS oder genehmigt sich inmitten des dichten Mittagsverkehrs eine Mahlzeit. Vielfach trägt keiner der Mitfahrer einen Helm. Auf schnellen Strassen sind die kleinen Gefährte Lastwagen und Autos im Weg, die beim Anblick eines Rollers ungeduldig hupen und nah auffahren.

Zum Markt, Lokal und Geschäft geht es für viele Thailänder per Roller.

Zum Markt, Lokal und Geschäft geht es für viele Thailänder per Roller.

Zum Markt, Lokal und Geschäft geht es für viele Thailänder per Roller.

Zum Markt, Lokal und Geschäft geht es für viele Thailänder per Roller.

Der Verkehr in Bangkok läuft vergleichsweise strukturiert ab.

Der Verkehr in Bangkok läuft vergleichsweise strukturiert ab.

Stephanie Sigrist aus Risch absolviert ein Austauschsemester in Bangkok und berichtet darüber regelmässig im Rigi Anzeiger.

E-Mail aus Bangkok 1: Nächster Halt Tempel und Abgase 

E-Mail aus Bangkok 2: Warnungen stellen sich als nichtig heraus 

E-Mail aus Bangkok 3: Autorität der Lehrer ist unangetastet 

E-Mail aus Bangkok 4: Nur kleine Wolken über Bangkok 

E-Mail aus Bangkok 5: Bequeme Thais und hinterlistige Tuktukfahrer

E-Mail aus Bangkok 6: Wehe dem, der den König nicht ehrt

E-Mail aus Bangkok 7: Rollerunfälle sind Todesursache Nummer eins

E-Mails aus Bangkok 8: Fluss im Regenwald oder doch Sugar Daddy?

E-Mails aus Bangkok 9: Andere Länder, andere Tischsitten