Rigi Anzeiger
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Ruhe vor dem Häuserkampf

Einvernehmliche Orientierungsversammlung in Weggis

In Weggis stehen Investitionen von 24 Mio. Franken für Schutzmassnahmen vor Naturgefahren an. 3,2 Mio. davon sind als Entschädigung vorgesehen für die Besitzer von fünf Häusern, die abgebaut werden sollen. Rund 150 Gemeindebewohner nahmen die An- und Absichten des Gemeinderates kommentarlos zur Kenntnis.

Nur gerade ein Weggiser erhob sich nach den anderthalbstündigen Ausführungen zum Thema «Naturgefahren» am Donnerstag vor einer Woche in der Mehrzweckhalle zu einer kurzen Wortmeldung. «Es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn plötzlich so ein grosser Felsbrocken neben dem eigenen Haus liegt. Ich kann dem Gemeinderat nur zustimmen in seinen Absichten, uns vor solchen Naturgefahren zu schützen», sagte er. Bis vor wenigen Jahren konnten die Weggiser noch seelenruhig unter den senkrechten Felsbändern der Rigi-Westseite schlafen. Obschon vor bald 220 Jahren ein Erdrutsch im Dorfteil «Oberdorf» 28 Häuser, 15 Ställe und Speicher und eine Kapelle in den See gespült hat. Immerhin konnten sich die Bewohner damals rechtzeitig in Sicherheit bringen. Ohne elektronisches Frühwarnsystem! Doch seit Felsstürzen im Jahre 2001 und vor allem seit der Jahrhundertflut im Sommer 2005, fürchten sich die Weggiser wieder vor Naturgefahren. Sie haben eine Gefahrenkarte erstellt und erste Sicherheitsmassnahmen realisiert. Dazu zählen Dammbauten, Bachausbauten, Geschiebesammler und Messstellen zur Geländeüberwachung.

Weggis Horlaui
Ein Hauch von Lago Mio: Ausblick von einem der von der Zwangsraeumung bedrohten Häuser in der Horlaui.

Bereits 19 Millionen Franken investiert

Seit 2001 wurden 19 Mio. Franken in Schutzmassnahmen investiert, von denen die Gemeinde rund 7,5 Mio. aus der eigenen Kasse bezahlen musste. Doch jetzt stehen weitere Schutzmassnahmen an: In den Gebieten «Linden», «Laugneri», «Horlaui» und «Obermättli». Die wurden zu «Gefahrengebieten mit Siedlungen mit erheblicher Gefährdung» erklärt. Dazu kommt noch das Gebiet Tannenberg, in dem im vergangenen Jahr wegen einer Rutschung ein abgelegener Hof geräumt und abgebaut werden musste. Mit Ausnahme vom Gebiet Obermättli, wo ein privat finanzierter Schutzdamm gebaut werden soll, müssen die Schutzmassnahmen in den anderen Gebieten von der öffentlichen Hand bezahlt werden.

Mit einer Kostenschätzung von 9,9 Mio. Franken am teuersten zu stehen kommen die geplanten Felssicherungen, der Schutzdamm und die Schutznetze für das von acht Wohnbauten belegte Gebiet Laugneri, in dem bereits in den Vorjahren millionenteure Schutzmassnahmen realisiert wurden.

An zweiter Stelle kommt das Gebiet Horlaui, in dem direkt unter einem Felsband fünf Wohnbauten stehen. (Der Rigi Anzeiger hat darüber berichtet.) Weil hier der Schutz dieser vor vielen Jahrzehnten an exponierter Lage erbauten Häuser sehr teuer wäre, rechnet die Gemeinde guten Mutes mal mit der preiswertesten Lösung: 3,2 Mio. Franken Entschädigung für die Besitzer und 3,5 Mio. für den Abbruch und Felssicherungsarbeiten. Plus 1,8 Millionen für Diverses. Macht zusammen 8,5 Millionen.

Weil die Besitzer erkennen lassen, dass sie auch gegen 3,3 Millionen Franken Entschädigung den Steilhang nicht kampflos zu räumen gedenken und stattdessen auf Gefahrlosigkeit ihres Wohngebietes plädieren, sind nun detaillierte Abklärungen im Gange. Mit 2,5 Mio Franken kostet die Schutzmassahme für das dritte Gefahrengebiet «Linden» vergleichweise wenig. Drei Millionen Franken kommen schliesslich für Geländesicherungen im Gebiet Tannenberg dazu.

Weggis LU
Weggis wird zunehmend von der Natur bedroht.

Realisiert werden sollen die Massnahmen in den kommenden sieben Jahren. Von den insgesamt 24 Millionen Franken, müsste die Gemeinde voraussichtlich 7 Mio. selbst bezahlen. «Das entspricht etwa den Kosten, die wir bereits während der vergangenen 10 bis 12 Jahren in Massnahmen gegen Naturgefahren investiert haben», erklärte Gemeindeammann Baptist Lottenbach den rund 150 zur Orientierungsversammlung erschienenen Weggiser. Der sich abzeichnende Rechtstreit mit den Besitzern der Häuser in der Horlaui war an diesem Abend noch kein offizielles Thema für Lottenbach. Und für sein Publikum auch nicht. Aber hinter den Kulissen laufen bereits die Vorbereitungen dazu. Und in einem Jahr werden die Weggiser sich mit einer Urnenabstimmung zu den Massnahmen äussern können. «Die Frage ist nur die, ob wir über alle Gebiete zusammen, oder über jedes Gebiet einzeln abstimmen werden», sagt der Gemeindeammann.