Rigi Anzeiger
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Schärli tritt als Spitex-Präsident zurück

Ebikon: Die Spitex Rontal plus bietet als Verein Pflege- und Betreuungsdienstleistungen an, um Klienten das Leben zu Hause zu ermöglichen. Seit 20 Jahren ist Peter Schärli als deren Präsident tätig und tritt per Ende Mai 2018 zurück.

Peter Schärli tritt als Präsident der Spitex Rontal plus zurück, um mehr Zeit für Hund Emmi, die Familie und Hobbies zu haben. Bild zVg

Peter Schärli tritt als Präsident der Spitex Rontal plus zurück, um mehr Zeit für Hund Emmi, die Familie und Hobbies zu haben. Bild zVg

 

Peter Schärli, Sie waren ein langjähriges Mitglied des Ebikoner Gemeinderats im Ressort Bau. Gleichzeitig haben Sie während 20 Jahren die Spitex als Präsident geführt. Warum sind Sie damals ins Gesundheitswesen eingestiegen?
Ende der 80er Jahre war ich Mitglied der Baukommission in Ebikon. An einer Planungssitzung zum Neubau des Zentrums Höchweid stellte ich die Frage, was hinter der Tür des «Spitex-Büros» passieren wird. Die Spitex in der heutigen Organisationsform hat es damals noch nicht gegeben. Die Gemeinde gründete die Spitex-Kommission und weil ich mehr über diese Institution wissen wollte, fragte mich der Gemeinderat an, ob ich das Präsidium der Spitex-Kommission übernehmen möchte. Ich sagte zu. Der erste Auftrag war, mit allen Vereinen, welche Hilfeleistungen zu Hause angeboten haben, ein Konzept zu erstellen. Mit dem Konzept zur Koordination der Dienstleistungen zu Hause war der Auftrag abgeschlossen. Danach erfolgte die Spitex-Gründung.

Was war Ihre Motivation, sich als Präsident zu bewerben?
Die Kultur der Mitarbeitenden im Umgang mit Menschen hat mich von Beginn bis heute fasziniert und motiviert. Die Mitarbeitenden leisten sinnstiftende Arbeit, damit Klienten im gewohnten Umfeld zu Hause leben können. Dabei beziehen sie Angehörige, Freunde, Nachbarn und Verwandte mit in die Pflege und Betreuung ein.

Früher Spitex Ebikon-Dierikon und heute Spitex Rontal plus mit zehn Gemeinden. Warum kam es zu zwei Fusionen während Ihrer Amtszeit?
Die ansteigende Nachfrage für professionelle Leistungen war der Treiber für die Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren. Als kleine Organisation waren die Leistungsgrenzen viel schneller erreicht als heute mit 70 Mitarbeitenden. 2006 fusionierte die Spitex Ebikon-Dierikon zum Spitex-Zentrum mit vier Gemeinden und 2010 zur Spitex Rontal plus mit zehn Gemeinden. Früher konnten beispielsweise nicht genügend Ausbildungsplätze und Spezialleistungen angeboten werden. Mit der grösseren Einheit konnten wir Dienstleistungen wie Palliative Care oder psychiatrische Pflege anbieten. Eine Herausforderung war, alle Vorstände zu besetzen.

Welche finanziellen Herausforderungen stehen der Spitex Rontal plus bevor?
Die privaten Spitex-Organisationen kommen auf den Markt und haben keine Versorgungspflicht. Sie können sich die rentablen Klienten mit kurzen Anfahrtswegen aussuchen, weil diese Wege nicht verrechnet werden können. Ein ökonomisches Denken und Handeln gehört zu jeder Spitex-Organisationsform, jedoch sollte der Mensch im Mittelpunkt stehen und nicht der monetäre Gewinn. Als öffentliche Spitex haben wir eine Versorgungspflicht und sind überall für alle da, unabhängig davon, wie lange die nicht bezahlte Anfahrt dauert. Der ökonomische Druck nimmt durch die ungleichen Spiesse zu. Auch die Budgets der Gemeinden sind angespannt. Dies wirkt sich besonders bei der Hauswirtschaft auf die Restfinanzierungskosten aus.

Was gibt es nebst den finanziellen Herausforderungen noch meistern?
Viele Menschen werden gesund älter und wollen möglichst lange zu Hause leben. Die Spitex wird in Zukunft im Bereich Palliative Care noch mehr Dienstleistungen anbieten. Weil die Aufenthaltsdauer im Spital mit den Fallpauschalen weiter zurückgeht, wird die Nachfrage an spitalexterner Pflege und Betreuung zunehmen. Neue Mitarbeitende zu finden und diese mit attraktiven Arbeitsbedingungen zu erhalten, ist entscheidend, um künftig das Dienstleistungsangebot in der geforderten Qualität erbringen zu können.

Wie haben Sie die 20 Jahre als Präsident erlebt?
Das Gesundheitswesen ist dynamisch und die vernetze Tätigkeit mit der Geschäftsleitung und den Mitarbeitenden, den Gemeinden, dem Kanton, Spitälern, Alterszentren und Zulieferern hat mich während 20 Jahren begeistert. Neben den beiden Fusionen haben wir Projekte wie die FaGe-Ausbildung (Anmerkung Redaktion: FaGe = Fachfrau/-mann Gesundheit) realisiert. Wir waren die erste Spitex im Kanton Luzern mit einem Ausbildungsplatz während der Pilotphase. Die Spitex Rontal plus hat auch jetzt wieder eine Vorreiterrolle bei der Einführung der Software «Tacs». Es geht dabei um das Erfassen und Auswerten von Leistungen, um einen Benchmark zu ermöglichen. Dies ist ein nationales Projekt, an welchem wir uns beteiligen. Auch das Zeiterfassungstool «Lep» haben wir von Anfang an mitgestaltet. Wir konzipierten die Pflegeabteilung Kurzzeit im Känzeli, welche wir heute nicht mehr betreiben. Eine weitere Innovation ist die Sturzprävention. Aufgrund der Herausforderungen gehe ich davon aus, dass diese Dynamik so weitergeht und damit auch die Entwicklung.

Was sind ihre Beweggründe für den Rücktritt?
Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits ist die Amtszeit mit 20 Jahren als Präsident sehr lange und neue Leute sollen eine Chance erhalten, sich einzubringen und die Spitex Rontal plus mitzugestalten. Andererseits möchte ich mehr Zeit für mein Privatleben mit meiner Familie, Enkelkindern, Hund, Musik und Sport. Der Rücktritt erfolgt per Ende Mai 2018.

Die Spitex Rontal plus hat das Präsidium öffentlich ausgeschrieben. Was sollte die neue Persönlichkeit mitbringen?
Es sollte eine kommunikative, starke Persönlichkeit mit Verhandlungsgeschick sein. Zur Tätigkeit gehört die Vertretung des Vereins in der Öffentlichkeit, bei den Vertragsgemeinden und weiteren Institutionen. Die Vernetzung und strategische Fähigkeiten runden das Profil ab. Es ist wichtig, dass die Region mit ihren sehr kleinen, aber auch urbanen Gemeinden. verstanden wird. Erfahrungen im politischen Bereich sind natürlich von Vorteil, denn die Spitex setzt die kantonale Strategie um.
Mehr Informationen zum Präsidium: www.spitexrontalplus.ch