Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Schüler als erfolgreiche Zeitungsproduzenten

Buchrain: 7000 Franken für die Glückskette. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6d des Schulhauses Hinterleisibach in Buchrain haben das mit einer selbst produzierten Osterzeitung möglich gemacht. Hinter dem Projekt steht Klassenlehrerin Ruth Steiner.

Die Klasse 6d des Schulhauses Hinterleisibach, Buchrain, mit Osterzeitung 2015.

Die Klasse 6d des Schulhauses Hinterleisibach, Buchrain, mit Osterzeitung 2015.

Ruth Steiner, die Schüler und Schülerinnen sind in Luzern aufgefallen, wie sie mit Begeisterung und Engagement die Osterzeitung 2015 den Passanten erfolgreich angepriesen haben. Wo wird das selbst getextete und auch eigens graphisch gestaltete Imprimat überall angeboten?
Wir beginnen den Verkauf jeweils im Dorf Buchrain selber. Die Kinder bilden Gruppen und verkaufen die Zeitungen an den Haustüren, am Bahnhof, im Einkaufszentrum. Einige Kinder sind auch nach Ebikon gegangen. Die ganze Klasse geht an zwei Nachmittagen zusammen in die Stadt Luzern, wo wir jeweils auch wieder in Gruppen unterwegs sind. Am Samstag begleite ich die Freiwilligen in die Stadt.

Wie werten Sie den ideellen und auch finanziellen Erfolg dieser Aktion zugunsten der Kinderhilfe der Glückskette?
Dieses Projekt schweisst die Klasse zusammen. Es stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Jedes Kind steuert mindestens eine Geschichte, eine Zeichnung und ein Gedicht bei. Dieses Projekt vereint Sach-, Selbst- und Sozialkompetenz. Viele positive Rückmeldungen freuen uns und die Kinder lernen, eher unfreundliche Kundschaft zu akzeptieren und als Teil ihres Lebens einzuordnen.
Täglich steigt das Spendenbarometer an und wir sind jeweils gespannt, welcher Betrag schliesslich zusammenkommt. Mit zunehmender Erfahrung der Kinder steigt auch der Erlös. Waren es zu Weihnachten fast Fr. 5000.–, konnte ich der Glückskette in diesen Tagen fast Fr. 7000.– einzahlen. Es ist oft ein Thema in der Klasse, was es bedeutet, nicht in so privilegierten Verhältnissen aufzuwachsen, wie selbst das ärmste Kind in der Schweiz es kann. Unsere Sozialwerke sind gut und kein Kind in der Schweiz muss Hunger leiden. Meine Schülerinnen und Schüler sind interessiert daran, wie es Kindern geht, die vielleicht ohne Schutz dastehen, ihre Eltern im Krieg verloren haben und morgen nicht wissen, wo sie wohnen oder, ob sie etwas zu essen haben. Und dafür sind sie bereit, zusätzliche Freizeit zum Verkaufen einzusetzen.

Seit wann führen Sie jeweils mit Ihrer Klasse solche Verkaufs-Aktionen durch?
Angefangen habe ich vor bald zehn Jahren mit einer 6. Klasse. Ich liess Kinder, die Hausaufgaben nicht gemacht haben, Gedichte schreiben und der Klasse vortragen. Mit der Zeit fand ich es schade, dass die Kinder nur für die Schublade dichteten und so ist die Idee der ersten Weihnachtszeitung entstanden. Wenn alle Faktoren stimmen, entstehen so mit der jeweiligen Klasse Oster- und Weihnachtszeitungen. Unterdessen haben wir sogar Stammkunden, die Bestellungen aufgeben. Besonders freuen uns Leserinnen und Leser, die selber dichten und uns Karten schreiben.

Klassenlehrerin Ruth Steiner: «Sicher gibt es besondere Verkaufstalente, die auch den Chinesen Zeitungen verkaufen und ihnen raten, dies doch bei Google zu übersetzen.»

Klassenlehrerin Ruth Steiner: «Sicher gibt es besondere Verkaufstalente, die auch den Chinesen Zeitungen verkaufen und ihnen raten, dies doch bei Google zu übersetzen.»

Wie gelingt es Ihnen, eine ganze Klasse für die Entstehung einer besonderen Zeitung und für deren Verkauf zu motivieren?
Dieses Projekt ist nicht nur Theorie in der Schulbank. Kinder werden selber zu Autoren und Zeichnern und das Verkaufen ist reales Leben. Wenn ich das Projekt vorstelle, sind die Kinder sofort Feuer und Flamme. Einzelne Kinder müssen sich beim Verkaufen überwinden, auf Menschen zuzugehen. Diese verkaufen halt etwas weniger. Ich vermeide jedoch einen Konkurrenzkampf unter den Kindern, sonst dient es der Sache nicht mehr. Ich lege grossen Wert auf gegenseitige Akzeptanz der Heterogenität. Sicher gibt es besondere Verkaufstalente, die auch den Chinesen Zeitungen verkaufen und ihnen raten, dies doch bei Google zu übersetzen. Die vielen Erlebnisse machen den Schulalltag lebendig und werden noch nach Wochen wieder erzählt.

Gibt es besonders lustige und/oder besonders eindrückliche Erlebnisse von Kindern beim Verkauf der Zeitungen?
Viele Lacher erntete folgende Begebenheit: Am Bahnhof Buchrain rannte ein Mann auf den Zug. Eine Schülerin bot dem Mann trotzdem eine Zeitung an und rannte mit ihm mit. Bis sie zusammen den Zug erreichten, war das Verkaufsgespräch beendet und Geld und Zeitung hatten den Besitzer gewechselt.
Beeindruckend war auch diese Geschichte: Ein Garagist fragte drei Knaben, wie viele Exemplare sie denn noch hätten. Dann kaufte er alle verbleibenden 20 Stück, um sie für die Kundschaft aufzulegen. Er machte den Kindern damit eine grosse Freude. Interview Roger Manzardo